Gespräch mit Finanzwissenschaftler Gerke: „Dresdner-Deal steht nicht vor dem Aus“

Gespräch mit Finanzwissenschaftler Gerke
„Dresdner-Deal steht nicht vor dem Aus“

Furcht vor weiteren Ausfällen bei der Dresdner Bank: Kurz vor dem offiziellen Verkauf verhandelt die Commerzbank mit dem Mutterkonzern Allianz und der Banken-Treuhand Soffin über Garantien für das angeschlagenen Institut. Der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, Wolfgang Gerke, erklärt die Bedeutung der Hilfsgesuche im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Handelsblatt: Die Commerzbank bemüht sich sowohl bei der Soffin als auch bei der Allianz um Garantien für die Dresdner Bank. Steht die geplante Übernahme vor dem Aus?

Wolfgang Gerke: Nein. Ich sehe vielmehr den Versuch den Deal zu managen und dabei die Risiken soweit wie möglich zu reduzieren. Aufgrund der Finanzkrise ist die Abwicklung besonders schwierig. Sicher hat man versucht, die Risiken der Dresdner von Anfang an einzukalkulieren. Doch bereits bei den ersten Nachverhandlungen hat man gemerkt, dass die Daten schlechter waren, als angenommen. Jetzt haben sie sich nochmals verschlechtert.

Die Commerzbank will sich so gut wie möglich absichern. Die Dresdner Bank ist ein großer Brocken, der verdaut werden muss – nicht nur wegen der Risiken, die sich aus der Finanzkrise ergeben haben. Die Commerzbank muss auch die unterschiedlichen Unternehmenskulturen vereinen. Da kommt einiges zusammen.

Heißt das, die Commerzbank hat die Finanzkrise unterschätzt?

Die Finanzkrise haben alle unterschätzt – es ist überraschend wie sehr. Nach dem Zusammenbruch von Lehman hat kein Finanzinstitut den zusätzlichen Abschreibungsbedarf richtig prognostiziert.

Könnte die Übernahme verschoben werden?

Höchstens im äußersten Notfall. Die Übernahme soll so schnell wie möglich über die Bühne gebracht werden, um klare Verhältnisse zu schaffen und Kosten sparen zu können, indem man Personal abbaut und Synergien hebt. Das geht nur, wenn man juristisch das Sagen hat – sonst würden Strukturen geschaffen, die nachher wieder rückgängig gemacht werden müssen.

Warum fährt das Institut bei seiner Suche nach Unterstützung zweigleisig?

Das ist der Versuch die Möglichkeiten auszutesten – eine Strategie, die nahe liegt. Schließlich weiß man nicht, wie die Soffin reagiert. Allerdings muss die Bundesregierung ein Interesse daran haben, dass die Übernahme nicht scheitert, denn ein Zusammengehen beider Institute würde in der Krise einen starken Mittelstandsfinanzierer schaffen. Auch die Allianz hat ein Interesse, dass der Deal zustande kommt. Für sie wäre es schwierig einen neuen Interessenten zu finden.

Die Commerzbank hat den Preis für die Dresdner Bank angesichts der katastrophalen Lage auf den Finanzmärkten bereits einmal kräftig drücken können. Ist dies ein Versuch noch weniger zahlen zu müssen?

Wenn das dabei herauskommt, ist man darüber sicher nicht unglücklich. In erster Linie ist es der Versuch, weniger Risiken einzugehen.

Noch im November hatte die Allianz betont, die Inanspruchnahme des staatlichen Rettungspakets sei ausgeschlossen. Wieso der Umschwung? Was hat sich seitdem geändert?

Manch einer hat in den vergangenen Wochen seine Meinung ändern müssen, nachdem er überprüft hat, welche Risiken genau im Portfolio enthalten sind. Ich halte es auch für vertretbar, dass die Dresdner Bank den staatlichen Rettungsfonds in Anspruch nehmen kann, solange sie noch nicht mit der Commerzbank zusammen gegangen ist.

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