Griechische Banken
Es geht an die Substanz

Der Schuldenschnitt stellt die griechischen Banken vor existenzielle Probleme. Denn die notwendigen Abschreibungen zehren am Eigenkapital - im Extremfall droht der gesamten Branche die Verstaatlichung.

AthenOb es in Griechenland nun wirklich zum großen Schuldenschnitt kommt, ist nach der Ankündigung einer Volksabstimmung unsicherer denn je. Fest steht jedoch: Den griechischen Banken verursacht der Hair-Cut existenzielle Probleme. Aus eigener Kraft können sie die Verluste nicht ausgleichen. Im Extremfall droht der gesamten Branche die Verstaatlichung. Wenn das griechische Volk nicht noch gegen die Beschlüsse stimmt.

Die Athener Kreditinstitute halten nach Analystenschätzungen griechische Staatsanleihen im Nennwert von rund 45 Milliarden Euro. Das entspricht immerhin dem 1,7-Fachen des Eigenkapitals der Branche. Schon das zeigt: Die griechischen Banken können die Folgen eines 50-prozentigen Hair-Cuts nicht einfach wegstecken. Die Abschreibungen, die der Schuldenschnitt erfordert, gehen an die Substanz. Die griechischen Banken haben wegen der Schuldenkrise in den vergangenen sechs Monaten bereits bis zu 85 Prozent ihres Börsenwerts verloren. Dass die Institute das benötigte Kapital unter den gegenwärtigen Bedingungen am Markt aufnehmen können, ist also ausgeschlossen.

Zumal in den Kreditbüchern weitere Risiken lauern, die zusätzliche Abschreibungen in Milliardenhöhe erforderlich machen dürften: Rezession, schrumpfende Einkommen und steigende Arbeitslosenzahlen führen dazu, dass immer mehr griechische Unternehmen und Privathaushalte ihre Darlehen nicht mehr bedienen können. Nach Schätzungen aus Bankenkreisen liegt die Quote der notleidenden Kredite bereits bei rund zwölf Prozent. Das entspräche einem Darlehensvolumen von rund 30 Milliarden Euro. Davon ist bisher nur ein Teil durch Rückstellungen gedeckt. Die Ratingagentur Moody's beziffert den zusätzlichen Abschreibungsbedarf auf 17 Milliarden Euro. Der Finanzdienstleister Black Rock durchforstet gegenwärtig im Auftrag der griechischen Zentralbank die Kreditbücher der Geschäftsbanken, um die tatsächlichen Risiken zu ermitteln.

Nach Berechnungen von Merrill Lynch Global Research beläuft sich der Rekapitalisierungsbedarf der vier größten griechischen Banken infolge des Schuldenschnitts auf 11,1 Milliarden Euro. Davon entfallen auf das bisher größte griechische Kreditinstitut, die National Bank of Greece (NBG), knapp 3,8 Milliarden Euro - mehr als das Doppelte des aktuellen Börsenwerts von 1,83 Milliarden. Auf die Nummer zwei und drei der Branche, die Eurobank EFG und die Alpha Bank, deren Aktionäre diesen Monat die im August ausgehandelte Fusion billigen sollen, kommt ein Bedarf von zusammen 4,5 Milliarden Euro zu. Am prekärsten ist die Situation des Branchenvierten, der Piraeus Bank, die 2,8 Milliarden Euro benötigt - dem steht eine Marktkapitalisierung von nur 285 Millionen Euro gegenüber.

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