Griechenland-Rettungspaket
Der Schaden hält sich für die Banken in Grenzen

Die Griechenland-Rettung wird auch für die Finanzbranche teuer. Das Jammern gehört zur Show. Denn es hätte deutlich schlimmer kommen können. Ein Kommentar von Robert Landgraf.
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann weiß, Jammern gehört zum Geschäft. Deswegen gibt es keinen Grund, seine Worte, der freiwillige Beitrag der Finanzindustrie treffe die Branche hart, allzu wörtlich zu nehmen. Als Spitzenmann einer der mächtigsten Banken der Welt und gleichzeitiger Oberlobbyist im Bankenverband IIF muss er natürlich zeigen, dass die Institute sich ihrer Verantwortung bewusst sind und deshalb mitziehen. Es gilt gegenzulenken. Denn die Banken stehen nach der Finanzkrise als die Buhmänner der Nationen da und haben einen extrem schlechten Ruf beim Bürger. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert.

Um es klar zu sagen: Natürlich schmerzen Abschreibungen die Finanzbranche, keine Frage. Wäre Griechenland aber Pleite gegangen, dann hätte das die Banken jedoch weitaus höher belastet. Zudem haben die Wirtschaftsprüfer als Bilanzpolizei gerade klar gemacht, dass die Banken in Deutschland im zweiten Quartal gefälligst ihr Engagement in griechischen Bonds auf den Marktwert abschreiben sollen.

Nur dann würden sie der Bilanz der Institute bei der Überprüfung auf ihre Richtigkeit ihr Testat geben. Der Marktwert liegt aber nur noch bei etwa der Hälfte des eigentlichen Rückzahlungsbetrags, des Nominalwerts - auch wenn er sich in diesen Tagen nach dem Kompromiss noch erholen dürfte. 

Außerdem sind die Banker ja nicht dumm. Die Entwicklung war nach dem monatelangen Gezerre vorhersehbar. Viele Institute haben reagiert. Sie verkauften möglichst viele Griechenanleihen, kauften sich Kreditabsicherungen und schrieben ihre Engagements teilweise bereits ab.

 Im Klartext bedeutet das: Die Belastungen der Finanzindustrie hält sich in der Breite in Grenzen. Ohnehin ist das Ganze freiwillig für die Banken, auch wenn keiner wirklich weiß, wie die "Freiwilligkeit" am Ende aufgeteilt wird, damit man auf die 37 Milliarden Euro kommt, die der Privatsektor leisten will und soll.

Gleichzeitig können die Banken froh sein, dass mit dem neuen Rettungspaket auch der europäische Rettungsschirm EFSF an Flexibilität gewinnt. Er kann künftig Anleihen aufkaufen, was bislang nicht möglich war und am Ende Versicherungen und Banken zugute kommt. Hier können sie abladen, was sie zusätzlich zu ihrem freiwilligen Beitrag noch loswerden wollen. An den EFSF wird sicherlich auch Josef Ackermann so manche griechische Staatsanleihe verkaufen wollen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Griechenland-Rettungspaket: Der Schaden hält sich für die Banken in Grenzen"

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  • Warum wird eigentlich immer auf Ackermann und der DB rumgehackt? Die sind garantiert nicht die Hauptnutznießer des Deals! Da sollte man zuerst mal die griechischen und französischen Banken nennen.
    Wenn man über deutsche Banken redet, dann sind die HRE (jetzt in Staatsbesitz!) und die Commerzbank zu nennen. Nicht umsonst schoß die Commerzbank-Aktie an dem Tag der Einigung um 9,5% nach oben - die der DB nur um 3,5%. Ackermann war übrigens einer der Ersten, die klar und öffentlich gesagt haben, dass ein Haircut wohl unvermeidlich ist. Er dürfte für entsprechende Risikovorsorge gesorgt haben.
    Aus Sicht der DB ist das eher die Rettung der Konkurrenz - und darüber dürfte der Jubel nur verhalten sein.

    Aber man muss dem deutschen Michel natürlich wieder sein Lieblingsfeindbild als Profiteur servieren. Das wirkt viel reißerischer als z.B. die langweilige Commerzbank - oder die rettung einer Staatsbank durch den Staat.

  • wer griechische Staatsanleihen gekauft hat soll nicht so tun als ob er sich des Risikos nicht bewußt war.
    Die Banken haben den Schaden verursacht und müssten nun unter vernünftigen Gesichtspunkten dafür auch zur Rechenschaft gezogen werden. Denn im Gegensatz zu Politikern sollte es sich um Profis handeln

  • So wie es bis jetzt gelaufen ist, sind die Banken hervorragend weggekommen. Verluste werden größtenteils sozialisiert, sprich trägt die Allgemeinheit. - Wie geht es weiter?

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