Goldman Sachs: Aggressiver Wettbewerb lässt Margen im Stammgeschäft schmelzen: Investment-Banking steht vor Umbruch

Goldman Sachs: Aggressiver Wettbewerb lässt Margen im Stammgeschäft schmelzen
Investment-Banking steht vor Umbruch

Die neue deutsche Führungsspitze von Goldman Sachs rechnet mit einem Strukturwandel im Investment-Banking. Während die einstigen „Königsdisziplinen“ Börsengänge sowie Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) an Bedeutung verlieren, werden neue Instrumente wie Derivate oder strukturierte Finanzierungen für die Banken immer wichtiger.

FRANKFURT/M. „Neue Produkte machen einen immer größeren Anteil unserer Einnahmen im Investment-Banking aus“, sagte Alexander Dibelius, seit Ende vergangenen Jahres alleiniger Chef der deutschen Goldman-Sachs-Niederlassung, dem Handelsblatt. „M&A wird für uns zwar immer ein Kerngeschäft bleiben, aber die Bedeutung innovativer Angebote wird weiter zunehmen“, ergänzte Marcus Schenck, verantwortlich für das deutschsprachige Investment-Banking des US-Instituts.

Ein wichtiger Grund für den Strukturwandel im Investment-Banking ist der harte Wettbewerb auf dem deutschen Markt, der die Margen der Banken stark unter Druck setzt. Im vergangenen Jahr haben einige Institute wie die Citigroup bei großen Aktienplatzierungen Geld verloren, da sie ihren Klienten zu aggressive Konditionen geboten haben. Bei prestigeträchtigen Mandaten sind einzelne Banken bereit, für nicht kostendeckende Gebühren oder sogar ganz ohne Honorar zu arbeiten. Experten gehen davon aus, dass sich der Wettbewerb in diesem Jahr noch verschärfen wird.

Erst vor einigen Monaten hat Credit Suisse First Boston 14 hochrangige Investmentbanker bei der Konkurrenz – vor allem bei Dresdner Kleinwort Wasserstein – abgeworben, um das deutsche Investment-Banking zu stärken. Der für den Ausbau verantwortliche Manager Marco Illy rechnet 2005 mit einen Gebührentopf von insgesamt knapp zwei Mrd. Euro für die Investmentbanken am deutschen Markt. Illy sieht weiter gute Wachstumschancen für die Branche. Der Honorartopf wachse im Schnitt um sieben Prozent jährlich.

Dibelius sieht die Lage etwas skeptischer: „Es gibt noch immer Überkapazitäten auf dem Markt, nicht jede Investmentbank, die in Deutschland tätig ist, arbeitet profitabel“. Wie in anderen Industrien werde auch in seiner Branche der Margendruck anhalten.

Nach Auffassung von Experten gilt das vor allem für standardisierte Dienstleistungen, die kein zusätzliches Know-how erfordern. Einen Ausweg aus der Margenfalle sieht Goldman Sachs in der Entwicklung neuer Produkte. „Wenn man Investment-Banking breit definiert, dann ist Deutschland tatsächlich ein Wachstumsmarkt“, sagte Schenk. Wer an der Spitze der Innovation stehe, habe die Chance, sich höhere Margen zu sichern, ergänzte Dibelius. Neue Produkte entstünden vor allem an der Schnittstelle zwischen dem klassischen Investment-Banking und dem Finanzierungsgeschäft.

Das heißt, Unternehmen, die beispielsweise eine Übernahme planen, wollen von ihrer Investmentbank nicht nur strategischen Rat, sondern auch kreative Lösungen für die Finanzierung. Teilweise bieten Banken, die den Verkäufer eines Unternehmens beraten, sogar den potenziellen Käufern Finanzierungsstrukturen an, um Transaktionen zu erleichtern. „Stapled on Financing“ heißt das im angelsächsischen Fachjargon.

Eine Bank müsse in der Lage sein, ihren Klienten von Eigenkapital bis hin zu syndizierten Krediten alle Formen der Finanzierung anzubieten, forderte Dibelius. So seien etwa mittelständische Firmen gerade dabei, klassische Kreditfinanzierungen durch Kapitalmarktlösungen zu ersetzen – etwa durch Hochzinsanleihen. Im vergangenen Jahr habe Goldman Sachs einen Fonds für so genannte Mezzanine-Finanzierungen aufgelegt. Dabei handelt es sich um Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital. Der Fonds investiere sehr aktiv in Deutschland. Darüber hinaus seien in den vergangenen Jahren weitere völlig neue Märkte entstanden, so wie der Handel mit Bankkrediten, der immer wichtiger werde.

Aber auch in den klassischen Investment-Banking-Disziplinen will Goldman Sachs vorn mit dabei sein. „Unser Ziel ist es, in den wichtigsten Produktgruppen einen Spitzenplatz in den Ranglisten zu belegen“, sagte Dibelius. 2004 ist das nur bedingt gelungen. Im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen verbesserte sich die US-Bank zwar mit einem Marktanteil von über 20 Prozent von Rang zwei auf den Spitzenplatz. Bei Aktienplatzierungen rutschte Goldman Sachs dagegen von Rang zwei auf Platz sieben ab. An die Spitze setzte sich hier ein anderes US-Haus: Morgan Stanley.

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