Großbritannien Lloyds kämpft mit einer Vertrauenskrise

Das Management der quasi verstaatlichten Lloyds Banking Group kämpft um das Vertrauen der Investoren. Viele Altaktionäre sind erärgert über die Staatsbeteiligung an der Bankengruppe. Lloyds ist nach der Royal Bank of Scotland die zweite britische Großbank, die mehrheitlich in der Hand des Staates ist.
Die Stimmung zwischen Management und Großaktionären bei Lloyds ist vergiftet. Quelle: ap

Die Stimmung zwischen Management und Großaktionären bei Lloyds ist vergiftet.

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LONDON. Das Management der quasi verstaatlichten Lloyds Banking Group kämpft um das Vertrauen der Investoren. Nachdem die Bank in zähen Verhandlungen eine Einigung über einen staatlichen Schutzschirm mit der britischen Regierung erzielt hat, fiel die Aktie gestern zeitweise um bis zu 14 Prozent, erholte sich im weiteren Handelsverlauf aber wieder.

Am vergangenen Samstag hatte sich Lloyds mit der Regierung auf die Aufstockung der Staatsbeteiligung von derzeit rund 43 Prozent auf bis zu 77 Prozent verständigt. Viele Altaktionäre reagierten mit Empörung auf die Einigung, denn durch die Aufstockung wird ihr Anteil verwässert, außerdem gerät die Bank unter die vollständige Kontrolle des Staates.

Im Gegenzug für die neuen Anteile wird die Regierung riskante Vermögenswerte in Höhe von 260 Mrd. Pfund gegen Ausfälle versichern. Lloyds ist nach der Royal Bank of Scotland die zweite britische Großbank, die mehrheitlich in der Hand des Staates ist. Die Regierung kontrolliert außerdem die Baufinanzierer Northern Rock und Bradford & Bingley.

Lloyds TSB ist vor allem durch die von Premierminister Gordon Brown arrangierte Übernahme der Hypothekenbank HBOS in den Sog der Finanzkrise geraten. Im September 2008 hatte die Regierung Lloyds gedrängt, den angeschlagenen Baufinanzierer zu übernehmen, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Lloyds-Vorstandschef Eric Daniels hat inzwischen eingeräumt, er hätte lieber mehr Zeit für eine gründliche Prüfung der HBOS-Bücher gehabt. Für 2008 musste der Baufinanzierer vor kurzem einen Verlust vorSteuern von 7,5 Mrd. Pfund melden. Die Übernahme hatte Lloyds 7,7 Mrd. Pfund gekostet.

Gestern trafen sich Vorstandschef Daniels und Lloyds-Chairman Victor Blank mit Großaktionären, um die Vertrauenskrise, in die die Bank gerutscht ist, beizulegen. Doch die Stimmung scheint vergiftet. Der Aktionärsverband UKSA und einige Großinvestoren haben bereits den Rücktritt des Lloyds-Managements gefordert. Besonders Chairman Blank steht unter Druck, weil er als einer der Architekten des HBOS-Deals gilt.

Daniels hatte die Regierungshilfe damit gerechtfertigt, dass die Bank mehr Kapital brauche, um einen "ernsten Abschwung" abfedern zu können. Nach der Einigung mit demStaat wird die Eigenkapitalquote von Lloyds auf knapp 19 Prozent steigen. "Wenn LLoyds glaubt, so viel frisches Kapital zu benötigen, ist das eine schlechte Nachricht für Banken wie Barclays, die bislang ohne Staatshilfe ausgekommen sind", meint Simon Maughan, Analyst bei MF Global. Der Kurs von Barclays sackte gestern um mehr als neun Prozent ab.

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