Goldman Sachs
Bürgermeister Bloomberg steht hinter Skandalbank

Die Medienschelte für Goldman nach dem öffentlichen Abschiedsbrief eines Mitarbeiters hat die Wall Street getroffen. Angeführt von Bürgermeister Michael Bloomberg stellen sich Konkurrenten nun hinter den Branchenprimus.
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New YorkEs ist als, sei Corporate America und vor allem die Finanzbranche aus einer Schockstarre erwacht. Die überraschende mediale Durchschlagskraft des öffentliches Abschieds- und Anklagebriefes eines Goldman-Sachs-Mitarbeiters vom Mittwoch traf nicht nur dessen Ex-Arbeitgeber. Offenbar fühlen sich alle von den Vorwürfen des Derivatehändlers getroffen, Goldman Sachs stelle die Profitgier über Kundeninteressen. Doch angeführt von New Yorks Bürgermeister und Milliardär Michael Bloomberg stellt sich die amerikanische Geschäftswelt nun ostentativ hinter die gescholtene Bank.

Es sei „irrwitzig“, wie sich die Medien auf Goldman stürzten, sagte Bloomberg, der selbst einst als Rentenhändler und dann als Gründer des Börseninformationsdienstes Bloomberg an der Wall Street zu Reichtum gekommen ist. „Irrwitzig“ sei noch nicht einmal das treffende Wort, so Bloomberg in seiner wöchentlichen Radioansprache. „Es ist meine Aufgabe, aufzustehen und die Firmen zu unterstützen, die uns Steuern bringen und Menschen beschäftigen“, fügte er hinzu. Tags zuvor hatte er spontan der Zentrale von Goldman in der Nähe von Ground Zero an der Südspitze Manhattans einen Besuch abgestattet. Goldman ist einer der großen Kunden seiner Firma, die Computerterminals vertreibt, über die Banken Kurse und Wertentwicklungen beziehen.

Am Mittwoch hatte der Londoner Derivatehändler Greg Smith in seinem in der „New York Times“ als Gastbeitrag veröffentlichten Kündigungsschreiben mit der Firma abgerechnet. Die Führung unter Bankchef Lloyd Blankfein sehe zu, wie die Kundeninteressen zu Gunsten des Profits mit Füßen getreten würden. Das sei früher nicht so gewesen, lautete sein Vorwurf.

Greg Smith dürfte es nach diesem Kündigungsschreiben schwer haben, in der Finanzbranche eine neue Stelle zu finden. Medienberichten zufolge soll er für den Gastbeitrag 150 Dollar bekommen haben. Smith hat zwölf Jahre bei Goldman gearbeitet. Die Bank wies die Vorwürfe zurück, kündigte aber eine Überprüfung der Geschäftspraxis an.

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  • Ohne Nahostpolitik kann keine Bewertung vorgenommen werden.
    Kriege kosten Geld und erfordern Ruhe an der Heimatfront. Der Bürger soll den Krieg, wenn überhaupt, als Vorteil ansehen.

    Die amerikanische Wirtschaft war schon angeschlagen, die überaus starke Baulobby machte Druck und so wurden an einem schon gesättigten Markt die Habenichtse mit vorübergehenden Billigkrediten versorgt. Als die Treibstoffkosten stiegen war es keine Frage, was zuerst bedient werden soll, die Fahrt zur Arbeit oder die Hypothek. Die Antwort war klar. So platzte die Blase und schwappte auchauf Europa über. Hier haben die USA über 25% ihrer Investitionen einbüßen müssen.
    Viel gelernt wurde nicht.

  • Es ist genauso, und es gibt auch nicht mehr dazu
    zu dagen. Die Kaste der Finanzakrobaten hat sich der
    gesamten Gesellschaft bemächtigt und steht im Machterhalt
    eisern zusammen.

  • Da bin aber sehr überrascht, dass sich Mr. Bloomberg - respektive seine Firma - hinter seinen Großkunden stellt. Und sprichwörtlich sind auch die Solidaritätsadressen der Konkurrenz, die alle Dreck am Stecken haben, nur nicht ganz so viel wie Goldman Sachs. Wo bleibt das herzliche "Weiterso" von Ackermann und Anshu Jain? Und natürlich unterstützen die Finanzkraken die aus dem finsteren Mittelalter entsprungen zu sein scheinenden Rechtsaußen der Republikaner, die versprochen haben, dass der ungehemmte Finanzkapitalismus nach ihrer Wahl ungehemmt weitergehen soll - bis der Planet kollabiert!

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