Generali und Intesa
Zusammenschluss nur Thema einer Fallstudie?

Die letzten Marktspekulationen über den Zusammenschluss von Versicherer Generali und Bank Intesa haben den Generali-Kurs in die Höhe getrieben. Dabei war der mögliche Zusammenschluss nur das Thema einer Fallstudie.
  • 0

MailandItaliens größte Filialbank Intesa Sanpaolo lässt ein mögliches Übernahmeangebot für den Versicherer Generali offen. Das Management teilte am Freitag mit, momentan sei dies nur Gegenstand von Planspielen. Das Führungsgremium prüfe regelmäßig die Wachstumsmöglichkeiten des Geldhauses - intern und durch Übernahmen. Intesa-Chef Carlo Messina sagte, die Bank werde sich die nötige Zeit dafür nehmen und sich insbesondere anschauen, ob ein Schulterschluss mit Generali mit den eigenen strategischen Prioritäten vereinbar sei.

Intesa hatte bereits am Vortag dementiert, ein Übernahmeangebot für den Versicherer vorzubereiten. „Intesa Sanpaolo dementiert entschieden, eine Offerte für Generali zu prüfen“, sagte ein Banksprecher. Die Großbank reagierte damit auf Marktspekulationen, die den Generali-Kurs deutlich in die Höhe getrieben hatten. Zunächst blieb unklar, ob Intesa kein Interesse mehr an Generali hat oder sich andere Optionen als eine Kaufofferte anschaut. Vergangene Woche hatte die Bank noch erklärt, mögliche Kombinationen mit dem Versicherungsriesen zu erwägen.

Fondsmanager sagten daraufhin, es sei unklar, ob Intesa zurückrudere oder nur mehr Zeit gewinnen wolle. Die Bank, die bereits im Versicherungsgeschäft aktiv ist, hatte zuletzt bestätigt, einen Zusammenschluss zu prüfen. Laut Messina darf eine solche Kombination aber nicht die Kapitaldecke schwächen oder die Ausschüttungen an die Aktionäre verringern.

Aus dem Umfeld der größten italienischen Assekuranz hieß es, bei Generali habe man mittlerweile immer mehr das Gefühl, Intesa könne sich zurückziehen. Weder die Münchner Allianz noch die französische Axa hätten großes Interesse, Intesa zur Seite zu stehen und Teile von Generali zu übernehmen.

Intesa legte am Freitag auch die Bilanz für 2016 vor. Der Überschuss kletterte um knapp 14 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Der Löwenanteil davon solle als Dividende ausgeschüttet werden. Im vierten Quartal sprang der Nettogewinn zwar um ein Vielfaches auf 776 Millionen Euro in die Höhe, blieb damit aber hinter den Analystenerwartungen von 801 Millionen Euro zurück. Gebremst wurde das Institut unter anderem durch einen Beitrag zum italienischen Bankenrettungsfonds, mit dem marode Institute stabilisiert werden sollen.

Intesa teilte zudem mit, eine knapp fünfprozentige Beteiligung an der Bank von Italien für 366 Millionen Euro zu veräußern. Nach der Transaktion werde das Paket noch bei knapp 28 Prozent liegen. In der Zukunft solle es aber nicht mehr als drei Prozent betragen. Käme es zu einer Generali-Übernahme durch Intesa, könnte nach Ansicht von Analysten die Allianz ein Nutznießer sein. Da Intesa aus kartellrechtlichen Gründen voraussichtlich Teile des Generali-Geschäfts verkaufen müsste, könnte sich der Münchener Konzern demnach das Sachversicherungsgeschäft in Frankreich, die spanische Generali-Tochter und Aktivitäten in Osteuropa sichern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Generali und Intesa: Zusammenschluss nur Thema einer Fallstudie?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%