Großbank weist Verlust in Milliardenhöhe aus und baut Stellen ab – S & P überprüft die Bonität: HVB-Chef Rampl sucht bis zuletzt nach guten Nachrichten

Großbank weist Verlust in Milliardenhöhe aus und baut Stellen ab – S & P überprüft die Bonität
HVB-Chef Rampl sucht bis zuletzt nach guten Nachrichten

Harte Zeiten für den Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB): Wenn Dieter Rampl an diesem Donnerstag seine Bilanz für 2004 präsentiert, hat er nicht viele gute Nachrichten im Gepäck. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wird die Münchener Großbank wegen hoher Sonderwertberichtigungen einen Milliardenverlust ausweisen.

cbu MÜNCHEN. Analysten rechnen mit einem Minus von deutlich über zwei Mrd. Euro. Dazu wird Rampl Einzelheiten zu seinem Sparprogramm und den Abbau von rund 2 000 Stellen verkünden. und nicht zuletzt überprüft die Ratingagentur Standard & Poor’s (S & P) die Bonität der Großbank.

„Der Markt erwartet das Schlimmste“, sagen die Experten von Merrill Lynch, die die HVB-Aktie trotzdem weiter auf „kaufen“ setzen. Die Bilanzpräsentation könnte zu einem großen Glaubwürdigkeitstest für die Bank werden, schreibt Analyst Stuart Graham in seiner jüngsten Studie. Rampl müsste die Hintergründe der Immobilienbereinigung erklären und gleichzeitig klar machen, woher künftig die Erträge kommen sollen. Manche Beobachter fürchten, dass das Großreinemachen bei der HVB noch nicht zu Ende ist und weitere Abschreibungen drohen. Rampl selbst hatte mehrmals betont, dass nunmehr alle Probleme bereinigt sind.

Im Januar hatte der 57-jährige überraschend bekannt gegeben, dass Problemkredite über 15 Mrd. Euro aus dem Immobiliengeschäft ausgegliedert und mittelfristig abgestoßen werden. Dafür wurden Wertberichtigungen von 2,5 Mrd. Euro gebildet. Dazu kommen 250 Mill. Euro für das Sparprogramm. Zum dritten Mal in Folge wird die Großbank damit einen hohen Verlust ausweisen müssen, die Dividende fällt erneut aus. Dabei dürfte das vierte Quartal 2004 nach Angaben aus Bankkreisen wie bei den anderen Großbanken gar nicht so schlecht gelaufen sein.

Insgesamt wird mit einem operativen Ergebnis für 2004 gerechnet, das zwischen 1,3 und 1,4 Mrd. Euro liegen soll. Noch im Herbst hatte Rampl wegen des negativen Trends seine ursprüngliche Planung kassiert. Danach wollte er 2004 ein operatives Ergebnis zwischen 1,4 und 1,7 Mrd. Euro erreichen. Verwirrung gibt es derzeit auch über die Kernkapitalquote – ein wichtiger Indikator für die Kapitalausstattung. Die HVB selbst hatte im Januar mitgeteilt, sie liege nach den milliardenschweren Wertberichtigungen bei etwa sechs Prozent. Merrill Lynch hat aber etwa 6,3 Prozent errechnet. In Bankkreisen ist inzwischen von „gut sechs Prozent“ die Rede. Die Kapitalausstattung ist eine wichtige Größe für die Bonitätseinstufung der Ratingagenturen. Derzeit ist die HVB bei S & P mit „A-“ geratet.

Eine Abstufung würde die Bank in den B-Liga führen, was zu höheren Refinanzierungskosten führt. Die HVB teilte dazu mit, die angegriffene Kapitalbasis würde aus eigener Kraft durch Gewinnthesaurierung wieder aufgefüllt. Rampl hatte für 2005 eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent versprochen, das wäre ein Gewinn von mindestens einer Mrd. Euro. Eine Kapitalerhöhung schließt Rampl bisher kategorisch aus. Auch zu einem weiteren Verkauf von Aktien der Wiener Konzerntochter Bank Austria soll es nicht kommen.

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