Griechenland
Athens Banken bangen um ihre Existenz

Die Banken des Krisenstaates kämpfen mit hohen Verlusten. Ihre Kapitalbasis ist durch den Schuldenschnitt nur noch ein kümmerliches Häufchen. Nun zapfen die Geldinstitute den europäischen Rettungsfonds an.
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AthenDer im März vollzogene Schuldenschnitt mag Griechenland vor dem unmittelbar drohenden Staatsbankrott bewahrt haben. Den Banken des Landes entstehen allerdings durch den „freiwilligen“ Forderungsverzicht (PSI) Verluste, die ihre Existenz gefährden. Sie mussten bis zu 80 Prozent des Nennwerts ihrer griechischen Staatsanleihen abschreiben. Die Kapitalbasis der vier großen Institute ist dadurch weitgehend vernichtet worden. Das zeigen die am vergangenen Freitag veröffentlichten Bilanzen des Jahres 2011, die den Verlust bereits berücksichtigen. Nach dem griechischen Staat müssen nun auch die Athener Geldinstitute mit europäischen Hilfsgeldern gerettet werden.

Die vier großen Banken meldeten für 2011 Verluste von 28,3 Milliarden Euro. Davon entfielen 26,1 Milliarden auf den Schuldenschnitt. Das Ausmaß des Desasters übertraf die Erwartungen der Analysten, die mit Einbußen von rund 22 Milliarden gerechnet hatten. Der Marktführer National Bank of Greece (NBG) liegt mit einem Verlust von 12,3 Milliarden Euro an der Spitze. Die Nummer zwei, die Eurobank EFG, meldete 5,5 Milliarden Miese. Die Alpha Bank, der Branchendritte, verzeichnete ein Minus von 3,8 Milliarden. Relativ zur Bilanzsumme am schlechtesten steht die Piraeus Bank mit einem Verlust von 6,6 Milliarden da. Der Schuldenschnitt hat das Eigenkapital der Banken weitgehend aufgezehrt. Die Kernkapitalquote (Tier 1) der vier großen Institute fiel im Schnitt auf etwa drei Prozent. Bis zum September müssen die Banken ihre Kapitalausstattung auf mindestens neun Prozent bringen.

Unter dem Strich entsprechen die Verluste der vier Banken fast dem Zehnfachen, bei der Piraeus Bank sogar dem Zwanzigfachen des aktuellen Börsenwerts. Schon das zeigt: Am Markt können sich die Institute unmöglich rekapitalisieren. Im zweiten, 130 Milliarden Euro umfassenden Griechenland-Hilfspaket der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF), sind deshalb 50 Milliarden für die Rettung der griechischen Banken vorgesehen. Sie werden über den europäischen Rettungsfonds EFSF bereitgestellt. Am Donnerstag erhielt Griechenland die erste Rate von 25 Milliarden Euro.

Die Rekapitalisierung der Banken läuft über den Hellenic Financial Stability Fund (HFSF). Er hat den Banken am vergangenen Freitag bereits schriftlich Hilfen in spezifischer Höhe zugesagt. So konnten die Institute diese Garantien in ihre Bilanzen aufnehmen. Zuvor hatten sie der griechischen Zentralbank ihre Pläne zur Geschäftspolitik und zu kapitalstärkenden Maßnahmen für die kommenden Jahre vorgelegt, die von der Notenbank als realistisch akzeptiert wurden.

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Kommentare zu " Griechenland: Athens Banken bangen um ihre Existenz"

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  • Also der Name Latsis fällt ja desöfteren, wenn es um irgendwelche Subventionen geht. Wir sprechen hier von einer der grössten Reedereien und wie sieht es denn mit Subventionen aussehen für diese Familie. Reeder sind doch die Einzigen, die das ganze Debakel unbeschadet überstanden haben und das gilt es schon zu subventionieren. Ansonsten könnten ja Leute was bekommen, die es wirklich brauchen könnten.
    Verweise hier auch auf die EU Subventionen, die Baroso an Latsis zuerkannt hat nach einem einwöchigen Aufenthalt auf dessen Yacht.

  • Nur das zu Griechenland und Co.

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/nachrichten/krankenversicherung-zoll-jagt-saeumige-zahler-der-krankenkassen/6544122.html

  • In unserer Wirtschaftsordnung genießen Banken das Privileg, sich über die Notenbank refinanzieren zu können.
    Banken haben dabei die marktwirtschaftliche Aufgabe, die so erhaltenen Gelder in wirtschaftlich sinnvolle Bahnen zu lenken.
    Steuerelement bei der Kreditvergabe ist dabei das Ausfallrisiko für die Banken:
    In der Marktwirtschaft zwingt das Ausfallrisiko Banken schon aus eigenem Überlebenswillen zu vernünftiger Kreditvergabe .
    Im Resultat erhalten schlechte Schuldner schwieriger Kredit, gute Schuldner dagegen bekommen günstige Konditionen ....
    Im korrupten Griechenland wurde die Marktwirtschaft auf den Kopf gestellt. Ohne jede Fähigkeit, die Risiken des eigenen Treibens tragen zu können, reichten die Banken dort Notenbankkredite an den Staat und korrupte Unternehmen durch - mit sattem Margenaufschlag.
    Die marktwirtschaftlich notwendige Risikosteuerung wurde ausgeschaltet, indem das Ausfallrisiko auf die EU abgewälzt wurde.
    Ohne die kaufmännische sinnvolle Risikosteuerung/ Haftung mutierte der griechische Bankensektor zum teuersten Geldboten der Welt. Ein reiner Parasit.
    Diese Strukturen und Beteiligten zu retten, rettet nicht den Patienten Griechenland, sondern die Pest, die ihn befallen hat.



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