Großbritannien
Ex-Händler der Deutschen Bank vor Rekordstrafe

Die britische Finanzaufsicht steht offenbar kurz davor, die bislang höchste Strafe gegen eine Einzelperson zu verhängen. Im Visier der Regulierungsbehörde ist ein ehemaliger Mitarbeiter des größten deutschen Geldhauses.
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Die britische Finanzmarktbehörde FCA will gegen den ehemaligen Händler der Deutschen Bank, Christian Bittar, eine Strafe in Höhe von 10 Millionen Pfund (12,3 Millionen Euro) verhängen. Grund: Die versuchte Manipulation von Zinssätzen. Es wäre die höchste Strafe gegen eine Einzelperson, so eine mit dem Vorgang betraute Person zur Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die FCA informierte Bittar in den vergangenen Wochen über die Absicht, ihn für die versuchte Manipulation des Euro-Interbanken-Zinssatzes zu bestrafen, so die Person weiter. Die Entscheidung würde die bislang größte Strafe in Höhe von sieben Millionen Euro gegen einen in Dubai ansässigen Investor in den Schatten stellen, der an der Londoner Börse Kurse manipuliert hatte. Die FCA hatte mitgeteilt, dass sie mindestens sieben weitere nicht näher genannte Händler zu Strafen verdonnern wolle, die ebenfalls versucht hatten den Libor oder ähnliche Zinssätze zu manipulieren. Auf mindestens zwei von ihnen könnte eine Strafe in Höhe von mehr als einer Million Pfund hinzukommen.

Die vorgeschlagene Strafe „spricht Bände über den Willen der Aufsicht, sich auf eine wirksame Abschreckung zu konzentrieren“, so Simon Hart, ein Anwalt der Kanzlei RPC in London, der nicht in den Fall involviert ist. Die FCA habe „den lang gehegten Wunsch, mehr auf erfahrene Manager in regulierten Firmen zu zielen.“

Bittar darf gegen die geplante Strafe vor einem internen Beratungsgremium der FCA Widerspruch einlegen (Regulatory Decisions Committee), das aus Branchenvertretern wie Anwälten und Buchprüfern besteht. Im Falle einer Niederlage könnte er vor Gericht ziehen. Bittar, der in Singapur für den Hedgefonds Bluecrest Capital Management arbeitet, lehnte eine Stellungnahme ab.

Bittar war einer der bestbezahlten Händler der Deutschen Bank, bevor er im Dezember 2011 verlassen musste. Der Bank zufolge hatte er mit einem Kollegen bei Barclays zusammengearbeitet, um Zinssätze zu manipulieren. Dadurch sollte der Wert eigener Trades erhöht werden, hieß es dazu im vergangenen Jahr. Nach dem Rauswurf verlor Bittar demnach den Anspruch auf einen Bonus in Höhe von etwa 40 Millionen Euro.

Etliche Großbanken wie die Deutsche Bank und Barclays haben in den vergangenen zwei Jahren mehr als sechs Milliarden Dollar an Strafe zahlen müssen wegen Manipulationen des Euribor und ähnlicher Zinssätze.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Das klingt für mich alles so, als wenn das nur so ein Bauernopfer wäre. Die wahren Drahtzieher die so etwas überhaupt möglich machen, sind das sicherlich nicht.

    VG
    Marvel

  • Was bringen 6 Milliarden Strafen, wenn die Banken mit der anderen Hand zinslose Billionen von der EZB kassieren, die sie nie werden zurückzahlen müssen und mit denen sie straflos auf überhitzten Märkten spekulieren?

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