Gewinneinbruch
Citigroup verkauft Tochter zu billig

Die Komplettübernahme der Gemeinschaftsfirma Smith Barney durch Morgan Stanley kommt die Citigroup teuer zu stehen. Abschreibungen durch einen niedrigen Verkaufspreis führen bei Citi zu einem Gewinneinbruch.
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Düsseldorf/New York„They make money the old fashioned way. They earn it.“ Der Werbespruch des Bankhauses Smith Barney aus den 1980er Jahren ist vielen US-Amerikanern noch heute ein Begriff. Der Oscar-prämierte Schauspieler John Houseman gab dem Slogan damals in zahlreichen Fernsehwerbespots ein Gesicht.

In den Jahren danach erlebte die im Investmentbanking und der Vermögensverwaltung tätige Smith Barney bewegte Zeiten. 1998 schließlich ging sie in den Besitz der Citigroup über. Elf Jahre später brachte die US-Großbank die Tochter Smith Barney unter dem Druck der Finanzkrise in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Morgan Stanley ein. Im vergangenen Quartal schließlich sorgte Smith Barney für einen Gewinneinbruch bei der Citigroup, wie der Finanzriese am Montag bekanntgab. Und Morgan Stanley ist daran nicht ganz unschuldig.

Der Nettogewinn bei Citi ist im dritten Quartal um 88 Prozent auf 468 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Damals hatte die drittgrößte US-Bank noch einen Gewinn von 3,77 Milliarden Dollar eingefahren.

Der Grund dafür ist vor allem der niedrige Verkaufspreis, für den sich die Citigroup von ihrem Anteil an Morgan Stanley Smith Barney, wie das Joint Venture offiziell hieß, trennt. Auf einen Gesamtwert ihrer Tochter von 13,5 Milliarden Dollar einigten sich die beiden Kreditinstitute nach langen Verhandlungen Mitte September. Der 49-Prozent-Anteil der Citigroup soll nach der Einigung nun an die Investmentbank Morgen Stanley gehen. Die Citigroup hofft auf 6,6 Milliarden Dollar – in den Büchern stand die Tochter jedoch mit 11,3 Milliarden Dollar. Spätestens zum 1. Juni 2015 soll das Unternehmen Morgan Stanley alleine gehören.

Der Wert war geringer als erwartet, das brachte für die Citigroup im abgelaufenen Vierteljahr Abschreibungen von 2,9 Milliarden Dollar (nach Steuern) mit sich. Ohne diese Sonderfaktoren hätte der Gewinn der Bank also annähernd auf dem Vorjahresniveau gelegen.

Citigroup-Chef Vikram Pandit gab schon nach dem Ende der Verhandlungen Abstriche beim Verkaufspreis zu. Dennoch zeigte sich Pandit Mitte September froh über die Einigung: „Je mehr wir unsere Vergangenheit hinter uns lassen, desto mehr können wir uns auf unsere Zukunft konzentrieren.“ Jetzt musste der Vorstandschef im Nachgang allerdings eine bittere Pille schlucken.

Überraschen konnte Pandit hingegen mit einer Steuervorteilen in Höhe von knapp 600 Millionen Dollar und stark anziehenden Erlösen im Anleihehandel. Der Umsatz ging um ein Drittel auf 13,95 Milliarden Dollar zurück.

In der vergangenen Woche hatten bereits JP Morgan Chase und Wells Fargo ihre Quartalsberichte veröffentlicht. Die größte US-Bank JP Morgan erzielte einen Erlös von 5,71 Milliarden Dollar, das viertgrößte Geldhaus des Landes, Wells Fargo, konnte einen Rekordgewinn von 4,94 Milliarden Dollar im Quartal vermelden. In dieser Woche legen noch die Investmentbanken Goldman Sachs (Dienstag) und Morgan Stanley (Donnerstag) sowie die Bank of America (Mittwoch) ihre Zahlen vor.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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    CITIGROUP-CHEF ZURÜCKGETRETEN..:::
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    europa-chef wird nachfolger

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