Goldman Sachs gegen IIF: Streit über Bankbilanzen

Goldman Sachs gegen IIF
Streit über Bankbilanzen

Goldman Sachs brüskiert Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und tritt aus der Branchenvereinigung Institute of International Finance aus. Die US-Investmentbank leistet Widerstand gegen die geplante Reform der Bilanzierungsvorschriften.

FRANKFURT. Die Pläne des internationalen Bankenverbandes IIF für eine Lockerung der Bilanzierungsvorschriften bei Finanzkrisen stoßen bei Mitgliedern zunehmend auf Skepsis. „Wir brauchen noch mehr Diskussionen zwischen den Banken, den Regulatoren und den Branchenvertretungen“, hieß es gestern bei einem internationalen Großinstitut. Eine Änderung der Bilanzierungsregeln oder die Einführung von Ausnahmen würden nur die Unsicherheit im Markt erhöhen. Ähnlich äußerte sich ein zweites Institut. Für das Institute of International Finance (IIF) und ihren Vorsitzenden, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, ist dies eine herbe Schlappe.

Zuvor war bekannt geworden, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs unter ihrem Chef Lloyd Blankfein aus Widerstand gegen jegliche Bilanzierungsänderung die Branchenvereinigung verlassen hat. Das IIF, dem 375 Finanzkonzerne aus 70 Ländern angehören, will am 17. Juli in Washington seine Schlussfolgerungen aus der mittlerweile ein Jahr andauernden Finanzkrise präsentieren. Sowohl Goldman, als auch die Deutsche Bank und das IIF wollten sich nicht näher zu den Vorgängen äußern.

Hintergrund der IIF-Bemühungen ist die Finanzkrise, die bei Banken mittlerweile zu Verlusten und Wertminderungen von mehr als 400 Mrd. US-Dollar geführt hat. Die derzeitigen Bilanzierungsregeln schreiben vor, dass Wertpapiere und Kredite in den Büchern zu den jeweiligen Marktpreisen („Fair-Value“) angesetzt werden.

Weil jedoch manche Marktsegmente komplett ausgetrocknet sind und Käufer fehlen, gibt es nach wie vor vielfach überhaupt keine oder aber deutlich niedrigere Preise. Hier wurden zum Teil Modelle verwendet, weil die jeweiligen Banken auf eine Markterholung hoffen. Dies führt aber dazu, dass vielfach noch verdeckte Risiken in den Büchern stecken.

Ackermann hatte sich bereits im April anlässlich eines Zwischenberichts des IIF dafür ausgesprochen, die Bilanzierungsregeln zu überdenken. Der Verband hatte damals vorgeschlagen, den Instituten in Krisenzeiten mehr Spielraum bei der Bilanzierung ihrer Vermögenswerte einzuräumen, um die „Abwärtsspirale zu stoppen“. Zugleich sollen auch jene Vorgaben gelockert werden, die festlegen, unter welcher Bilanzposition ein Wertpapier verbucht wird. Liegt es etwa im Handelsbestand, muss es nach Marktpreisen bewertet werden. Soll es hingegen über die gesamte Laufzeit hinweg gehalten werden, ist dies nicht der Fall. Bislang sind Umbuchungen kaum möglich. In IIF-Kreisen hieß es, die Ausführungen vom April dürften im wesentlichen Bestand haben. Goldman-Sachs-Risikochef Gerald Corrigan hatte sich bereits im Mai als klarer Verfechter des Fair-Value-Prinzips positioniert. „Meiner Meinung nach ist dies nach wie vor die beste Alternative“, sagte der Wall-Street-Veteran. Ihm wird allerdings ein angespanntes Verhältnis zum IIF nachgesagt. Gegen Änderungen sprachen sich gestern auch die schwedischen Banken aus. „Man soll jetzt nicht panikartig etwas verändern, sondern ruhig abwarten“, sagte Johan Hansing, Analysechef der Bankenvereinigung.

In Deutschland sieht man hingegen durchaus Handlungsbedarf. „Die privaten Banken sind hier ganz klar für das Fair-Value-Prinzip“, sagte Manfred Weber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. „Allerdings gibt es Bereiche, in denen mehr Flexibilität notwendig ist, etwa bei der Frage der Bewertung von Vermögenswerten ohne aktiven Markt.“

Goldman handelt jedoch nicht nur aus hehren Gründen. Ein Abrücken von der Fair-Value-Option brächte deutliche Nachteile mit sich. Ähnlich wie manche Konkurrenten hat die Investmentbank nämlich zuletzt eigene Verbindlichkeiten aufgewertet – und so Sondererträge im dreistelligen Millionen-Bereich eingefahren. Damit konnten zum Teil die Belastungen aus der Krise ausgeglichen werden. Hierzulande verzichteten die Geschäftsbanken mit Ausnahme der IKB hingegen auf diese Methode.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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