Gescheiterter Verkauf
BHF-Mitarbeiter leiden am meisten

Die Deutsche Bank wird die BHF-Bank nicht los – der Deal mit der liechtensteinischen LGT Bank ist im letzten Moment gescheitert. Das ist ärgerliche für alle beteiligten Institute, aber dramatisch für die Mitarbeiter.
  • 2

Irgendwie müssen einem die Mitarbeiter der BHF-Bank leid tun. Jahrelang sind sie herumgeschoben worden - von einer Mutter zur nächsten. Neue Chefs gaben der Strategie des Instituts neue Drehungen und Wendungen. Das klare Konzept fehlt und jetzt platzt auch noch der erhoffte Deal mit der liechtensteinischen LGT Bank. Ein Schock für alle Mitarbeiter. Die einst renommierte BHF-Bank soll nun in der Deutschen Bank aufgehen. Von den einst so stolzen Mitarbeitern weiß keiner, wie das am Ende für ihn ausgeht.

Vor zwei Monaten noch hatte die Deutsche Bank allen Mitarbeitern der BHF-Bank eine Beschäftigungsgarantie ausgesprochen, die nicht zur LGT hätten wechseln können. Damals schien der Verkauf eine klare Sache. Ein unterschriftsreifer Vertrag mit den Liechtensteinern lag vor, der Rest eine Frage von Tagen. Doch bereits da begann die unselige Geschichte: aus den Tagen wurden Wochen und jetzt das Ende. Ob das auch das Ende der Arbeitsplatzgarantie der Deutschen für die BHF ist? Vermutlich. Alles andere würde verwundern. Die Deutsche Bank wird sich sicherlich nur die Filetstücke heraussuchen und den Rest über die Zeit abbauen oder verkaufen. Von dem einst angestrebten Kaufpreis von 650 Millionen Euro für das Institut war ohnehin schon lange keine Rede mehr. 

Was bleibt, ist, dass die vermögenden Kunden der BHF-Bank das attraktivste Asset sind. Doch machen wir uns nichts vor. Eine dritte Marke neben Sal. Oppenheim und der Deutschen Bank selbst wird es sicherlich nicht geben. Das bedeutet Integration und zugleich Umbau und Abbau von Arbeitsplätzen. Ohne Wenn und Aber. Das Mittelstandsgeschäft will zudem nicht so ganz zur Branchenriesen passen. Natürlich ist Mittelstand zurzeit in, doch in der Deutschen Bank liegt die Aufmerksamkeitsschwelle für diese Klientel recht hoch. Sie müssen schon ordentlich Geschäft mitbringen und eine beachtliche Größe haben - anders als bei der Commerzbank. Daran wird sich auch mit der BHF-Bank nichts ändern.

Bleibt das Kapitalmarktgeschäft, es hatte schon bei der LGT keine Zukunft mehr. Zu viele Risiken für eine recht kleine Bank. Das neue Bankenregime der Aufsichtsregeln nach Basel III hätten das Ganze noch erschwert, wenn nicht sogar wegen der Eigenkapitalregeln unmöglich gemacht. Aus der verzwickten Lage zog der Kapitalmarkt-Vorstand der BHF-Bank Loukas Rizos bereits die Konsequenzen und verließ das Institut im Januar. Aktienchef Thomas Eckert zog es auch vor zu gehen. Sie haben rechtzeitig die Reißleine gezogen.

Glücklich sind heute alleine BHFler, die mit dem Wertpapierverwahrgeschäft verkauft wurden und jetzt bei Bank of New York Mellon Unterschlupf gefunden haben. Ihnen bleibt nur Mitleid und die Daumen für die ehemaligen Kollegen zu drücken, die zurückblieben. Den restlichen 1500 Mitarbeiter des Instituts stehen schwere Zeiten bevor. 

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Gescheiterter Verkauf: BHF-Mitarbeiter leiden am meisten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist ja nett von Ihnen, dass Sie so eine Sympathie mit den BHFlern haben. Das mag ja auch alles so richtig und nett sein, aber bei den Landesbanken haben Sie mal so richtig draufgehauen. Meinen Sie, den Kollegen hat das ganze Hin- und Her der Eigentümer, der Bundesregierung und den sonstigen Politikern in diesem Land Spass gemacht? Warum schreiben Sie nicht mal über die Peinlichkeit der Eigentümer, die nur zerstritten sind und es nie fertig gebracht haben, eine Strategie für den öffentlichen Bankensektor aufzubauen und jetzt wird das Thema nach Brüssel geschoben. Wie viele Fehler sind eigentlich in dem Finanzmarktstabilisierungsgesetzt gemacht worden, dass jetzt die EU einen neuen Beihilfefall begründet sieht. Als grösster Netto-zahler in der EU sind wir nicht in der Lage, unsere Hausaufgaben selber zu erledigen (da die Bundesregierung die Chancen der Neuordnung damals unter Steinbrück verpasst hat und den Ball bei den Ländern gelassen hat) und lassen uns nun aus Brüssel sagen, wie wir den Bankenmarkt zu organisieren haben. Ihre Objektivität in Sachen Berichterstattung lässt auch zu wünschen übrig.

  • Vor allem State Street....vom Handelsblatt hätte ich etwas mehr erwartet!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%