Griechenland-Wahl
Europas Banken bereiten sich auf den Ernstfall vor

Die Vorstände in Griechenland sind nervös. Sie bereiten sich auf alle Eventualitäten vor. So können auch bereits Computersysteme im Drachmen-Modus laufen.
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An der Börse in Athen dominierte gestern der Optimismus. Der Leitindex ASE stieg um gut zehn Prozent, weil Anleger einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone nach den Wahlen an diesem Sonntag wieder als wahrscheinlicher annahmen. Mit ihnen hoffen Banker und Versicherer, Notenbanker und Fondsverwalter. "Wir halten die Wahrscheinlichkeit eines Exits von Griechenland für sehr, sehr gering", sagte der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause. "Natürlich haben wir uns aber auch überlegt: Was müssten wir in den ersten Stunden machen, wenn es anders kommt." Denn so ganz sicher ist sich auch niemand.

Und so haben sich Banken, Versicherer oder Fondsanbieter in Frankfurt, London und Paris auf den Notfall vorbereitet - so gut dies bei allen Unsicherheiten über die Folgen eines solchen Austritts eben geht. Der Unternehmensberater BCG hat einen 100-Punkte-Plan aufgestellt, mit dem er Großbanken bei einer Wiedereinführung der griechischen Drachme krisenfest machen will. Auf 50 Seiten wird der Schwerpunkt bei der IT gelegt, der Informationstechnologie der Banken, wo es bei einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone viele Anpassungen gäbe.

Krause sagte, man könne etwa durchspielen, was es technisch bedeutet, wenn Griechenland Kapitalverkehrskontrollen einführt. Ein Frankfurter Institut ergänzt unter der Hand, selbst für die Aussetzung des Euro-Zahlungssystems Target für einen halben Tag oder Ähnliches müssten die Institute Notfallpläne erarbeitet haben. "Aber letztlich", so Krause, "wissen wir nicht, wie die Dominosteine bei einem Exit fallen würden, ein kontrollierter Prozess wäre sicher einfacher."

Der Vorstand der Hypo-Vereinsbank hat sich für Sonntag zu einer Telefonkonferenz verabredet, um schnell reagieren zu können. Als damals die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, überwies die deutsche Förderbank KfW dennoch 320 Millionen Euro an das Institut. So etwas will jedes Institut im Fall eines Euro-Austritts Griechenlands verhindern.

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Beziehungen sind gekappt

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Schweizer Banken zurückhaltend

Kommentare zu " Griechenland-Wahl: Europas Banken bereiten sich auf den Ernstfall vor"

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  • Wetten, wie die Wahl am 17.06. in Griechenland ausgehen wird:
    Sie werden so wählen und sich mit viel Getöse zusammenraufen,
    drohen, auf die Tränendrüse drücken und schauspielern, was das Zeug hält.....Und dann gibt es mal wieder Nachverhandlungen mit der Troika.....Und dann werden wir --dank der unschlagbaren Unfähigkeit unserer politischen Führer-- wieder zahlen....
    Die sägen sich bei allem Rumgewürge doch nicht den Ast ab, auf dem sie sitzen.

  • @ DoktorDip

    sorry, aber die Griechen haben doch nicht soviel Schulden weil sie alles verfressen haben sondern weil sie zB Deutschland auf DRuck der Waffenlobby U-Boote für ein paar Milliarden abkaufen müssen ...

  • ...die wirkliche spannende Frage unserer Zeit lautet:

    $$$$$$$$$$$$$$ WO IST DAS GELD? $$$$$$$$$$$$$$$$$$

    Den weltweit völlig astronomischen Kapital-Schulden stehen spiegelbildlich völlig astronomische Forderungen gegenüber.

    Fast alle Staaten sind überschuldet, die Länder, die Kommunen, die Haushalte, die Unternehmen haben EK-Quoten im einstelligen Bereich - WER also hat die ganzen Kapitalforderungen?

    Hier vielleicht eine gute Erklärung:

    http://www.wissensmanufaktur.net/city-of-london

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