Griechenland-Krise
Athens Bankgesetz könnte Sparer gefährden

Athens Bankengesetz schlägt hohe Wellen: Moody's hält das Gesetz für riskant, Tsipras sieht keine Alternative. Indes wird klar: Im Juni sind die Einlagen bei griechischen Banken um einen Milliarden-Betrag gesunken.
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AthenDas neue griechische Gesetz für den Umgang mit Banken, die in Schieflage geraten sind, gefährdet nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's unbesicherte Einleger, da deren Gelder den Ansprüchen des Staates nachgeordnet sind. Das griechische Parlament hat mit dem Gesetz, das eine Voraussetzung für weitere Verhandlungen über Hilfsgelder war, die europäische Direktive zur Bankenabwicklung (BRRD) umgesetzt.

Das Gesetz unterscheidet sich jedoch von den in anderen EU-Ländern festgelegten Regeln: Staatliche griechische Einlagen und alle staatlichen Ansprüche können im Falle einer Bankeninsolvenz erst dann zur Abdeckung von Verlusten herangezogen werden , nachdem Einlagen von mehr als 100.000 Euro bereits dafür verwendet wurden, schreibt Moody's. Das sogenannte Bail-in-Instrument gilt ab dem 1. Januar 2016.

„Wenn das Bail-in-Instrument 2016 wirksam wird, beeinträchtigt der vorrangige Status staatlicher Ansprüche negativ die Wiedereinbringungsquoten griechischer Großanleger”, schrieben die Analysten Nondas Nicolaides und Bernhard Held am Montag im Credit Outlook der Ratingagentur.

Das Gesetz sei wegen der Verwendungsbeschränkung von öffentlichen Geldern für die Banken-Abwicklung und wegen der Lasten-Teilung, die ab nächstem Jahr für alle unbesicherten Gläubiger gilt, „Credit negative“ für Bondgläubiger und unbesicherte Einleger, so Moody's.

Indes sind die Einlagen bei griechischen Banken im Juni auf den niedrigsten Stand seit Ende 2003 gesunken. Da zahlreiche verunsicherte Kunden ihre Konten leerten, schrumpften die Einlagen im vergangenen Monat um rund acht Milliarden Euro auf 127,5 Milliarden Euro, wie am Montag veröffentlichte Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigten.

Wegen des massiven Geldabflusses hatte die griechische Regierung am 28. Juni die Reißleine gezogen und Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Die Banken blieben drei Wochen lang geschlossen. Inzwischen haben die Geldhäuser zwar wieder geöffnet, doch es gibt immer noch Beschränkungen. So liegt beispielsweise die Höchstgrenze für Geldabhebungen weiterhin bei 420 Euro wöchentlich.

Aus Sorge, Griechenland könnte aus dem Euro ausscheiden, haben zahlreiche Bankkunden in den vergangenen Monaten Milliarden von ihren Konten abgeräumt. Den Instituten drohte buchstäblich das Geld auszugehen. Nur mit Notfall-Hilfen, die von der EZB genehmigt wurden, konnten die Banken über Wasser gehalten werden

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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