Großbritannien Neuer Hypo-Riese entsteht

Eine Großfusion wirbelt den britischen Markt für Baufinanzierungen durcheinander. Die größte Genossenschaftsbank des Landes, Nationwide Building Society, will sich mit dem Konkurrenten Portman Building Society zusammenschließen. Das Geschäft hat einen Wert von umgerechnet 750 Mill. Euro.

LONDON. Durch den Zusammenschluss würden die beiden potenziellen Partner mit einem gemeinsamen Marktanteil von etwa zehn Prozent die privaten Konkurrenten Abbey National und Lloyds TSB hinter sich lassen und auf den zweiten Platz auf der Rangliste der britischen Hypothekenfinanzierer vorstoßen.

Auch im Geschäft mit Spareinlagen käme die neue Genossenschaftsbank auf den zweiten Platz. Mit einem Marktanteil von über 20 Prozent behauptet die schottische HBOS allerdings ihre Position als unangefochtene Nummer eins der Branche.

Building Societies sind eine britische Besonderheit. Es handelt sich dabei um Hypothekenfinanzierer, die ihren Mitgliedern gehören. „Wenn die Building Societies auch in Zukunft neben den normalen Privatkundenbanken eine bedeutende Rolle am Markt spielen wollen, führt kein Weg an einer Konsolidierung der Branche vorbei“, begründete der Vorstandschef von Portman, Robert Sharpe, den Zusammenschluss der beiden Genossenschaftsbanken. Gemeinsam kommen die beiden Kreditinstitute auf 13 Mill. Kunden, 830 Filialen und eine Bilanzsumme von knapp 140 Mrd. Pfund. Der britische Markt für Hypothekenfinanzierungen ist extrem wettbewerbsintensiv. Nach der jüngsten Zinserhöhung der Bank of England warnen einige Analysten außerdem vor einer Abkühlung des Immobiliengeschäfts, zumal die meisten Experten in diesem Jahr mit weiter steigenden Leitzinsen rechnen.

„Für die private Konkurrenz ist der Zusammenschluss der beiden großen Genossenschaftsbanken sicherlich keine gute Nachricht“, meinen die Analysten von Fox Pitt Kelton. Das gelte um so mehr, als auch der niederländische Allfinanz-Konzern ING über seine Tochter ING Direct auf den britischen Hypothekenmarkt dränge.

Eine Zeit lang würden Nationwide und Portman mit Sicherheit durch die Fusion gelähmt, räumen die Analysten ein. Danach werde die neue Bank aber dank ihrer besseren Wettbewerbsposition der Konkurrenz das Leben schwer machen. Die größten Auswirkungen aus der Fusion erwartet Fox Pitt Kelton für HBOS, Alliance & Leicester und für Northern Rock.

Durch die geplante Großfusion wird die Marke Portman aus dem Straßenbild der britischen Städte verschwinden. Die neue Gesellschaft will allein auf den Namen Nationwide vertrauen. Auch auf den Chefsessel wird ein Nationwide-Manager rücken – der bisherige Finanzvorstand Graham Beale.

Beale arbeitet seit 1985 für die Genossenschaftsbank mit Sitz im südostenglischen Swindon und hat unter anderem den Aufbau einer eigenen Lebensversicherungssparte vorangetrieben, die Nationwide unabhängiger vom Hypothekengeschäft machen soll.

Beale soll im April 2007 seinen neuen Posten antreten. Zu diesem Zeitpunkt werden die beiden Vorstandschefs von Nationwide und Portman den Planungen zufolge in den Ruhestand gehen. Das gäbe Beale genügend Zeit, die Zusammenführung der beiden Banken zu managen. Die Fusion soll im September des kommenden Jahres abgeschlossen sein.

Nationwide lässt sich bei der Transaktion von der Investmentbank Morgan Stanley beraten. Portman vertraut auf die Betreuung durch JP Morgan Cazenove.

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