Griechenland-Krise
Der „Plan B“ liegt längst bereit

Während in Brüssel wieder verhandelt werden soll, haben sich die deutschen Banken längst darauf vorbereitet, dass Griechenland die Eurozone verlassen könnte. Mit Notfallplänen wollen sie sich für den „Grexit“ wappnen.
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FrankfurtAls die Uhr auf 00:00:01 springt, hält die Welt den Atem an: Stürzen die Computer ab, fällt der Strom aus, bleiben die Banken geschlossen? Keines der Schreckensszenarien trat ein, als das neue Jahrtausend begann. Damals fürchteten Experten, dass der „Y2K“-Bug die Infrastruktur lahmlegt, weil Computer nicht mit vierstelligen Jahreszahlen zurechtkommen. Die Angst erwies sich im Nachhinein als übertrieben – auch dank der guten Vorbereitung. Vielleicht ist es mit dem Grexit ähnlich. Denn mittlerweile wurde das Euro-Aus für Griechenland so oft heraufbeschworen, dass eigentlich jeder genug Zeit hatte, sich darauf einzustellen.

So liegen bei vielen deutschen Banken bereits Notfallpläne in der Schublade. „Wir haben in den vergangenen beiden Monaten alle Szenarien durchgespielt“, berichtet der Top-Manager einer europäischen Großbank dem Handelsblatt. Mit den intern als „Dry Run“ (Trockenlauf) bezeichneten Szenarien habe man sich auf eine Pleite und ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone vorbereitet.

Die größte Herausforderung: Vorherzusagen, was in welcher Reihenfolge passieren wird. Welcher Kunde wird als erstes zahlungsunfähig? Wo gibt es Zahlungsströme über griechische Banken, die umgeleitet werden müssen? Denn als erste Maßnahme dürfte die griechische Regierung Kapitalverkehrskontrollen einführen: Nur so ließe sich verhindern, dass Bürger ihre Ersparnisse ins Ausland schaffen. Doch auch der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr käme damit zum Erliegen – Griechenland wäre von den Kapitalmärkten abgeschnitten.

Zwar rechnet der Top-Banker damit, dass der Grexit vermieden werden kann. „Doch um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, haben wir einen Notfallstab eingerichtet“, berichtet der Manager. Zudem gebe es Meldeketten, mit denen weitere Mitarbeiter alarmiert werden können – etwa, falls es zu einem Ansteckungseffekt an den Märkten kommt.

Er gilt als größte Gefahr eines „Grexit“ für das Finanzsystem. Denn schon jetzt haben die Renditen italienischer, spanischer oder portugiesischer Staatsanleihen angezogen. Investoren halten einen Zahlungsausfall also für wahrscheinlicher.

Von ihren Höchstständen zu Zeiten der Euro-Krise sind die Anleiherenditen der südlichen Länder zwar weit entfernt. Doch die Sorgen bleiben – auch bei den Banken. „Die unmittelbaren Auswirkungen lassen sich vorhersagen“, berichtet der Top-Banker. „Aber die möglichen Ansteckungseffekte kann man nur schwer kalkulieren.“

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