Großbank Lloyds
Großbritannien will 2016 komplett aussteigen

Die britische Regierung will 2016 ihre Beteiligung an der Großbank Lloyds komplett an Privatanleger verkaufen. Es wäre die größte Privatisierung auf der Insel seit den 1980er-Jahren.

LondonRund acht Jahre nach der Rettung der Großbank Lloyds will sich die britische Regierung ganz aus dem Geldhaus zurückziehen. Der Staat, der noch knapp zwölf Prozent an dem Institut hält, will dabei im Frühjahr 2016 Aktien im Wert von mindestens zwei Milliarden Pfund (rund 2,7 Milliarden Euro) an Privatanleger verkaufen, wie das Finanzministerium in London am Montag mitteilte. Es wäre damit die größte Privatisierung auf der Insel seit den 1980er-Jahren, als Premierministerin Margaret Thatcher Aktien der britischen Telekom und der heimischen Gasgesellschaft für zusammen 9,5 Milliarden Pfund losschlug.

Damals wie heute verfolgt die Regierung das Ziel, Privatanleger zu einem Engagement am Aktienmarkt zu bewegen. "Bei dem Verkauf handelt es sich um die größte Privatisierung seit über 20 Jahren und ich will nicht, dass die Aktien an die großen Kreditinstitute der Londoner City gehen", sagte Finanzminister George Osborne dem TV-Sender Sky News. "Ich will, dass sie an die breite Öffentlichkeit gehen." Privatanleger bekommen deshalb einen Rabatt von fünf Prozent auf den Marktpreis, wenn sie Lloyds-Aktien kaufen. Wenn sie länger als ein Jahr an Bord bleiben, erhalten sie für je zehn Lloyds-Papiere eine Bonus-Aktie. Investoren, die Papiere für weniger als 1000 Pfund ordern, werden bei der Vergabe der Aktien bevorzugt behandelt. Laut Händlern sind Lloyds-Anteilsscheine für private Investoren interessant, weil in den kommenden Jahren eine steigende Dividende zu erwarten ist. Am Montag legte der Kurs rund ein Prozent zu.

Die britische Regierung hat das Geldhaus in der Finanzkrise 2008 aufgefangen und gut 20 Milliarden Pfund (rund 28 Milliarden Euro) an Steuermitteln in die Bank gepumpt. Im Gegenzug erhielt sie einen Anteil von 43 Prozent an Lloyds. Rund drei Viertel des Geldes hat der Staat seit September 2013 durch den Verkauf von Papieren an institutionelle Investoren wieder reingeholt. Finanzminister Osborne treibt den Ausstieg bei Lloyds schon seit einiger Zeit voran. Mit den Einnahmen will er die Staatsschulden drücken.

Lloyds hat seinen Gewinn im vergangenen Jahr auf 7,8 Milliarden Pfund (rund 10,6 Milliarden Euro) ausgebaut und daraufhin erstmals seit der Finanzkrise wieder eine Dividende bezahlt. Das Institut kommt damit deutlich besser voran als die ebenfalls vom Staat gerettete Royal Bank of Scotland (RBS). Hier verkaufte Großbritannien im Sommer ein erstes Aktienpaket mit Verlust und reduzierte seinen Anteil an dem Institut damit auf 72,9 Prozent.

Die Regierung will private Investoren Insidern zufolge auch deshalb für Lloyds-Aktien begeistern, damit diese später bei einem Verkauf von RBS-Papieren ebenfalls zugreifen. Viele Briten halten den Staatsausstieg bei Lloyds zudem für ein Symbol für die Erholung des Landes von der Finanzkrise. Einige Lloyds-Großaktionäre kritisieren dagegen, Osborne gehe mit seinem Vorgehen unnötige Risiken ein. "Das Angebot an Privatinvestoren voranzutreiben ist eine politische Entscheidung", sagte Analyst Ian Gordon vom Vermögensverwalter Investec.

In Deutschland verläuft der Rückzug aus geretteten Finanzinstituten schleppend. An der Commerzbank hält der Staat nach wie vor rund 17 Prozent. Ein rascher Ausstieg ist nicht zu erwarten, wie Commerzbank-Chef Martin Blessing Anfang des Jahres betonte. Bei der Rettung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate wird der Steuerzahler - trotz des Börsengangs des Nachfolgeinstituts Pfandbriefbank in diesen Sommer - vermutlich auf einem Milliardenverlust sitzen bleiben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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