Großteil der britischen Vermögensverwaltung geht an Aberdeen Asset Management Deutsche Bank verkleinert sich in London

Die Deutsche Bank trennt sich von großen Teilen ihrer Vermögensverwaltung in Großbritannien, weil sie deren Probleme nicht in den Griff bekommen hat. Geschäftsbereiche der Tochter Deutsche Asset Management (DeAM), die 46,3 Mrd. Pfund (fast 70 Mrd. Euro) Vermögen verwalten, gehen für rund 265 Mill. Pfund (390 Mill. Euro) an den vergleichsweise kleinen schottischen Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management, wie die Bank gestern mitteilte.

ina/sia FRANKFURT/M. Seit über einem halben Jahr hatten Konzernchef Josef Ackermann und sein Vorstandsmitglied für die globale Vermögensverwaltung, Kevin Parker, versucht, die Probleme der defizitären englischen Tochter zu beheben. Nach massiven Mittelabflüssen zogen sie jetzt die Reißleine.

An den Finanzmärkten wurde der Verkauf als Eingeständnis des deutschen Branchenprimus bewertet, das Geschäft in Großbritannien nicht in den Griff zu bekommen. Die Deutsche Bank „gibt ihre Position in einem der größten Fondsmanagement-Märkte der Welt für sehr wenig Geld auf“, kritisierte Dirk Becker von Kepler Equities. Mehrere Analysten werteten dies als Beweis mangelnder Geduld. Die Schweizer Konkurrenten UBS und Credit Suisse hätten ähnliche Probleme gehabt und sie gelöst.

Die DeAM steuert von Großbritannien künftig nur noch die britischen Hedge-Fonds- und Immobilienaktivitäten sowie das Hochzins-Geschäft in den USA (siehe „Das Verkaufspaket“). Die DeAM ist weltweit für die Vermögensverwaltung des Konzerns zuständig und verwaltete vor dem jetzigen Verkauf Vermögenswerte von 573 Mrd. Euro.

Den Ausschlag für den Verkauf gab eine Serie erheblicher Mittelabflüsse, die allein 2004 rund 44 Mrd. Euro ausmachten. Es half auch nicht, dass Ackermann die Sparte im Februar öffentlich anzählte und drohte, die Probleme würden entweder gelöst oder durch Verkauf beseitigt. Als danach Großkunden wegen schlechter Wertentwicklung Mandate entzogen, folgte die Trennung.

Der Käufer, Aberdeen Asset Management, ist mit einem verwalteten Vermögen von knapp 26 Mrd. Pfund vergleichsweise klein und verdreifacht sein Geschäftsvolumen durch die Übernahme der DeAM-Geschäftsbereiche. Zur Finanzierung der Akquisition verkauft Aberdeen eigene Aktien für 215 Mill. Pfund. Ob Aberdeen mit der Akquisition glücklich wird, bezweifelt der Chef einer britischen Anlagegesellschaft, der sich die DeAM angeschaut hatte und ihr eine „schreckliche Verfassung“ attestierte: „Aberdeen muss mindestens 200 Leute entlassen. Dann werden die institutionellen Anleger negative Bewertungen von ihren Beratern bekommen, die von Personalveränderungen nichts halten.“ Allerdings habe Aberdeen Erfahrung mit Übernahmen und Kostensenkungsprogrammen. Bekannt ist auch, dass der französische Versicherer Axa sich den Bereich angesehen und die Finger davon gelassen hat.

Kritiker halten der Deutschen Bank vor, dass es durchaus Beispiele für erfolgreiches Engagement deutscher Vermögensverwalter in Großbritannien gibt. Die Commerzbank ist mit ihrer Tochter Jupiter in Großbritannien erfolgreich präsent, die Allianz mit ihren Töchtern Pimco U.K., die auf das Rentengeschäft spezialisiert ist, und RCM, die stärker im Aktienbereich engagiert ist. Die Commerzbank-Tochter Jupiter ist zwar mit einem verwalteten Vermögen von 17 Mrd. Euro relativ klein, hat sich im Aktiengeschäft aber einen Namen gemacht.

Die Allianz-Töchter Pimco und RCM spielen mit verwalteten Vermögen von 33,8 Mrd. Dollar beziehungsweise zehn Mrd. Euro in der gleichen Liga wie die britischen DeAM-Geschäftsbereiche. Gerade Pimco U.K. gilt im Münchener Allfinanzkonzern als Erfolgsgeschichte. „Ein Verkauf käme nicht in Frage“, sagt daher Andreas Utermann, Vorstandsmitglied bei Allianz Global Investors und Chefstratege von RCM. Allerdings unterscheidet sich das Großbritannien-Geschäft in einem wichtigen Punkt von dem der DeAM: Im Allianz-Konzern gib es keine Kompetenz-Überschneidungen zwischen den Töchtern in London, New York oder Frankfurt. So werden britische Aktien ausschließlich in London, US-Aktien ausschließlich in New York verwaltet. Bei der DeAM hatte es da Überlappungen und Dopplungen der Zuständigkeiten gegeben, die nun durch die Trennung von den Problembereichen teilweise abgebaut wurden.

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