Griechenland
Banken-Prüfer erwartet weitere Abschreibungen

Dem Beispiel der Deutschen Bank, griechische Staatsanleihen im dritten Quartal kräftig abzuschreiben, dürften weitere Geldhäuser folgen. Wie weit sie infolge der Hilfsvereinbarung wertberichtigen müssen ist unklar.
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FrankfurtDie Deutsche Bank dürfte nicht das einzige Geldhaus bleiben, das seine griechischen Staatsanleihen im dritten Quartal kräftig abschreibt. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Banken noch mal Wertberichtigungen verbuchen werden“, sagt Klaus-Peter Feld, Vorstandsmitglied beim Institut der Wirtschaftsprüfer, der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Dabei sei es durchaus denkbar, die Staatsanleihen - wie bei der Deutschen Bank - gleich auf den Marktwert abzuschreiben. „Das werden sicher einige Häuser tun“, betonte Bilanzexperte Feld.

Vorgeschrieben ist das eigentlich nur für die Papiere, die in den Handelsbüchern der Banken liegen - diese können jederzeit verkauft werden. Im so genannten Bankenbuch ist eine Wertberichtigung nur nötig, wenn man nicht mehr mit der vollen Rückzahlung der Anleihen rechnet.

Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal den gesamten Bestand an griechischen Staatsanleihen auf den Marktwert abgeschrieben, was derzeit einem Abschlag von gut 55 Prozent entspricht. Das führte beim größten deutschen Geldhaus zu Wertberichtigungen von 250 Millionen Euro. Analysten gehen davon aus, dass die Deutsche Bank damit klar Schiff machen wollte, um nicht jedes Quartal neue Belastungen hinnehmen zu müssen. Angesichts satter Gewinne im Kerngeschäft kann sich das Institut dies auch leisten, andere Häuser dürften da vorsichtiger sein. Die Deutsche Bank hält nun noch 900 Millionen Euro an Hellas-Bonds.

Auch die Commerzbank signalisierte am Mittwoch weitere Wertberichtigungen auf ihr Griechenland-Portfolio. „Wir werden die Situation genau beobachten“, sagte der Finanzchef des zur Commerzbank gehörenden Staatsfinanzierers Eurohypo, Thomas Bley, in München. „Wenn es eine Veränderung gibt, werden wir weitere Abschreibungen vornehmen.“ Das zweitgrößte deutsche Geldhaus hielt Ende Juni noch 2,2 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen.

Im zweiten Quartal haben die Banken europaweit mindestens 21 Prozent auf ihre Hellas-Bonds abgeschrieben. Das entspricht der Belastung, die mit der Beteiligung privater Gläubiger an dem neuen Hilfspaket für das hoch verschuldete Land einhergeht. Einige Institute haben nur das Minimum abgeschrieben, andere sind darüber hinaus gegangen. Die Banken beteiligen sich über den Umtausch und den Rückkauf griechischer Anleihen an dem Hilfspaket.

Laut Institut der Wirtschaftsprüfer ist noch nicht absehbar, in welchem Maße Banken im dritten Quartal auf Basis dieser Hilfsvereinbarung nochmal wertberichtigen müssen. „Die politische Gemengelage ist noch zu unübersichtlich“, sagt Feld. Es gebe noch kein rechtsverbindliches Umtauschangebot, auf das man sich beziehen könnte. Zudem hänge der genaue Abschreibungsbedarf auch an bestimmten Zinskonditionen für die griechischen Anleihen. Kurzum: Die konkrete Ausgestaltung des Pakets sei noch zu unklar. Angesichts der heftigen politischen Debatte in Europa ist fraglich, ob bis zur Vorlage der Quartalsbilanzen in einem Monat hier mehr Klarheit herrscht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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