Handel mit Wertpapieren: Deutsche Bank gewinnt Marktanteile

Globaler Wertpapierhandel
Europa fällt zurück – bis auf die Deutsche Bank

Die größten Banken der Wall Street haben 2016 ihre Führung im Wertpapierhandel gegenüber den europäischen Konkurrenten ausgeweitet und kontrollieren jetzt fast 60 Prozent des weltweiten Marktes. Einziger europäischer Lichtblick: die Deutsche Bank.
  • 1

New York/DüsseldorfEuropas Banken fallen im globalen Wertpapier weiter hinter der Wall Street zurück. Die größten US-Banken haben 2016 ihre Führung im Wertpapierhandel ausgeweitet und kontrollieren jetzt fast 60 Prozent des weltweiten Marktes. Und diese Zahlen stammen noch aus der Zeit vor den großen US-amerikanischen Handelsgewinnen im vierten Quartal 2016. Einziger Lichtblick aus europäischer Sicht war die Deutsche Bank. Sie konnte Marktanteile halten oder ausbauen. Das zeigen neue Zahlen der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Konkret haben die US-Banken, angeführt von JPMorgan Chase, ihren Anteil am Handel mit festverzinslichen Anleihen in den vergangenen sechs Jahren um zehn Prozentpunkte auf 57 Prozent steigern können. Im Bereich Aktien schnellte ihr Anteil sogar um zwölf Prozentpunkte auf 56 Prozent nach oben. Die Angaben beziehen sich auf die Handelserlöse, die von den weltweit 15 größten Banken im Wertpapierhandel für die ersten neun Monate 2016 ausgewiesen wurden.

Im Ergebnis bauen amerikanische Banken – neun Jahre, nachdem sie das global Finanzsystem in der Finanzkrise beinahe zum Zusammenbruch gebracht hatten, – ihren Vorsprung aus, während sich viele europäische Wettbewerber aus dem Handel zurückziehen.

Ein Grund ist die schlechte Gesamtsituation vieler europäischer Banken: Belastet von der Kernschmelze auf dem US-Hypothekenmarkt und der Staatsschuldenkrise in Europa sind sie immer noch dabei, sich neu aufzustellen, Eigenkapital zu erhöhen und unrentable Geschäftsbereiche aufzugeben. Die US-Konkurrenz ist hier schon weiter.

„Bis 2010 gab es in Europa die komplette Leugnung einer Krise in der Bankenbranche“, sagt Amrit Shahani, Analyse-Direktor beim Londoner Beratungsunternehmen Coalition. „Amerikanische Firmen haben ihre Restrukturierung und Rekapitalisierung recht früh erledigt. Europäische Firmen haben erst später dem Druck nachgegeben, es ihnen gleich zu tun, und hinken beim Umbau nun hinterher.“

Und der Trend setzt sich fort: Die US-Banken haben in den vergangenen Tagen bereits Zahlen für das vierte Quartal 2016 veröffentlicht, die weiter steigende Handelserlöse zeigen. Europäische und asiatische Institute werden ihre Berichte erst noch vorlegen.

Der größte Verlierer beim Anleihehandel in den vergangenen sechs Jahren war die britische Barclays-Bank, die nach Umbau ihres Investmentgeschäfts fünf Prozentpunkte verlor. Barclays erklärte, sich eher auf Profitabilität als auf den Ertrag konzentrieren zu wollen. Daneben verzeichneten auch die Schweizer UBS und die Credit Suisse Marktanteilrückgänge. Die größten Schweizer Banken haben ihren Fokus in den vergangenen Jahren stärker auf die Vermögensverwaltung verlegt.

Top-Gewinner beim Anleihehandel war JPMorgan, die größte US-Bank, die ihren Anteil um sechs Prozentpunkte steigern konnte. Dahinter folgt Citigroup mit einem Plus von etwa vier Prozentpunkten.

Im Aktienhandel, zu dem auch Derivate zählen, überholte Morgan Stanley indes Goldman Sachs, ist nun Marktführer. Auf den dritten und vierten Handelsrängen folgen JPMorgan und Deutsche Bank. Der größten deutschen Bank ist es gelungen, Marktanteile beim Aktienhandel hinzuzugewinnen und den Marktanteil beim Anleihehandel zu halten. Dies gelang trotz der verbreiteten Sorgen am Markt um Profitabilität und Kapitalniveau der Bank, und trotz der Berichte über einen Kundenschwund.

Die Schweizer Credit Suisse verzeichnete den größten Marktanteilsverlust im Aktienhandel seit 2010, wie die Bloomberg-Daten zeigen. Während die Bank aus Zürich kein Geheimnis daraus machte, dass sie den Anleihehandel reduzieren will, wollte sie den Aktienhandel ausbauen. Die aktuellen Verlust führt sie nun zum Teil auf das Schrumpfen des europäischen Marktes zurück. Die Sprecher von Credit Suisse, Barclays und UBS wollten die Entwicklung nicht kommentieren.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Globaler Wertpapierhandel: Europa fällt zurück – bis auf die Deutsche Bank"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  •  
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++
    Bitte achten Sie auf unsere Netiquette:
    „Kommentare sind keine Werbeflächen“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%