Goldman Sachs
Arbeitszeiten im Visier der Behörden

Das Schweizer Arbeitsgesetz verpflichtet Unternehmen dazu, Arbeitszeiten und Überstunden zu erfassen. Nun nimmt die Behörde die Investmentbank Goldman Sachs unter die Lupe. Die Bank soll bei der Erfassung gemogelt haben.
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ZürichDie Arbeitszeiten bei der Investmentbank Goldman Sachs in der Schweiz sind ins Visier der zuständigen Aufsichtsbehörde geraten. Das Arbeitsinspektorat des Kantons Zürich habe am Mittwoch die Zürcher Niederlassung der amerikanischen Großbank kontrolliert, sagte ein Sprecherin der Behörde am Donnerstag. Sie bestätigte einen Bericht des „Tages-Anzeigers“, wollte aber aus Vertraulichkeitsgründe keine Einzelheiten nennen. Die Behörde wurde auf Veranlassung des Bankenpersonalverbands tätig, der vermutet, dass das Finanzinstitut bei der Erfassung von Arbeitszeiten und Überstunden nicht korrekt vorging. „Für uns ist wichtig, dass die Arbeitszeiten auch bei Banken eingehalten werden“, sagte die Verbandsgeschäftsführerin Denise Chervet.

Goldman Sachs wollte zu der Angelegenheit keine Stellung nehmen. Die Bank beschäftigt in Zürich im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden knapp 100 Personen.

Seit der Finanzkrise und dem dann folgenden Arbeitsplatzabbau bei vielen Banken beklagen sich Bank-Mitarbeiter nach Angaben des Personalverbandes häufig über zunehmenden Druck und lange Arbeitszeiten. In London starb kürzlich ein Praktikant bei Bank of America Merrill Lynch, nachdem er 72 Stunden ohne Pause gearbeitet haben soll.

Das Schweizer Arbeitsgesetz schreibt je nach Branche eine Höchstarbeitszeit von 45 bis 50 Wochenstunden vor und Arbeitgeber sind verpflichtet, die Arbeitszeiten zu erfassen. In Tarifverträgen sind kürzere Arbeitszeiten vereinbart. In der Banken- und Versicherungsbranche wird der amtlichen Statistik zufolge pro Woche durchschnittlich knapp 42 Stunden gearbeitet. Systematisch erfasst werden die Arbeitszeiten nicht in allen Fällen. Laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz vom vergangenen Herbst arbeiten knapp 17 Prozent der Arbeitnehmer in der Schweiz flexibel und ohne dass ihre Arbeitszeit erfasst wird. Im Vergleich zu denen, deren Arbeitszeit systematisch erfasst wird, arbeiten sie häufiger länger als zehn Stunden pro Tag und gehen auch öfter zur Arbeit, wenn sie krank sind.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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