Größte Landesbank
Neuausrichtung macht LBBW zu schaffen

Den Wandel hin zur reinen Kundenbank will die LBBW schnell vollziehen. Das hinterlässt Spuren im Ergebnis, die Zinsüberschüsse brechen ein. Im Gesamtjahr will die Landesbank beim Ergebnis jedoch zulegen.
  • 2

StuttgartDer Umbau der LBBW hinterlässt weiter deutlich sichtbare Spuren in der Bilanz der größten deutschen Landesbank. Die Neuausrichtung weg von riskanten Geschäften an den Finanzmärkten und hin zur reinen Kundenbank drückt merklich auf die Ergebnisse, wie die LBBW am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. „Dadurch sind wir weniger anfällig für Schwankungen an den Kapitalmärkten“, sagte der Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter.

Demnach brach vor allem das Zinsergebnis im Neunmonatszeitraum um 10,2 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro ein. Im dritten Quartal waren es nur 345 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern sei in den ersten neun Monaten des Jahres um ein Viertel auf 307 Millionen Euro geschrumpft. Grund dafür waren vor allem 153 Millionen Euro an Rückstellungen für faule Kredite. Beim Gewinn blieben wegen einer drastisch gesunkenen Steuerquote unter dem Strich im Neunmonatszeitraum 281 Millionen Euro (plus 15 Prozent).

Die LBBW muss nach Vorgaben der EU schrumpfen. Nach neun Monaten erreichte die Landesbank eine Bilanzsumme von 368,8 Milliarden Euro. Das sind 1,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig schrumpften die Risikopositionen nach Firmenangaben um 7,7 Prozent auf 99,4 Milliarden Euro. Vor allem das Geschäft mit Unternehmenskunden fuhr das Institut deutlich zurück. Das Vorsteuerergebnis in dem Bereich sank von 1,12 Milliarden Euro auf 565 Millionen Euro.

Trotz der Abkühlung der Konjunktur soll der Nettogewinn auch zum Jahresende über dem Vorjahreswert von 87 Millionen Euro liegen. „Die LBBW sieht die Chance, dass sich die Lage an den Kapitalmärkten allmählich stabilisiert, und geht davon aus, dass die Realwirtschaft in Deutschland in diesem Jahr moderat wächst“, hieß es.

Damit könnten auch die Hybridkapitalgeber der LBBW hoffen, einen Teil der in den Vorjahren ausgefallenen Zinszahlungen auf ihre Stillen Einlagen und Genussrechte nachgezahlt zu bekommen, wie die Bank mitteilte.

Die Bank sieht sich mit ihrer Restrukturierung im Plan und erwartet, den Umbau bis Jahresende weitgehend abgeschlossen zu haben. Dazu trennte sie sich von weiteren Beteiligungen, unter anderem an der Wüstenrot & Württembergische AG. Bis Jahresende soll auch der geplante Abbau von 2300 Stellen abgeschlossen sein. Ende September arbeiteten mit 11.587 Mitarbeitern 644 Menschen weniger für die Landesbank als zum Jahresanfang 2012.

Die LBBW war in der Finanzkrise 2009 mit einer Kapitalspritze der Gesellschafter - Land, Stadt Stuttgart und Sparkassen - in Höhe von fünf Milliarden Euro gerettet worden. Die EU genehmigte die Hilfen unter der Bedingung, dass die Landesbank erheblich verkleinert wird.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Größte Landesbank: Neuausrichtung macht LBBW zu schaffen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Auch diese Landesbank hat KEIN belastbares Geschäftsmodell. Erinnern wir uns, das Landesbanken die Sparkassen bei den Geschäften unterstützen sollten, für die diese zu klein waren. Nun wachsen aber die Sparkassen und können daher immer mehr Geschäfte selber machen. Somit wird der Bedarf an Landesbanken immer kleiner - und dies ist ein langfristiger Trend!

    Daher müssen sich alle Landesbanken fragen: Wer braucht mich noch wofür?

  • "Vor allem das Geschäft mit Unternehmenskunden fuhr das Institut deutlich zurück"

    Steht dies nicht in Gegensatz zu der ursprünglichen Aufgabe dieses Institutes?

    "Die LBBW war in der Finanzkrise 2009 mit einer Kapitalspritze der Gesellschafter - Land, Stadt Stuttgart und Sparkassen - in Höhe von fünf Milliarden Euro gerettet worden."

    Wozu, wenn das Institut nicht beabsichtigt vorrangig der inländischen Wirtschaft zu dienen?

    Wie dann dieser Satz dazu passt ist mir nicht nachvollziehbar: "..Neuausrichtung weg von riskanten Geschäften an den Finanzmärkten und hin zur reinen Kundenbank drückt merklich auf die Ergebnisse..."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%