Goldman Sachs
Investmentbank spart sich zum Glück

Die US-Großbank Goldman Sachs steigert im zweiten Quartal den Gewinn um 78 Prozent. Grund dafür waren geringere Ausgaben – und ein wieder florierender Handel mit festverzinslichen Wertpapieren.

New YorkDer Handel mit Anleihen und Devisen hat Goldman Sachs das zweite Quartal gerettet. Der Nettogewinn der US-Investmentbank schnellte um 78 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar in die Höhe und übertraf damit deutlich die Erwartungen von Analysten. Die Abstimmung über den EU-Ausstieg Großbritanniens lähmte zwar das Geschäft mit Fusionen, Übernahmen und Aktienemissionen. Der rege Handel in der Zeit um das überraschende Votum spülte der Bank aber mehr Geld in die Kassen. "Trotz der Unsicherheit infolge des Brexit haben wir solide Ergebnisse erreicht", resümierte Vorstandschef Lloyd Blankfein am Dienstag. Zudem trat Goldman Sachs bei den Kosten auf die Bremse und machte damit den Rückgang der Einnahmen um 13 Prozent auf knapp acht Milliarden Dollar wett.

Finanzvorstand Harvey Schwartz erklärte die Sparwelle für abgeschlossen. Sie habe seit Jahresbeginn rund 700 Millionen Dollar gebracht. Die Belegschaft schrumpfte von April bis Juni um fünf Prozent. Die Investmentbanker, die blieben, mussten sich mit geringeren Boni zufriedengeben. Die Ausgaben für Gehälter und Sonderzahlungen, der größte Kostenblock bei Goldman Sachs, gingen um 13 Prozent zurück. Doch auch vor den Sachkosten machte die Bank nicht halt. Zuletzt waren Appelle öffentlich geworden, auf unnötige Flüge zu verzichten. Goldman Sachs verlagerte zudem schon vor der Brexit-Abstimmung in großem Stil Arbeitsplätze von London nach Warschau.

An der New Yorker Börse wurden die Quartalszahlen mit wenig Begeisterung aufgenommen: Die Goldman-Sachs-Aktie fiel um knapp ein Prozent auf 161,76 Dollar. Seit Jahresbeginn hat sie knapp ein Zehntel ihres Wertes verloren. Die Eigenkapitalrendite lag im zweiten Quartal mit 8,7 Prozent deutlich über den 4,8 Prozent im Vorjahr, aber immer noch unter den zehn Prozent, auf die die Kapitalkosten für Banken geschätzt werden. Der Vergleich mit dem Vorjahr ist aber verzerrt: Im zweiten Quartal 2015 hatte Goldman Sachs 1,45 Milliarden Dollar für den inzwischen geschlossenen Vergleich im Streit über Hypotheken-Darlehen zurückgestellt, was den Gewinn belastete.

Schwartz gewann dem Quartal auch Positives ab. Die Probleme zu Jahresbeginn, als die Flaute an den weltweiten Märkten die Investmentbanken erfasst hatte, hätten sich teilweise gelegt. Die Erlöse waren im zweiten Quartal ein Viertel höher als zu Jahresbeginn. Während des Brexit-Votums und kurz danach hätten die Handelsvolumina beinahe Höchststände erreicht. Goldman Sachs habe im Zuge dessen Marktanteile gewonnen, sagte er.

Allein der Handel mit festverzinslichen Papieren und Devisen sowie Rohstoffen brachte Goldman Sachs ein Fünftel mehr Einnahmen als im Vorjahr. Die Investmentbank hatte an dem Geschäft mit Anleihen und anderen Rentenpapieren festgehalten, während es Konkurrenten wie Morgan Stanley teilweise zurückgefahren hatten. Die verschärfte Regulierung hat den Anleihehandel nach der Finanzkrise verteuert.

Die Deutsche Bank setzt traditionell ebenfalls auf das Anleihen-Geschäft, steckt aber im Investmentbanking mitten im Umbau. Deshalb ist unklar, ob auch sie im zweiten Quartal von der Erholung profitiert hat oder ob ihr die US-Rivalen Marktanteile abgenommen haben. JP Morgan hat die Einnahmen in dem Bereich um 35 Prozent gesteigert, Citi um 14 Prozent und die Bank of America Merrill Lynch um 22 Prozent. Morgan Stanley legt seine Zahlen am Mittwoch vor, die Deutsche Bank eine Woche später. Ihre Aktien gaben am Dienstag um 3,3 Prozent nach.

Der Anleihe-Handel konnte eine Schwäche im Aktiengeschäft ausgleichen, die Einnahmen in der gesamten Sparte stabilisierten sich bei 3,7 Milliarden Dollar. Mit Börsengängen, Kapitalerhöhungen und Anleihe-Emissionen erlöste die Bank dagegen 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch im Beratungsgeschäft bei Fusionen und Übernahmen, wo Goldman weltweit führend ist, sind die Aussichten trübe: Die Einnahmen in der Sparte sanken um elf Prozent, und die Investmentbanker arbeiteten derzeit auch an weniger bevorstehenden Transaktionen als Ende März. Vor der Abstimmung in Großbritannien hatte die damit verbundene Unsicherheit Unternehmenslenker vielfach von Übernahmen abgeschreckt und Börsengänge in weiten Teilen Europas fast zum Erliegen gebracht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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