Großbank
Noch eine Affäre bei Barclays

Nicht nur die Libor-Affäre hält die Großbank Barclays momentan in Atem. Nun ermittelt die britische Finanzaufsicht auch noch gegen den Finanzvorstand wegen Ungereimtheiten bei der Kapitalerhöhung.
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LondonVier Top-Manager hat die Großbank Barclays durch eine Skandalserie bereits verloren. Jetzt ermittelt die britische Aufsicht FSA auch noch gegen Finanzvorstand Chris Lucas.

Dieses Mal geht es aber nicht um die Manipulation des globalen Referenzzinses Libor, sondern um eine Kapitalerhöhung, die 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise dringend benötigte frische Mittel in die Kassen der Bank spülte. Die FSA untersucht, ob Barclays dabei die an die Investoren aus dem Nahen Osten gezahlten Gebühren von 300 Millionen Pfund korrekt veröffentlich hat.

Viele Großanleger vor allem aus Großbritannien waren damals über die Kapitalerhöhung erbost. Barclays hatte dem Staatsfonds von Katar und Scheich Mansour von Abu Dhabi eine Beteiligung von bis zu 32 Prozent angeboten, ohne dass sich die Altaktionäre zu gleichen Konditionen hätten beteiligen können.

Aber auch die Libor-Affäre hält Barclays weiterhin in Atem. Bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen räumte der eigentlich bereits zurückgetretene Chairman Marcus Agius ein, dass in den USA neue Sammelklagen gegen die Bank eingegangen sind.

Barclays steht im Mittelpunkt des globalen Liborskandals. 14 Händler der Bank sollen das Marktbarometer über Jahre hinweg manipuliert haben. Barclays hatte sich als erste von einem Dutzend verdächtiger Banken mit den Behörden auf einen Rekordvergleich von 290 Millionen Pfund geeinigt. Die Affäre löste in Großbritannien einen politischen Sturm aus, der nicht nur Agius, sondern auch Vorstandschef Bob Diamond aus dem Amt fegte. Außerdem mussten Chief Operating Officer Jerry del Missier und Aufsichtsrätin Alison Carnwath ihre Posten aufgeben. Agius führt Barclays jetzt so lange, bis zumindest ein neuer Chairman gefunden ist.

Den Geschäften der Bank scheinen die diversen Affären bislang aber keinen besonderen Abbruch zu tun. In den ersten sechs Monaten 2012 erwirtschaftete die Bank einen bereinigten Vorsteuergewinn von 4,2 Milliarden Pfund, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Analysten hatten lediglich mit 3,8 Milliarden Pfund gerechnet. Im Investmentbanking, dem Bereich, der für die Zins-Manipulationen verantwortlich war, stieg das Ergebnis von 2,4 auf 2,6 Milliarden Pfund und der zuständige Vorstand Rich Ricci betonte, dass die Kunden der Bank trotz des Skandals die Treue hielten. Im Gegenteil: Barclays nehme der Konkurrenz sogar Marktanteile ab.

Am Freitag stiegen die Aktien des Geldhauses um 7,5 Prozent und machten damit zumindest einen Teil der seit dem Liborskandal aufgelaufenen Verluste wieder wett.

Unbereinigt lag der Vorsteuergewinn von Barclays im ersten Halbjahr allerdings nur bei 759 Millionen Pfund. Dafür waren zwar mit 2,95 Milliarden Pfund vor allem Effekte aus der Neubewertung der eigenen Schulden verantwortlich. Aber die Bank musste auch 450 Millionen Pfund für einen weiteren Skandal zurücklegen. Wie andere britische Großbanken auch, soll Barclays seine Privatkunden beim Verkauf von sogenannten Restschuldversicherungen jahrelang systematisch falsch beraten haben.

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