Geretteter Versicherer
US-Regierung verkauft AIG-Aktien

Mitten im Wahlkampf verkauft die US-Regierung ein riesiges Aktienpaket am Versicherungskonzern AIG - und fährt dabei voraussichtlich noch einen deutlichen Gewinn ein. Bei der Bevölkerung dürfte der Schritt gut ankommen.
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New YorkMit einem milliardenschweren Aktienverkauf verringert die US-Regierung ihr Engagement bei dem in der Finanzkrise geretteten Versicherungskonzern AIG stark. Das Finanzministerium kündigte am Sonntag an, Anteilsscheine im Wert von 18 Milliarden Dollar zu veräußern. Damit wird der Staat erstmals seit seinem Rettungseinsatz für AIG vor vier Jahren zum Minderheitsaktionär des einst weltgrößten Versicherers.

Mit diesem Schritt mitten im Wahlkampf dürfte Präsident Barack Obama bei den Amerikanern punkten, von denen viele Konzernrettungen mit Steuergeldern satt haben. Zudem winkt dem Staat ein Gewinn, nicht zuletzt weil die AIG-Aktien von der derzeit guten Börsenstimmung profitieren.

Mit dem angestrebten Verkauf von Aktien reduziert sich die staatliche Beteiligung an AIG von 53 auf rund 20 Prozent, wie das Ministerium mitteilte. Auch wenn mit Veräußerungen staatlicher AIG-Anteile gerechnet worden war, überraschte die Washingtoner Regierung mit dem Umfang des jüngsten Schritts. Schon zuvor hatte der Staat seinen AIG-Anteil verringert, doch mit dem jetzigen Verkauf trennt er sich von dem bisher größten Aktienpaket. AIG-Manager einschließlich Konzernchef Bob Benmosche rechnen damit, dass die Regierung bis 2013 das Unternehmen vollständig in die Unabhängigkeit entlässt.

Der Staat hatte den in der Finanzkrise ins Straucheln geratenen Versicherer 2008 vor dem Kollaps bewahrt. Die Rettung war die größte einer Reihe von Hilfseinsätzen in der US-Wirtschaft, die die Regierung mit Steuergeldern leistete und für die sie zuletzt auch im laufenden Wahlkampf unter Beschuss geraten ist. Zugleich hat Obamas Regierung wiederholt zurückgewiesen, sie treibe den Ausstieg gerade vor den Präsidentenwahlen Anfang November massiv voran. Nichtsdestotrotz könnte der Schritt Obama im Kampf gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney nützen - nicht zuletzt weil der Anteilsverkauf abermals rentabel sein dürfte.

Die AIG-Aktie notierte zuletzt deutlich über der Marke, ab der für den Staat ein Gewinn herausspringt. Am Freitag schloss das Papier bei 33,99 Dollar, ab einem Kurs von 28,72 lohnt sich für die Regierung das Geschäft. Schon beim vorherigen Verkauf von vier Tranchen hatte das Finanzministerium einen Gewinn erzielt. Vor allem Hoffnungen auf weitere Konjunkturmaßnahmen der Federal Reserve Bank haben die US-Börsen in jüngster Zeit in die Höhe getrieben, was auch dem AIG-Kurs auf die Sprünge geholfen hat. Die Regierung gab den Anteilsverkauf nun unmittelbar vor der Woche bekannt, in der mit konkreten Ankündigungen der US-Notenbank gerechnet wird.

AIG selbst will Aktien im Wert von bis zu fünf Milliarden Dollar übernehmen. Um den Rückkauf stemmen zu können, leitete der Konzern vergangene Woche den Verkauf eines weiteren milliardenschweren Anteils an der asiatischen Ex-Tochter AIA ein. Analysten zeigten sich zu diesem Zeitpunkt enttäuscht, dass AIG nicht mehr eigene Aktien ins Unternehmen zurückholt. Dabei waren die Experten zugleich davon ausgegangen, dass die Regierung deutlich weniger Anteilsscheine auf den Markt wirft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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