Griechenland und der Euro
„Der Sondergipfel am Montag kommt zu spät“

Die Bargeld-Abhebungen in Griechenland haben sich in den vergangenen Tagen beschleunigt, die EZB tagt in einer Not-Konferenz zur Lage der Geldhäuser. Die Lage der griechischen Banken spitzt sich zu.
  • 12

FrankfurtMit Herkules C-130 Militärmaschinen kam vor drei Jahren die begehrte Ware aus Italien und Österreich nach Griechenland: 50- und 100-Euro-Scheine in großen Mengen. Vor den Parlamentswahlen 2012 hatten Griechen in wenigen Tagen 3,5 Milliarden Euro abgehoben und die Scheine in den Automaten wurden knapp. Eine Panik unter Bankkunden, falls die Bargeldversorgung austrocknet, sollte damit verhindert werden.

Die Mission mit der Notversorgung gelang damals, aber es war knapp. Der damalige Chef der griechischen Notenbank, Giorgos Provopoulos, erinnerte sich später. Er habe damals nicht gewusst, „mit welcher Währung er ins Bett gehen“ und „mit welcher er aufwachen“ würde. Jetzt hat Griechenland mit seinem Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ein Déjà-vu. Die Situation ist ernst.

Die Europäische Zentralbank hat für Freitagmittag eine Notfall-Telefonkonferenz beschlossen. Am Donnerstagabend hatte ein per Hörensagen aus der Euro-Finanzministergruppe kolportiertes Zitat die Dramatik der Situation deutlich gemacht. EZB-Direktor Benoit Coeure habe auf die Frage, ob die griechischen Banken am Freitag öffnen könnten, gesagt: „Morgen ja. Montag – ich weiß es nicht.“

Erst am Mittwoch waren die Notfall-Kreditlinien (ELA) für die griechischen Banken um 1,1 Milliarden auf 84,1 Milliarden Euro ausgeweitet. Nur zwei Tage später sollen weitere drei Milliarden Euro nötig sein – darüber beraten die EZB-Offiziellen heute wohl. Ein EZB-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Die Begeisterung zumindest bei einigen Währungshütern, die ELA-Hilfen schon wieder und so deutlich zu erhöhen, hält sich in Grenzen. Kommt es nicht zu einer Erhöhung, könnte das Griechenland dazu zwingen, noch am Wochenende Kapitalverkehrskontrollen einzuführen. Sonst könnte „ein Großteil der griechischen Banken ab Montag nicht mehr auszahlungsfähig sein“, erfuhr das Handelsblatt am Freitagmorgen aus Notenbankenkreisen.

Bei einer europäischen Notenbank heißt es angesichts der zugespitzten Situation: „Der Sondergipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Montag kommt zu spät.“

Seite 1:

„Der Sondergipfel am Montag kommt zu spät“

Seite 2:

Bargeld wird stellenweise schon knapp

Kommentare zu " Griechenland und der Euro: „Der Sondergipfel am Montag kommt zu spät“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist überhaupt kein Problem, 5.000 € ohne Vorankündigung vom Konto abzuheben.

  • >> Wenn die armen lieben Griechen ihr Geld von den Banken abheben, beweisen sie ihren Banken, dass das Vertrauen verschwunden ist. >>

    In den westlichen Lügenmedien stellt man diesen Sachverhalt anders dar :

    hier heißt es : die Griechen plündern die Bankkonten....????!!!!...in dem sie ihr erarbeitetes Geld abheben....????!!!!!!!!

  • Es gibt kein gutmütigeres,aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche.Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden,die Deutschen glauben sie.Um eine Parole,die man ihnen gab,verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.
    Napoleon Bonaparte
    Wußte garnicht,daß Napoleon so ein guter Psychologe war-das Schlimme daran:In den letzten 200 Jahren hat sich an diesem Phänomen anscheinend nichts geändert.Siehe Griechenlandkrise etc.etc.etc.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%