Gesprengte Geldautomaten
Der verzweifelte Hilferuf der Banker

Die Angst vor Bankräubern klingt nach Wildem Westen. Doch in Nordrhein-Westfalen geht sie um. Die Sprengungen von Geldautomaten nehmen kein Ende – und der Innenminister sieht bei den Banken eine Mitschuld.
  • 26

DüsseldorfDie Verantwortlichen vieler Banken sind ratlos. Und sie sind es leid, nahezu täglich eine Reihe von Geldautomaten entsorgen zu müssen. Zumindest die Einzelteile, die davon noch übrig sind. Kriminelle Banden jagen nachts in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern einen Geldautomaten nach dem anderen in die Luft.

Zwölf waren es allein im Oktober, in Ahaus explodierte Anfang der Woche der 43. Automat im Kalenderjahr 2015. Im gesamten Bundesgebiet gab es schon 63 Fälle. Die Polizeibehörden sind zwar schnell vor Ort, die Täter allerdings schon meist mit der Beute auf der Autobahn in Richtung Grenze. Ein Ende der traurigen Serie ist bislang nicht in Sicht.

Oft sind Sparkassen betroffen – Lösungen haben sie nur bedingt parat. Kurzfristig reagieren viele Sparkassen mit einer vorübergehenden Schließung der SB-Center, in denen die Automaten stehen. In Leverkusen bleiben alle Foyers der Sparkasse fortan zwischen Mitternacht und 5.30 Uhr geschlossen. Auch in Köln stehen Kunden größtenteils vor verschlossenen Türen. „Als Konsequenz aus dieser Entwicklung“ und „als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme“, wie die Geldhäuser schreiben. Zukunftsträchtig ist dieser Weg keinesfalls – eher der verzweifelte Wunsch nach Aufklärung.

Gegen den Schaden ist ein Großteil der betroffenen Filialen versichert. Da die Täter oft im Rheinland und am Niederrhein zuschlagen, trifft es die Provinzial Rheinland besonders hart: Die Düsseldorfer Versicherungsgesellschaft muss allein für elf Sprengungen aufkommen, die seit Juli in NRW stattgefunden haben.

Wie das Handelsblatt erfuhr, liegt der Schadendurchschnitt bei rund 140.000 Euro – etwa die Hälfte des Schadens entfällt auf das entwendete Bargeld, die andere Hälfte auf die Sachschäden an Gebäuden, Betriebseinrichtungen und Automaten. „Diese Serie bewerten wir natürlich sehr kritisch“, so ein Sprecher der Provinzial. Rechnet man den Schaden auf 63 Fälle hoch, ergibt sich eine Gesamtsumme von 8,8 Millionen Euro – davon 4,4 Millionen Euro entwendetes Bargeld.

Die Ermittler haben in NRW zwar konkrete Hinweise auf die Tätergruppen, stellen konnten sie die Täter aber noch nicht. „Es handelt sich um Intensivtäter aus den Niederlanden. Das können wir nach Auswertung der ersten Erkenntnisse und der Spurenlage sagen“, erklärt Dietmar Kneib, Leiter der speziell eingerichteten Ermittlergruppe beim LKA.

Die Täter gehen stets nach dem gleichen Muster vor: Sie kleben die Geldautomaten ab, sodass keine Luft mehr hindurchkommt. Anschließend leiten sie Gas hinein und bringen das Gerät letztlich zur Explosion. In Windeseile laden sie die Beute ein, dann geht es oft schnell über die niederländische Grenze. Da viele Taten im Grenzgebiet verübt wurden, hatte Kneib bereits in der vergangenen Woche niederländische Täter vermutet. Das hat sich nun bestätigt. „Wir gehen den Spuren in enger Abstimmung mit den niederländischen Behörden nach.“

Kommentare zu " Gesprengte Geldautomaten: Der verzweifelte Hilferuf der Banker"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Rassistisch, Populistisch, Sarkatisch, Andersdenkend, Braune Soße, Nazi usw.

    Man darf es nennen wie man will, wenn zu diesem Thema Menschen eine Meinung haben und andere Gutmenschen, vornehmlich aus der linken Szene, auch Journalisten, Lehrer und sonstige dafür prädestinierte Berufsgruppen dann dafür solche Kraftausdrücke benutzen um andere ihre Meinung ins schlechte Licht zu rücken.

    Wenn durch die Kiriminalität die Realität aufgedeckt wird und schon vor Jahrzehnten ein einstiger Taxifahrer, ein Rechtsanwalt der die RAF verteidigte und ein Freund Putins Politik für den Staat Deutschland machen und die Einreise für Ausländer nach Deutschland erleichtern und dann mit einem deutschen Pass belohnen, sollte sich heute am 11.11.15 und in Zukunft über nichts mehr wundern. Schon gar nicht über Einbrüche und Bandenbildungen sollte sich irgenjemand beschweren. Das sind nur Folgen der Vergangenheit.

    Die Alarmglocken die hätten schrillen müssen blieben damals stumm. Die Migration ist in weiten Teilen Deutschlands schon lange gescheitert. Berlin-Neukölln, Duisburg Marxloh sind dabei nur die prominentetsen No Go Areas für einen grossen Teil der Bevölkerung.

    Ich glaube nicht, dass die Ägide dieser Gesellschaft zur Nachtzeit Ihre Ehefrauen, Kinder und Enkel in diese Areas gehen lassen würde.

    Der Bevölkerung scheint dies und vieles mehr aber zugemutet zu werden.

    Da interessieren doch keine 50 Sprengungen von Geldautomaten in NRW. Nicht vergessen. Duisburg, Gelsenkirchen, Wuppertal u.a. Städte in NRW gerade mit solchen Wohngebieten und den Problemen sollten und brauch8t sich nicht zu wundern, wenn das übliche Mass -im wahrsten Sinne des Wortes- gesprengt wird.

  • Es gibt eine relativ einfache Lösung für das Problem.
    Die Automaten sollten nur noch eine reine Bedien/Schaltfunktion haben.
    Nach eingegebenen Daten könnte das Geld aus einem sicheren Raum/Tresor
    der Bank über ein internes Transportsystem (heute technisch kein Problem mehr)
    an den Ausgabeport des Automaten befördert werden.
    Ein Sprengen oder Crashen der Automaten wäre dann sinnlos.
    Wenn es entsprechend kommuniztiert wird und es sich damit
    in entsprechenden Kreisen schnell herumspricht sollte diese
    Raubvariante schnell out sein.

  • Vorsicht, wer morgen als Handelsblatt Leser eine Gasflasche kauft könnte verdächtigt werden...............

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%