Griechenland und die deutschen Banken
Kann das Griechen-Virus überspringen?

In Athen stehen die Menschen vor den Geldautomaten Schlange. In Deutschland scheint alles zu sein wie immer. Die Banken hierzulande geben sich gelassen. Doch was, wenn die Ansteckungsgefahr größer ist als gedacht?
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FrankfurtBanken funktionieren nur deshalb, weil ihre Kunden darauf vertrauen, dass sie ihre Ersparnisse tatsächlich wiedersehen, wenn sie gebraucht werden. Was geschieht, wenn dieses Vertrauen wegbricht, zeigte sich am Wochenende in Athen: Die Menschen versuchten, ihr Geld am Automaten abzuheben – und brachten die ohnehin schon klammen griechischen Banken noch weiter in Schwierigkeiten.

Manch einer mag sich da fragen, wie gut die deutschen Institute darauf vorbereitet sind, sollte Griechenland den Euro verlassen. „Nur keine Panik“, lautet die Sprachregelung der deutschen Banken. Doch daran kann man zumindest zweifeln. Das zeigt die Reaktion am Aktienmarkt, an dem Deutsche Bank und Commerzbank zu den größten Verlierern zählen. Kein Plan – so die Befürchtung – ist so gut, dass er nicht vom Schicksal durchkreuzt werden könnte.

Die großen Banken indessen sagen, sie seien auf einen Grexit gut vorbereitet, die nötigen Pläne lägen in der Schublade: „Wir haben in den vergangenen beiden Monaten alle Szenarien durchgespielt“, sagte etwa der Topmanager einer europäischen Großbank dem Handelsblatt. Seine Mitarbeiter haben „Trockenläufe“ durchgeführt, um sich gegen die Folgen eines Grexits zu wappnen.

Auch die Deutsche Bank verbreitet Zuversicht. Sie habe „ausreichende Sicherheitsmechanismen, um ihre Geschäftsaktivitäten sowie Kundenservices zu gewährleisten“, heißt es bei Deutschlands größtem Institut. Am Nachmittag melden sich auch die deutschen Privatbanken als Verband zu Wort.

Zwar könnten „die mit Kapitalverkehrskontrollen einhergehenden Beschränkungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr den Handel mit Griechenland kurzfristig beeinträchtigen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer. Doch seien diesmal keine Ansteckungseffekte auf andere Euro-Staaten zu befürchten.

Viele deutsche Banken haben alle Zahlungen über griechische Institute am Montag vorerst gestoppt oder versuchen sie über andere Institute umzuleiten, wie mehrere hochrangige Manager Reuters erklärten. „Die Kunden sind da recht verständnisvoll“, sagte ein Bankvorstand. Überweisungen im Zahlungsverkehr, die normalerweise automatisiert abliefen, würden in dieser Situation „auf Handbetrieb umgestellt“, müssten also in jedem Einzelfall überprüft werden.

So sind die unmittelbaren Effekte einer Griechenland-Pleite also ein Management-Problem: Welche Kunden sind überhaupt betroffen? Wo gibt es Zahlungsströme, die umgeleitet werden müssen? Dass schon hier einiges schiefgehen kann, zeigt ein Fehler aus dem Jahr 2009, die der staatlichen Förderbank KfW bis heute anhaftet. Auf deren Computer war Verlass: Pünktlich am Montagmorgen des 15. September 2009 überwiesen sie rund 300 Millionen Euro in die USA.

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Die Ansteckung: die eigentliche Gefahr?

Kommentare zu " Griechenland und die deutschen Banken: Kann das Griechen-Virus überspringen?"

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  • Ansteckung? Die Deutschen lieben Frau Merkel dafür, daß Sie alles unternimmt um Deutschland zu vernichten! Nur ein paar Beispiele: Energiekosten, Infrastruktur und unsere Zukunft: Kinder und Erzieher!!!!

  • Sie sprechen mir aus der Seele

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

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