Gewinn verdoppelt
Commerzbank plant Milliarden-Kapitalerhöhung

Die Commerzbank hat ihren Gewinn im ersten Quartal verdoppelt. Zudem will das Institut sein Finanzpolster stärken und kündigt eine Kapitalerhöhung im Milliardenbereich an – aber wohl nicht um die Postbank zu kaufen.
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Die Commerzbank hat im ersten Quartal unerwartet gut verdient und nutzt den Moment für eine milliardenschwere Kapitalerhöhung. Über Nacht will die zweitgrößte deutsche Bank bis zu 113,85 Millionen neue Aktien für rund 1,4 Milliarden Euro bei institutionellen Investoren platzieren, wie sie am Montag ankündigte. Das entspricht zehn Prozent des Grundkapitals.

Einem Insider zufolge hat das Haus für die angebotenen Aktien bereits Abnehmer gefunden. Alle Papiere seien gezeichnet, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Der Preis sei aber noch offen.

Mit dem Geld wolle die Commerzbank ihre im internationalen Vergleich immer noch dünne Eigenkapitalquote aufbesssern und die Verschuldungsquote senken. Mit dem bevorstehenden Verkauf der Postbank durch die Deutsche Bank habe der Schritt nichts zu tun, sagten zwei mit den Plänen der Commerzbank vertraute Personen.

Investoren sollten sich bei ihren Geboten für die neuen Commerzbank-Papiere eng am Börsenkurs orientieren, hieß es im Markt. Die Commerzbank-Aktie hatte im Xetra-Handel mit 12,92 Euro etwas fester geschlossen, die bevorstehende Platzierung drückte den Kurs im Späthandel aber um 2,2 Prozent auf 12,48 Euro. Um den angepeilten Erlös zu erzielen, müssten die Aktien zu je 12,30 Euro platziert werden. Organisiert wird die Kapitalerhöhung von der Commerzbank selbst und der Deutschen Bank.

Im ersten Quartal hat die Commerzbank den operativen Gewinn nach vorläufigen Zahlen auf 685 (Vorjahr: 324) Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die Fortschritte lägen zum einen an den deutlich gestiegenen Erträgen, aber auch an Bewertungs- und Einmaleffekten, hieß es in der Mitteilung. Dabei verkraftete die Bank sogar eine Abschreibung auf ihr Anleihen-Engagement bei der zahlungsunwilligen österreichischen "Bad Bank" Heta. Von den 400 Millionen Euro, die die Commerzbank dort im Feuer hat, muss sie auf Geheiß der Bankenaufseher etwa die Hälfte wertberichtigen. Die Erträge stiegen von Januar bis März um mehr als eine halbe Milliarde auf 2,8 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge sank, der Nettogewinn legte auf 366 (200) Millionen Euro zu.

Trotzdem geht Vorstandschef Martin Blessing der Aufbau des Kapitalstocks noch nicht schnell genug. Mit Hilfe der Emission soll die harte Kernkapitalquote auf mehr als zehn Prozent steigen; Ende März waren es 9,5 Prozent. Die Verschuldungsquote soll dem Zielwert von vier Prozent näherkommen; zuletzt waren es 3,7 Prozent. Damit ist sie sogar höher als bei der Deutschen Bank, bei der die Quote bei 3,4 Prozent steht. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern soll trotz der höheren Kapitalbasis bis Ende des kommenden Jahren zehn Prozent erreichen, bekräftigte die Bank.

Vor allem in der Berliner Politik waren Gedankenspiele angestellt worden, ob es sinnvoll wäre, durch eine Verbindung der Commerzbank mit der Postbank eine starke Privatkundenbank zu schaffen und damit ein Gegengewicht zu den Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken zu schaffen. Doch die Commerzbank, an der der Staat immer noch mit 17 Prozent beteiligt ist, sei auf die Postbank nicht sonderlich erpicht, sagten die Insider. Während sich die Commerzbank an wohlhabenderen Kunden orientiert, ist die Postbank vor allem im Massengeschäft aktiv.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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