Gerichtsurteil
Commerzbank muss Bankern Boni nachzahlen

53 Millionen Euro fordern Investmentbanker an Prämien von der Commerzbank. Die muss die deutsche Bank ihren ehemaligen Mitarbeitern nun zahlen. Ein Londoner Berufungsgericht wies eine Beschwerde der Bank ab.
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LondonDie Commerzbank muss 104 ehemaligen Investmentbankern in Großbritannien 52 Millionen Euro nachzahlen, die ihnen in der Finanzkrise als Bonus versprochen worden waren. Ein Berufungsgericht in London wies die Beschwerde der Commerzbank gegen ein entsprechendes Urteil am Freitag einstimmig ab. Die Zusagen seien als bindend zu verstehen gewesen, und der spätere Rückzieher sei ein Vertrauensbruch gegenüber den Mitarbeitern. Der Rechtsstreit zieht sich bereits seit dreieinhalb Jahren hin. Mit Zinsen und Prozesskosten kommen auf die Bank nun rund 70 Millionen Euro zu.

In der ersten Instanz am High Court hatte Richter Robert Owen der Commerzbank im Mai vorgeworfen, sie habe die Rechte der Mitarbeiter auf dem "Altar der öffentlichen Meinung" geopfert. Kläger-Anwälte sprachen damals von einem "Sieg von David gegen Goliath".

In den Streitfällen ging es darum, ob die Commerzbank einen von den Verantwortlichen von Dresdner Kleinwort vor der Fusion mündlich ausgelobten Bonustopf von 400 Millionen Euro radikal zusammenstreichen durfte, nachdem sich bei der Investmentbank 2008 ein Verlust von 6,5 Milliarden Euro abzeichnete. Letztlich wurden nur jene 150 Millionen Euro ausgezahlt, die Dresdner Kleinwort den Bankern fest dafür zugesagt hatte, dass sie vor dem Verkauf an die Commerzbank nicht kündigten. Der nur mündlich zugesagte Rest war nach ihrer Darstellung vom wirtschaftlichen Abschneiden der Investmentbank abhängig. Juristen fürchten, dass Banken mit mündlichen Versprechen gegenüber Mitarbeitern künftig vorsichtiger umgehen werden.

Eine Commerzbank-Sprecherin sagte am Freitag, das Urteil passe nicht mehr in die Zeit: "Gerade wegen der Forderungen der Aufsichtsbehörden, der Öffentlichkeit und von Aktionären, einen angemessenen Ausgleich zwischen dem Geschäftsergebnis einer Bank und der variablen Vergütung ihrer Mitarbeiter zu erreichen, ist das Urteil bedauerlich." Die Bank prüfe nun ihre rechtlichen Möglichkeiten. Sie hat noch sieben Tage Zeit, beim Supreme Court Berufung einzulegen. Dazu muss sie dem Richter aber einen Fehler oder einen Gesetzesverstoß in dem Urteil nachweisen.

Das Bundesarbeitsgericht hatte vergleichbare Klagen von Bankern mit deutschen Arbeitsverträgen abgewiesen, auch in Italien und Japan blitzten Commerzbank-Mitarbeiter bei Gericht ab. Und selbst in den USA seien entsprechende Forderungen in Schlichtungsverfahren zurückgewiesen worden, erklärte die Bank.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Gerichtsurteil: Commerzbank muss Bankern Boni nachzahlen"

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  • Bemerkenswert ist lediglich, dass Vorstand und Rechtsbereich der Commerzbank dies anders sehen wollten.

    Das deutet doch auf nichts anderes hin, als dass in Deutschland nicht so wäre.

    Soweit zur Rechtssicherheit in Deutschland!

  • Völlig wurscht, ob es noch "in die Zeit passt", Verträge sind einzuhalten. Basta!

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