Gesundheitsreform
US-Krankenversicherer planen Milliardenfusion

Der Krankenversicherer WellPoint setzt auf die Gesundheitsreform in den USA: Mit einem Aufschlag von rund 40 Prozent bietet er 92 Dollar je Aktie des Rivalen Amerigroup - diese schießt um 38 Prozent nach oben.
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New YorkWenige Tage nach Bestätigung der Gesundheitsreform durch den Obersten Gerichtshof der USA bahnt sich unter den amerikanischen Krankenversicherern eine milliardenschwere Fusion an. Der Versicherer WellPoint will für rund 4,5 Milliarden Dollar den Rivalen Amerigroup übernehmen, wie beide Unternehmen am Montag ankündigten. Mit dem Zukauf setzt WellPoint darauf, dass künftig deutlich mehr arme Amerikaner in den Genuss der staatlichen Gesundheitsdienste Medicaid kommen. Nach dem Zusammenschluss würden die Unternehmen künftig mehr als 4,5 Millionen Begünstigte staatlicher Gesundheitsprogramme erreichen, darunter Medicaid-Empfänger in 19 Bundesstaaten.

"Wir sind zuversichtlich, dass dies nun absolut der richtige Zeitpunkt ist für diese überzeugende Gelegenheit", sagte WellPoint-Chefin Angela Braly. Im Feld der staatlichen Gesundheitsdienste Medicaid lägen erhebliche Wachstumschancen. Neben der Wirtschaft seien Budget-Themen, demographische Fragen und die Gesundheitsreform wichtige Treiber. "Wir glauben, dass dieser Zusammenschluss den Branchenführer im staatlichen Sektor schafft, der Medicaid- und Medicare-Anwärter bedient", sagte Braly. Während das staatliche Gesundheitsprogramm Medicaid die Armen im Blick hat, ist das Medicare-Programm auf alte Menschen ausgerichtet.

Der Oberste Gerichtshof hatte Ende Juni mit der Gesundheitsreform das wichtigste innenpolitische Vorhaben von Präsident Barack Obama bestätigt und die geplante allgemeine Versicherungspflicht für verfassungsgemäß erklärt. Damit könnten künftig rund 30 Millionen Amerikaner, die noch ohne Versicherung sind, in den Genuss einer Krankenversicherung kommen. Obama hatte 2010 das Mammutprojekt zur Reform des 2,6 Billionen Dollar schweren US-Gesundheitssystems nach langem Ringen erst gegen heftigen Widerstand im Kongress durchgesetzt.

WellPoint bietet den Amerigroup-Aktionären 92 Dollar in bar je Aktie. Damit lockt der Versicherer die Amerigroup-Eigner mit einem satten Aufschlag von 43 Prozent gemessen am Schlusskurs der Aktie am Freitag. An der Börse kam der Übernahmevorstoß gut an: Die Wellpoint-Aktie gewann zeitweise 4,5 Prozent. Amerigroup-Aktien schossen zeitweise um rund 38 Prozent in die Höhe. Auch die Aktien anderer Versicherer, die im Geschäft mit staatlichen Gesundheitsprogrammen aktiv sind, gewannen hinzu. Die Anteilsscheine von Wellcare Health Plans stiegen um mehr als zwölf Prozent, die Papiere von Centene Corp legten mehr als 15 Prozent zu.

WellPoint will die Übernahme im ersten Quartal 2013 in trockene Tücher bringen. Das Unternehmen will den Zukauf unter anderem mit Barmitteln und neuen Schulden finanzieren. Die Übernahme soll schon im kommenden Jahr zum Gewinn je Aktie beitragen. Für das laufende Jahr ließ das WellPoint-Mangement seine Prognosen unverändert. Der Versicherer wurde bei dem Vorstoß vom Bankhaus Credit Suisse beraten, für Amerigroup arbeiteten Goldman Sachs und Barcalys.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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