Griechenland
Den Banken stehen schmerzhafte Einschnitte bevor

Mit Finanzhilfen allein ist es nicht getan – auch Griechenlands Banken müssen reformiert werden. Das Vertrauen der Kunden ist weg. Selbst Kapitalspritzen sind deshalb im Gespräch – und die Schließung von Instituten.
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Frankfurt, AthenAngeschlagenen griechischen Banken steht Insidern zufolge voraussichtlich ein größerer Umbau mit schmerzhaften Einschnitten bis hin zu Schließungen ins Haus. Zuerst werde es wohl kurzfristige Kapitalspritzen geben, um die Institute zu stützen, sagten mehrere mit der Lage vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Eine erste Rekapitalisierung könnte in rund vier Wochen erfolgen, wenn eine Vereinbarung über ein neues Rettungspaket erzielt sei. Danach könnten Schließungen, Fusionen und auch der Verkauf von Auslandstöchtern drohen, sagten mehrere Insider.

„Banken würden selbst dann eine schwierige Zeit haben zu überleben, wenn der Staat gerettet würde“, sagte einer der Vertrauten bereits vergangene Woche. Geldhäuser müssten unter anderem viele Kredite abschreiben. Damit sie wieder Boden unter den Füßen bekämen sei eine Restrukturierung erforderlich. Vorbereitungen dazu sind nun laut Informationen weiterer Insider aus dieser Woche in Gang gebracht worden, nachdem der Weg für ein drittes Hilfsprogramm geebnet ist.

Die Bankenwelt in Athen stellt sich bereits auf Veränderungen an. „Das ist ein Szenario, das eintreten könnte – den Banken eine Interims-Kapitalspritze von rund zehn Milliarden Euro zu geben, um Sorgen um ihre Solvenz zu beenden und dann einen tieferen Blick auf die Situation zu werfen,“ sagte ein Banker. Früheren Informationen von Insidern zufolge könnte von den vier großen Instituten – National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus und Alpha Bank – nach einem Branchenumbau möglicherweise sogar nur zwei bestehen bleiben.

Am Montag sollen griechische Institute einem Insider zufolge erstmals nach dann drei Wochen wieder öffnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) verschaffte den Geldhäusern zwischenzeitlich Luft: Sie genehmigte eine Aufstockung der Notfall-Kredithilfen (ELA) an die Häuser um 900 Millionen Euro.

Die auf dem Euro-Gipfel erzielte vorläufige Einigung sieht vor, dass die Bankbilanzen nach dem Sommer auf Herz und Nieren geprüft werden. Dann wird sich entscheiden, wie hoch ihr Kapitalbedarf ist und welche der Institute noch überlebensfähig sind. Insgesamt soll ein neues Hilfsprogramm bis zu 25 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung griechischer Banken umfassen. Auch das Problem der notleidenden Kredite soll angegangen werden.

Eine Beteiligung von Inhabern großer Geldeinlagen an einer Bankenrettung nach dem Muster wie in Zypern ist allerdings schwierig. Die meisten wohlhabenden Griechen haben ihre Gelder schon abgezogen. Zudem gehören hohe Einlagenstände einem Insider zufolge zu zwei Dritteln Firmen, die für die griechische Wirtschaft entscheidend sind, so dass dieser Weg wenig wahrscheinlich sei. Auch für eine Beteiligung privater Gläubiger und Eigentümer ("bail-in") sehen Experten nur wenige Möglichkeiten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Überschrift missverständlich!
    Den "griechischen Banken" stehen schmerzhafte Einschnitte bevor. Die anderen Banken verdienen sich weiter dumm und dämlich!

  • Was sagt denn die Bankenaufsicht der EZB?

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