Genossenschaftsbanken
Die vier Wiesn-Rabauken

Der gemeinsame Handy-Bezahldienst von Volksbanken und Sparkassen steht kurz vor dem Start. Ausgerechnet jetzt aber preschen vier bayerische Genossenschaftsbanken vor – und kooperieren mit einem Konkurrenten.
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Zu übersehen war das nicht. Auf einer ganzseitigen Anzeige im „Handelsblatt“ kündigten vier bayrische Genossenschaftsbanken Mitte September ihre neue Kooperation mit Lendstar an. Ihre Kunden können sich nun gegenseitig Geld per Smartphone überweisen. „Bay Landstar“ haben sie die Partnerschaft selbstbewusst getauft. Mit dabei sind die VR Bank München Land, die Raiffeisenbank München-Süd, die Raiffeisenbank im Oberland und die Raiffeisenbank Zorneding.

Die Lendstar-App ermöglicht, dass Smartphone-Nutzer sich gegenseitig Geld schicken können. Ein Angebot, das in Deutschland noch in seinen Anfängen steckt und bisher erst wenig genutzt wird. Wobei neben Lendstar unter anderem auch Cringle und Cookies so genannte Peer-to-Peer-Zahlungen (P2P-Zahlungen) anbieten – und bald auch der „Geldbote“.

Denn das Erstaunliche ist: Die vier bayrischen Genossenschaftsbanken beginnen ihre Lendstar-Partnerschaft just kurz bevor mit dem „Geldboten“ ein ähnliches Gemeinschaftsprojekt von Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen starten soll. Sowohl die Genossenschaftsbanken als auch die Sparkassen haben angekündigt, dass das P2P-Zahlsystem im Herbst kommen wird. Er soll per Update in ihre bestehenden Apps wandern.

Vertrauen die vier bayrischen Genossenschaftsbanken dem Geldboten nicht? Doch, das tun sie durchaus. „Wir sind Pilotbank beim Geldboten und finden auch den Geldboten gut“, sagt Anton Lautenbacher, Chef der VR Bank München Land, dem größten der vier Häuser. „Der Vorteil an Lendstar aber ist, dass es ein offenes System ist, ihn also auch Kunden, die nicht bei Genossenschaftsbanken oder Sparkassen sind, nutzen können“, erklärt er. Zudem biete Lendstar mehr Funktionen, etwa auch Geld für Geschenke einsammeln oder um gemeinsame Ausgaben unter mehreren zu teilen.

Und auch der Startzeitpunkt war kein Zufall. „Unsere Idee war, mit Lendstar zur Wiesnzeit zu starten“, sagt Lautenbacher. Am 17. hat das Münchner Oktoberfest begonnen. Da dürfte es zwar weder um Geschenke noch um gemeinsame Ausgaben gehen, aber womöglich lässt sich nach dem Feiern auch Geld unter Freunden am besten per Smartphone eintreiben.

Doch für die vier Genossenschaftsbanken steckt noch mehr dahinter. Sie wollen sich auch im Umgang mit einer jungen Finanztechnologiefirma, kurz Fintech, wie Lendstar üben. „Es ist eine spannende Herausforderung, mit einem Fintech zusammenzuarbeiten, und wir wollten das einmal ausprobieren“, so der Bankchef. „Das Produkt von Lendstar hat uns interessiert, und es passt auch gut zu uns.“

Offenbar so gut, dass sich weitere Volks- und Raiffeisenbanken mit einer Lendstar-Kooperation liebäugeln. „Es gibt aktuell schon sieben weitere Banken, die sich konkret mit der Teilnahme am Netzwerk beschäftigen“, sagt Lautenbacher. Zwei Genossenschaftsbanken aus Nordrhein-Westfalen kooperieren übrigens bereits mit Lendstar. Aber sie konnten ja auch nicht auffällig zur Wiesnzeit starten.

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  • Herr Santos, sagen Sie,
    kennen Sie wayne?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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