Gesprengte Geldautomaten
„Es sind Amateure – aber hochkriminelle Amateure“

Eine Sprengserie, die ihresgleichen sucht: In Nordrhein-Westfalen flog zuletzt ein Geldautomat nach dem anderen in die Luft. 67 waren es 2015, bundesweit knapp 150. Die Behörden ermitteln – doch es geht immer weiter.

Frankfurt Nach 31 gesprengten Automaten in NRW hatte Uwe Jacob genug gesehen: Der Chef des Landeskriminalamts (LKA) gründete Ende Oktober die Sonderkommission „Heat“ mit dem Appell: „Dies muss beendet werden.“ Seitdem ereigneten sich weitere 36 Sprengungen im Westen. Die Ermittlergruppe unter Federführung von Dietmar Kneib, Leiter des Dezernats für organisierte Kriminalität, arbeitet mit Hochdruck – gegen Profis, Nachahmer und weitere Widrigkeiten.

Herr Kneib, 67 Automatensprengungen gab es in NRW im Jahr 2015. Im November und Dezember ist die Fallzahl nochmal deutlich angestiegen. Warum?
Das liegt daran, dass zu den Tätergruppen aus den Niederlanden teilweise hochaktive örtliche Nachahmungstäter dazu gekommen sind. Es blieb bei den Nachahmungstätern allerdings immer beim Versuchsstadium, also Sprengung oder versuchte Sprengung jeweils ohne Beute.

Wie ist das zu bewerten? Sind das Amateure, die nicht ans Geld kommen?
Ja, es sind Amateure – aber hochkriminelle Amateure. Diese Täter wissen nicht, wie man Automaten sprengt, daher waren sie auch nicht erfolgreich. Dafür waren die Gebäudeschäden jeweils umso höher, weil die Täter nie das Maß hatten, um die richtige Sprengwirkung zu erzielen. Das erhöht natürlich das Risiko für die Anwohner. Es ist nach wie vor ein kleines Wunder, dass noch niemand verletzt wurde.

Zuletzt konnten Sie erste Erfolge nachweisen: Eine Tätergruppe vom Niederrhein, der Sie 13 Taten inzwischen sicher zuordnen, konnte ihre Behörde unmittelbar vor der 14. Sprengung auf frischer Tat ertappen …
Es war enorm wichtig, diese Gruppe aus dem Verkehr zu ziehen. Sie war zuletzt sehr aktiv und aufgrund ihrer mangelnden Kenntnisse sehr gefährlich. 13 Sprengungen, immer hohe Schäden, aber kein einziges Mal Beute.

Unterschätzt man vielleicht die Komplexität einer solchen Sprengung?
Nicht nur die Komplexität, auch die Konsequenzen. Das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion hat eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr zur Folge. Ich glaube, dass das manchen Nachahmungstätern trotz ihrer kriminellen Energie nicht ganz bewusst ist.

Mehrere Gruppen von Nachahmungstätern konnten festgenommen werden. Sind nun auch die Profis vorsichtiger?
Wir haben den Eindruck, dass das so ist. Im vergangenen Quartal waren die örtlichen Täter eher am Werk als die niederländischen Banden. Aber das Phänomen ist noch lange nicht beendet.

Wen sehen Sie denn in der Bringschuld, damit es bald soweit sein könnte? Das LKA oder die Banken?
Beide im Rahmen ihrer Aufgaben. Wir ermittelt intensiv und geben den Banken konkrete Maßnahmen mit auf den Weg. Für die örtliche Risikobewertung und die Umsetzung im Einzelfall sind aber die Institute zuständig.

Sind die Banken denn bereit, in den physischen Schutz der Geldautomaten zu investieren?
Ja, das sind sie. Die Botschaft ist bei den meisten Instituten angekommen. Allerdings hat sich auch der Handlungsdruck durch die steigenden Fallzahlen erhöht.

Ruhen sich manche Institute auf ihrem Versicherungsschutz aus?
Das kann ich nicht bewerten. Davon gehe ich aber nicht aus.

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„Bei den Geldautomaten muss man perspektivischer denken“

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