Geplante Anleihe soll Druck nehmen: Münchener Rück im Dauerstress

Geplante Anleihe soll Druck nehmen
Münchener Rück im Dauerstress

Die Münchener Rück konnte den Sturzflug an den Börsen gestern erst einmal stoppen. Jetzt muss der Konzern um Vertrauen für seine Milliarden-Anleihe werben. Die ersten Signale der Investoren sind ermutigend.

cbu/cü/mm/rob MÜNCHEN. Der Stress für das Top-Management der Münchener Rück lässt nicht nach. Bis Ende dieser Woche müssen sich die Vorstände Jörg Schneider und Clement Booth den kritischen Fragen von Großanlegern stellen. Auf einer Tour durch ganz Europa werben sie für die geplante Milliardenanleihe des weltgrößten Rückversicherers.

Keine leichte Aufgabe: Denn die zuletzt massiven Kursverluste am Aktienmarkt haben viel Vertrauen gekostet. Dennoch hofft der Konzern auf eine reibungslose Platzierung des Bonds. Die maßgeblichen Konsortialbanken UBS Warburg und Deutsche Bank setzen vor allem auf den Seltenheitswert der Debütanleihe der Münchener Rück. Nach der ersten Station der Werbetour in London melden Bankenkreise großes Interesse am nachrangigen Bond. Dieses muss sich in den nächsten Tagen in Paris, Amsterdam, Den Haag und Frankfurt noch erhärten.

Für das frische Kapital müssen die Münchener bei der Verzinsung tief in die Tasche greifen. Fondsmanager Bernd Volk von der Deka Bank hält einen Renditeaufschlag von bis zu 3 Prozentpunkten gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen für angemessen. Das entspräche einer Rendite von rund 7 %. Aus Kreisen der Konsortialbanken hieß es, dieser Wert sei etwas zu hoch gegriffen. Als Laufzeiten der Anleihe sind nach Informationen des Handelsblatts sowohl 15 als auch 20 Jahre im Gespräch, wobei die Münchener Rück die Festverzinsliche nach fünf beziehungsweise zehn Jahren kündigen können. Das angestrebte Volumen liegt laut Bankkreisen bei bis zu 3 Mrd., richtet sich aber vor allem nach der Nachfrage. Zusätzlich denkt der Konzern über einen Bond in Pfund Sterling zu einem späteren Zeitpunkt nach. Konsortialkreise erwarten in erster Linie in Deutschland, Großbritannien und Frankreich rege Nachfrage. Der Preis der Anleihe soll in der nächsten Woche festgelegt werden.

Aktie verlor fast ein Drittel an Wert

Das Ziel der Aktion: Die Stärkung der Kapitalbasis, denn die nachrangige Anleihe wird voll dem Eigenkapital zugerechnet. Hier liegt auch das Problem der Münchener Rück. Denn das Eigenkapital des weltgrößten Rückversicherers ist von 19 Mrd. im vergangenen Jahr auf 14 Mrd. geschmolzen.

Hinzu kommt: Der weltgrößte Rückversicherer verlor an der Börse in den vergangenen Tagen fast ein Drittel an Wert. Auch wenn die Aktie gestern wieder stieg, eine nachhaltige Wende ist das für Analysten noch nicht. „Es ist zu früh zu sagen, ob das Schlimmste schon ausgestanden ist“, hieß es. Nach Goldman Sachs nahmen gestern auch UBS und BNP das Kursziel deutlich zurück. „Die schlechte Kommunikation tut der Aktie sicher nicht gut“, kritisierte gestern ein Analyst. Es sei nicht klar geworden, dass es sich bei der Anleihe um eine Kapitalmaßnahme mit Eigenkapitalcharakter handle.

Der Rückversicherer spürt wie die gesamte Branche den Absturz an der Börse. Dazu kommen hausgemachte Probleme: Die 1996 übernommene US-Tochter American Re erwies sich als Milliardengrab. Der ein Jahr später aus der Taufe gehobene Erstversicherer Ergo sorgte im vergangenen Jahr für deutliche Verluste. Besonders belasteten aber die Beteiligungen an Banken. So ist die Münchener Rück mit über 25 % an der HVB, mit gut 10 % an der Commerzbank und über die 20 %-Verflechtung mit der Allianz indirekt an der Dresdner Bank beteiligt. Auch Standard & Poor’s (S&P) sieht das starke Bankengagement mit Sorge. Die Ratingagentur hatte zuletzt die Einstufung der Münchener Rück gleich um zwei Stufen auf „AA-“ gesenkt. Ein alarmierendes Signal, denn damit ist das Rating jetzt schlechter als das der beiden größten Konkurrenten Swiss Re und General Re. Das könnte der Münchener Rück Nachteile im harten Wettbewerb bringen. Aber zumindest die Anleihepläne finden das Lob der Ratingagenturen: „Aus unserer Sicht ist alles, was die Kapitalbasis stärkt, gut“, sagte Wolfgang Rief von S&P. Die Ertragsentwicklung der Münchener sehen Analysten und Rating-Agenturen indes mit Sorge.

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