Gerd Häusler im Interview
„Banken können nicht in der Cowboy-Manier weitermachen“

Die Bankenbranche hat sich verändert, meint Gerd Häusler. Die Aufsicht kontrolliere jetzt auch viel strenger. Der Chef der BayernLB über Finanzskandale, radikale Personalentscheidungen und den Kulturwandel von innen.
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MünchenHerr Häusler, Bankmanager haben mittlerweile einen Ruf wie Politiker. Sie versprechen viel und halten kaum etwas. Sind Sie noch gerne Banker?
Die Herausforderungen sind beträchtlich; Bankmanager haben eine gesellschaftspolitische „Bringschuld“, Freude an der Arbeit ist auch dabei. Der Vorwurf, dass sich in den Banken nichts verändert hat, stimmt übrigens nicht.

Es ist aber doch erst wenige Wochen her, dass bekannt wurde, wie der wichtigste Zinssatz im Interbankengeschäft, der Libor, über Jahre systematisch manipuliert worden ist.
Die Libor-Affäre ist ein schlimmer Fall, der das Vertrauen in die Bankenbranche einmal mehr erschüttert. Wichtig ist aber auch, dass sowohl der Libor-Skandal wie all die Geschäfte mit faulen Immobilienkrediten oder undurchsichtige Zinsspekulationen einige  Jahre zurück liegen und in der Zwischenzeit sehr viel passiert ist. Die Kulturwende bei den Banken in Kontinentaleuropa ist unwiderruflich und nachhaltig. Die Banken, die in der Finanzkrise am tiefsten gefallen sind und wie die BayernLB Staatshilfe zum Überleben in Anspruch nehmen mussten, haben am schnellsten und am deutlichsten für alle sichtbar aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Verstehen Sie Manager, die wie MunichRe-Chef von Bomhardt sagen, die Banken hätten mit dem Libor-Skandal den letzten Rest Vertrauen verspielt?
Ich verstehe jeden, der die Skandale kritisiert. Ich gehörte selbst zu den schärfsten Kritikern, als sich die Banken 2008 nicht gleich zu einem klaren mea culpa haben durchringen können. Aber: Die Skandale über die wir heute reden, gehen auf Fehlverhalten vor Jahren zurück. Mittlerweile hat nicht nur ein konsequentes Umdenken in den meisten Bankhäusern eingesetzt, siehe zuletzt bei Barclays. Die Bankenaufsicht kontrolliert die Finanzinstitute auch viel strenger als früher.

Wie macht sich das bemerkbar?
Die Finanzaufseher kümmern sich mittlerweile intensiv um viele Details und nehmen regelmäßig an Sitzungen von Aufsichts- und Verwaltungsräten teil. Schon allein dieses Vorgehen ließe es nicht zu, in der alten Cowboy-Manier weiterzumachen. Unterm Strich sind die Entscheidungen in den Führungsebenen von Banken aus meiner Sicht viel risikoaverser als noch vor einigen Jahren. Auch  dies zeigt sich besonders deutlich am Beispiel der BayernLB.

Die Fehler der Vergangenheit gingen vor allem auf Gier und Maßlosigkeit in den Banketagen zurück. Mit welchen Werten lässt sich der aktuelle Kulturwandel am besten beschreiben?
Die Banken sind Dienstleister am Kunden. Andere Ziele verfolgen sie in der großen Mehrheit nicht mehr. Die Gewinne, die wir mit diesem Kundengeschäft machen, sollen nachhaltig sein. Dazu gehört dann auch eine größere Bescheidenheit bei den Gewinnzielen.

Kommentare zu " Gerd Häusler im Interview: „Banken können nicht in der Cowboy-Manier weitermachen“"

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  • Banken verleihen kein Geld, sie schaffen Geld aus dem nichts. Sie nennen es Bilanzverlängerung, ich nenne es Betrug. Es steckt keine Logik dahinter, dass Banken für Geld aus dem Nichts vom Kreditnehmer Sicherheiten und Arbeitsleistung in Form von Tilgung und Zinsen verlangen. Das ist nicht nur rechtswiedrig, sondern einfach nur absurd.

  • Schwer zu glauben, was Herr Häusler hier sagt.

    Wenn man liest, dass Schäuble die BAFin säubern will und der Bankenverband mit Einstellung seiner Zahlungen an die BAFin droht, dann ist das eine andere Interpetation der Sprache als die, die Herr Häusler hier wählt.

  • Wieso sollten sie das auch ändern? Niemand hintdert sie daran, sondern bereitet ihnen auch noch durch unfähiges Handeln der Politiker den Teppich dazu aus, immer meher zu spekulieren.
    Jeder würde das machen, für Null Zinsen Kredite aufnehmen und dann in, durch deutsche Sparer abgesicherte griechische, portugiesische, spanische und italienische Staaatsanleihen stecken für (nunmehr nur noch) 5-7% Zinsen! Dazu noch mit der überschäumende Liquidität die Bürger zu Immobilieninvestitionen zu verleiten, um die dann durch die Hypotheken bei Zahlungsausfall (die mit der nicht aufzuhaltenden Inflation, welche mit absoluter Sicherheit eintreten wird) abzukassieren! So wandelt man aus dem Nichts geschaffenem Geld in reale Werte und das dumme Volk macht mit und schaut ahnungslos zu! Weiter so, raubt sie aus, bis sie nichts mehr zum beißen haben!

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