Generalversammlung
Credit-Suisse-Aktionäre beschließen höhere Managergehälter

In der Schweiz sollen Aktionäre künftig bindend über die Vergütung von Managern abstimmen können. Doch offenbar wollen nicht alle Anleger die Gehälter deckeln – zumindest nicht bei der Credit Suisse.
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ZürichDer Widerstand der Aktionäre gegen hohe Managergehälter bei der Schweizer Großbank Credit Suisse ebbt ab. Die Eigner winkten auf der Generalversammlung vom Freitag in Zürich den Vergütungsbericht und eine Kapitalerhöhung zur Zahlung von Boni durch. Lediglich jeder zehnte Aktionär stimmte gegen den Vergütungsbericht des zweitgrößten Schweizer Geldhauses. Vor einem Jahr hatten noch fast ein Drittel den Bericht abgelehnt.

Rückendeckung vom einflussreichen US-Aktionärsberaters ISS dürfte dem Credit Suisse-Management in der nicht bindenden Abstimmung über die Gehälter geholfen haben. Änderungen bei den Grundsätzen der Bonus-Auszahlungen sorgten bei den Amerikanern nach der Ablehnung im Vorjahr für einen Meinungsumschwung. ISS honorierte, dass die Bank die Kriterien für die Leistungsbeurteilung offenlegte und eine Obergrenze für die Boni von Konzernchef Brady Dougan und der Geschäftsleitung festlegte. Die Aktionäre störten sich offenbar nicht daran, dass Dougan trotz eines Gewinnrückgangs um ein Drittel mit 7,77 Millionen Franken ein Drittel mehr einstrich als im Vorjahr. Auch Spitzenverdiener Robert Shafir, der das Amerika-Geschäft leitet, und die Geschäftsleitung als Ganzes konnten sich über vollere Lohntüten freuen. Von den Spitzenwerten der Vergangenheit sind die Boni aber immer noch weit entfernt. 2010 hatte Dougan zusätzlich zu seinem Jahresgehalt von 19,2 Millionen Franken für 2009 einen Aktienbonus von 71 Millionen Franken erhalten, der aus einem 2004 aufgelegten fünfjährigen Bonusplan stammte.

Mehr Zweifel hatten die Aktionäre an der Erhöhung des bedingten Kapitals. Fast ein Viertel der Eigner wollte verhindern, dass der Konzern neuen Aktien für Mitarbeiter-Boni ausgibt. Sie folgten damit der Empfehlung von ISS, die monierte, dass die Aktien für Dougan und das Top-Management lediglich ein Jahr gesperrt sind und ohne Erfüllung von Leistungszielen bezogen werden können.

Eine ISS-Empfehlung hatte vor gut zwei Wochen dafür gesorgt, dass die Julius-Bär -Aktionäre dem Vergütungsbericht ihrer Bank die Zustimmung verweigerten. Diese Schweizer Premiere hatte Aktienschützern Auftrieb gegeben und bei ihnen Hoffnungen geweckt, auch bei Credit Suisse-Generalversammlung mit ihrer Kritik auf Gehör zu stoßen. Im Gegensatz zu Bär verfügt Credit Suisse mit der Olayan Group und Qatar Holding aber über zwei Großaktionäre, die auch im Verwaltungsrat vertreten sind.

Hohe Manager-Vergütungen stoßen in der Schweizer Bevölkerung zunehmend auf Kritik. Im März stimmten gut zwei Drittel der Schweizer der sogenannten „Abzocker-Initiative“ zu. Damit werden die Aktionäre börsennotierter Unternehmen ab dem nächsten oder spätestens übernächsten Jahr bindend über die Vergütung von Verwaltungsräten und Geschäftsführung abstimmen. Antritts- und Abgangszahlungen werden verboten. Bisher wurden die Managergehälter von den Verwaltungsräten festgelegt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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