Großbritannien Britische Banken fürchten Daumenschrauben

Die britische Finanzbranche sieht in den Plänen zur Verschärfung der Finanzaufsicht einen Wettbewerbsnachteil. Die Institute reagieren damit auf die Vorschläge von Adair Turner, dem Chairman der Finanzaufsichtsbehörde. Turner hatte seine Vorschläge selbst als Revolution des britischen Aufsichtswesens bezeichnet.
Adair Turner plädiert für wesentlich strengere Vorschriften zur Kapitalausstattung der Banken und eine gründliche Überwachung der Strategie der Geldhäuser. Quelle: ap

Adair Turner plädiert für wesentlich strengere Vorschriften zur Kapitalausstattung der Banken und eine gründliche Überwachung der Strategie der Geldhäuser.

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LONDON. Die britischen Banken sorgen sich um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die Pläne der Finanzaufsichtsbehörde FSA für eine Reform der Bankenregulierung drohten London ins Hintertreffen gegenüber anderen Finanzzentren geraten zu lassen, warnte der Britische Bankenverband (BBA) in einem gestern veröffentlichten Brief an den FSA-Vorstandschef Hector Sants. Die Folgen der verschiedenen neuen Auflagen für Banken müssten dringend im Zusammenhang geprüft werden, forderte er.

Mit dem Brief und einer detaillierten Stellungnahme reagierte der BBA auf den im März veröffentlichten Bericht, in dem der FSA-Chairman Adair Turner eine Reform der Regulierung der Finanzbranche umrissen hatte. Die Frist, bis zu der Betroffene Stellungnahmen zu Turners Vorschlägen einreichen konnten, endet am Freitag. Eine Sprecherin der FSA wollte nicht sagen, wie viele Erwiderungen eingegangen sind und welche Stoßrichtung sie hatten. Im Laufe des Jahres werde die Behörde auf die Einwände antworten.

Der Bankenverband bringt in seinem Brief eine Reihe recht grundsätzlicher Einwände hervor. Er kritisiert Turners Entschlossenheit, die Reform in Großbritannien voranzutreiben, ohne auf internationale Regulierungsvorhaben zu warten. Das könne ernsthafte Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit des britischen Finanzsektors haben, schreibt der BBA.

Turner habe auch die Folgen verschärfter Kapitalanforderungen auf die Realwirtschaft nicht genügend berücksichtigt, heißt es weiter. Wenn er die Banken zwinge, ihre Geschäfte in verschiedenen Bereichen mit mehr Kapital zu unterlegen, so werde das unweigerlich dazu führen, dass sie weniger Kredite an Haushalte und Unternehmen vergäben. "Wir sind uns nicht sicher, ob er hier die richtige Balance gefunden hat", klagen die Banken mit britischer Zurückhaltung. "Die breiteren sozialen Auswirkungen solcher Entscheidungen müssen berücksichtigt werden." Die Regierung habe gewollt, dass mehr Briten Eigenheime besäßen, also dürfe sie jetzt nicht überreagieren, wenn britische Banken in der Krise höhere Verluste aus Immobilienkrediten hätten als Banken in anderen Ländern.

Turner hat seinen Bericht nicht zu Unrecht als Revolution des britischen Aufsichtswesens angekündigt. Er plädiert für wesentlich strengere Vorschriften zur Kapitalausstattung der Banken und eine gründliche Überwachung der Strategie der Geldhäuser. Turner will den Banken Obergrenzen für die Aufnahme von Schulden setzen und sie zwingen, in wirtschaftlich guten Zeiten finanzielle Puffer aufzubauen. Auch die Vergütungssysteme der Banker will er reformieren. Große Hedge-Fonds will er erstmals einbeziehen. Für den Finanzstandort London markiert der Bericht eine Kehrtwende von einer laxen zu einer besonders scharfen Regulierung.

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