Geschäft in Nordafrika: Unicredit drängt nach Libyen

Geschäft in Nordafrika
Unicredit drängt nach Libyen

Der Besuch des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi hat in Italien vor kurzem hohe Wellen geschlagen. Sorgen macht Kritikern auch, dass Libyen mit mehr als sieben Prozent an Italiens Banken-Ikone Unicredit beteiligt ist. Jetzt wird diese heikle Bindung sogar noch enger: Unicredit-Chef Alessandro Profumo will Libyen als Markt für seine Bank erobern.
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MAILAND. Nach Deutschland, Osteuropa und Kasachstan will die italienische Großbank Unicredit nun auch in Libyen Fuß fassen. „Zunächst werden wir mit dem Unternehmenskundengeschäft nach Libyen gehen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Alessandro Profumo am Montag vor der Auslandspresse in Mailand. „Später wird auch das Retailgeschäft folgen“, erklärte er.

„Libyen ist ein Land mit sechs Millionen Einwohnern und einem steigenden Pro-Kopf-Einkommen“, begründete Profumo das Interesse an dem Markt. Außerdem machten Italien, Deutschland und die Türkei 60 Prozent der libyschen Importe aus – drei Länder, in denen die Bank, die vor fünf Jahren die deutsche Hypo-Vereinsbank übernommen hat, stark vertreten ist. Sie könnte damit ihre Unternehmenskunden in das Land begleiten. Profumo will „in den kommenden Monaten“ in Libyen starten. Ob es vor Jahresende klappt, ließ er offen. Erst im August hat Unicredit als erste ausländische Bank die Genehmigung erhalten, eine Filiale in Libyen zu erhalten.

Die Expansionspläne für die ehemalige italienische Kolonie kommen zu einer Zeit, in der die Beteiligung der libyschen Aktionäre bei Unicredit in Italien für erheblichen Wirbel sorgt. Im August noch freudig als willkommene neue Aktionäre begrüßt, ist die Beteiligung in die Kritik der Politik und Aufsicht geraten. Für diesen Mittwoch hat die Bank das Thema auf die Tagesordnung der bereits geplanten Sitzung des Corporate Governance- Komitees gesetzt.

Anfang August wurde bekannt, dass zusätzlich zur libyschen Zentralbank mit ihren 4,99 Prozent der Unicredit-Aktien auch der libysche Staatsfonds, die Libyan Investment Authority (Lia) mit 2,078 Prozent als Aktionär bei der Mailänder Bank eingestiegen ist. Lias Aufgabe ist es vor allem, die Gelder aus den Rohstoffverkäufen zu verwalten und investieren. Damit halten die Libyer insgesamt mehr als sieben Prozent und sind zusammengenommen der größte Aktionär von Unicredit. Sie liegen damit auch vor den bisher mächtigen Stiftungen der Sparkassen wie Fondazione Cariverona oder die Fondazione Cassa di Risparmio di Torino, aus denen Unicredit einst hervorgegangen ist.

Diese ausländische Beteiligung hat nicht nur die Ausländerfeindlichen Politiker der Lega Nord auf den Plan gerufen. Sie beschäftigt derzeit auch die Börsenaufsicht Consob. Die Consob prüft, ob es sich bei der libyschen Zentralbank und dem libyschen Staatsfonds tatsächlich um zwei getrennte Investoren handelt oder ob sie als eine Einheit zu betrachten sind. Schließlich darf laut Statut der Bank kein Aktionär mehr als fünf Prozent der Stimmrechte besitzen, und die Libyer würden diese Schwelle gemeinsam überschreiten. Für eine Verbindung zwischen Zentralbank und Staatsfonds spricht die Tatsache, dass der Gouverneur der libyschen Zentralbank, Farhat Bengdara, einer der Vizepräsidenten von Unicredit auch im Board der Libyan Investment Authority sitzt.

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