Großbanken: 500-Milliarden-Lücke bei Basel III

Großbanken
500-Milliarden-Lücke bei Basel III

Den größten Banken der Welt fehlen insgesamt rund 500 Milliarden Euro, um die kommenden strengeren Kapitalvorschriften Basel III zu erfüllen. Schon ab 2013 müssen die Banken reagieren.
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LondonDie größten Banken weltweit müssen sich noch erheblich strecken, um die neuen Kapitalvorschriften Basel III zu erfüllen. Hätten die Regeln bereits Mitte vergangenen Jahres gegolten, hätte den Instituten 486 Milliarden Euro gefehlt, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Auswirkungsstudie des Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht. Dabei unterstellten die Finanzaufseher eine harte Kernkapitalquote von sieben Prozent, wie sie ab 2019 als Minimum vorgeschrieben ist. Basel III wird ab nächstem Jahr schrittweise eingeführt. Bereits ab 2013 müssen die Institute deutlich mehr hartes Kernkapital vorhalten als bislang. Zudem wird die Definition des akzeptierten Kapitals verschärft. Im Prinzip zählen künftig nur noch echtes Stammkapital und Gewinnrücklagen dazu.

Die 103 größten Banken hatten nach den Berechnungen des Baseler Ausschusses Mitte 2011 im Schnitt eine Quote von 7,1 Prozent. Bei einigen läge diese nach den neuen Regeln aber unter 4,5 Prozent. Sie benötigten demnach knapp 40 Milliarden Euro, um auf das Minimum zu kommen. Zum Vergleich: Die Banken verdienten nach den Daten des Ausschusses in den zwölf Monaten bis Ende Juni vergangenen Jahres zusammen 357 Milliarden Euro.

Mit dem neuen Regelwerk wollen die Aufseher die Kapitaldecke der Institute stärken, damit sie bei künftigen Krisen weniger leicht umfallen. Zudem werden die Liquiditätsvorgaben verschärft, weil viele Banken in den vergangenen Jahren in Refinanzierungsnöte geraten sind.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Dr.NorbertLeineweber
    So können Sie das nicht sehen.

    Wenn Sie behaupten, dass Basel III von Leuten erdacht wurde, die nie etwas mit dem Handel von Risiken zu tun hatten, dann stimme ich Ihnen zu. Wenn das so ist, dann durften wir nicht mehr erwarten.

    Basel III ist so konzipiert wie eine Drehtür als Notfalltür. Alles oK und kein Problem, wenn niemand durchgeht. Wenn wenige durch diese Notfalltür müssen, dann ist es auch kein Problem. Wenn plötzlich alle oder sehr viele durch müssen, dann ist das so als würden sie in einen Ventilator greifen. Wenn Sie durch den Ventilator durchgegriffen haben, können Sie Ihre Finger in Einzelteilen dahinter wieder einsammeln.

    Sind wir uns einig, dass die größten Terminmärkte mit den höchsten Risiken in Chicago beheimatet sind. Haben Sie von dort schon einmal Hiobsnachrichten gehört. Ich jedenfalls nicht.

    Weshalb nicht? Weil dort ein ganz anderer Risikomangementansatz gefahren wird, weil dort Profis am Werk sind, keine Politiker reinreden und niemand Kredit hat. Dort ist eine sogenannte Margin zu halten und wenn diese die Risiken für den laufenden und den nachfolgenden Tag nicht abdeckt, dann ist der Kontrakt definitiv zu.

    Wenn wir heute im Bankensystem Probleme haben, dann vergleichen Sie einmal die Marktorganisationen miteinander. Dann sehen Sie, dass so ziemlich alles falsch gemacht wird, was man falsch machen kann. Solange sich das nicht ändert, braucht man sich auch keine Hoffnung zu machen, dass es besser werden könnte.

    Das ist so, als wenn man glauben würde, dass das Geld aus dem ESM das Problem lösen würde, dass aufgrund von handwerklichen Fehlern entstanden ist.

  • Und schon haben wir die Ursache der Banken- und Wirtschaftskrise. Ein Billionenrad drehen, ohne auch nur ansatzweise über hinreichend Eigenkapital zu verfügen. Es hätte Basel III schon vor 15 Jahren geben sollen, dazu schärfere Bilanzierungsregeln, das Verbot von Zweckgesellschaften und die Hinterlegung von Eigenkapital für die Beteiligung an Hedge-Fonds (vgl. LTCM). Dazu eine satte Eigenkapitalmargin für Termingeschäfte.
    Leider hat sie die Bankenlobby durchgesetzt und hat die Weltwirtschaft um 10 Jahre zurückgeworfen. Mindestens.

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