Geschäfte mit dem Iran
Standard Chartered weist Vorwürfe der Finanzaufsicht zurück

Die britische Großbank soll unzulässige Transaktionen mit dem Iran ausgeführt haben. Die New Yorker Finanzaufsicht droht mit dem Entzug der Lizenz. Doch Standard Chartered ist sich keiner Schuld bewusst.
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New York/HongkongDie britische Großbank Standard Chartered hat Vorwürfe der US-Behörden über unzulässigen Handel mit dem Iran zurückgewiesen. Das Institut erklärte am Dienstag in Hongkong, die Vorwürfe der New Yorker Aufsichtsbehörde DFS ergäben kein „vollständiges und zutreffendes Bild der Sachlage“. Die DFS hatte am Montag gedroht, der Bank die Handelslizenz in den USA zu entziehen.

Sie weise die Darstellung der US-Aufsichtsbehörde über die Aktivitäten des Bankhauses zurück, erklärte Unternehmenschefin Annemarie Durbin. Die Behörde hatte Standard Chartered aufgefordert, die mutmaßlichen Geschäfte mit dem Iran bis zum 15. August aufzuklären. Ihr Unternehmen nehme seine Verantwortung „sehr ernst“, betonte Durbin. Es sei darum bemüht, „jederzeit mit den geltenden Gesetzen und Bestimmungen im Einklang“ zu stehen.

Standard Chartered habe seit 2010 freiwillig mit US-Behörden zusammengearbeitet und die Transaktionen überprüft. Das Ergebnis dieser Untersuchungen passe nicht zu den nun erhobenen Vorwürfen, erklärte die Bank. Mehr als 99,9 Prozent der Transaktionen im Zusammenhang mit dem Iran bewegten sich innerhalb der gesetzlichen Regeln. Lediglich bei Geschäften im Umfang von 14 Millionen Dollar sei dies nicht der Fall gewesen. Die Geschäftsbeziehungen zu iranischen Kunden seien dann vor mehr als fünf Jahren komplett eingestellt worden.

Die New Yorker Börsenaufsicht beschuldigt die britische Bank der Zusammenarbeit mit der iranischen Regierung zum Zweck der Geldwäsche. Dabei seien von 2001 bis 2007 insgesamt 250 Milliarden Dollar (200 Milliarden Euro) gewaschen worden, erklärte die Aufsichtsbehörde am Montag.

Nach Erkenntnissen der New Yorker Börsenaufsicht soll die Bank wesentliche Identifikationsmerkmale, die auf mit Sanktionen belegte Staaten, Personen und Körperschaften hinweisen, von Überweisungen entfernt haben. Die Transaktionen hätten der Bank zu einer Zeit Millionen an Gebühren eingebracht, zu der dieser Handel Beschränkungen unterlag.

Standard Chartered ist auf Geschäfte in den aufstrebenden Gebieten Asiens, des Nahen Ostens und Afrikas spezialisiert. Zuletzt hatte die britische Barclays-Bank international Schlagzeilen gemacht. Ihr wird vorgeworfen, zusammen mit anderen Geldinstituten den weltweit wichtigen Referenzzinssatz Libor manipuliert zu haben. Die Bank leistete deswegen bereits hohe Strafzahlungen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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