Gutachten stärkt Position der Stadt – Deutsche Bank bewertet Frankfurter Sparkasse mit gut einer Milliarde Euro: Fraspa-Verhandlungen gehen in heiße Phase

Gutachten stärkt Position der Stadt – Deutsche Bank bewertet Frankfurter Sparkasse mit gut einer Milliarde Euro
Fraspa-Verhandlungen gehen in heiße Phase

Das Preispoker um die angeschlagene Frankfurter Sparkasse (Fraspa) geht in die heiße Phase. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen bewertet die Deutsche Bank die sechstgrößte Sparkasse, die zum Verkauf steht, in einem Gutachten für die Stadt Frankfurt mit gut 1 Milliarde Euro.

FRANKFURT/M. Damit sieht sich die Kommune in ihrer bisherigen Preisvorstellung bestätigt. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die derzeit mit den Eigentümern über einen Kauf der Sparkasse verhandelt, bietet deutlich weniger.

Stadtkämmerer Horst Hemzal (CDU) wollte zum Wertgutachten keine Stellungnahme abgeben. Er sagte lediglich, dass das Wertgutachten bei den Preisverhandlungen „nur sehr enge Spielräume für die Stadt lässt“. Er sei gesetzlich gehalten, den bestmöglichen Preis zu erzielen. Wenn ein Verhandlungsergebnis zu deutlich von den Vorgaben des Wertgutachtens abweiche, könne der Verdacht auf Untreue entstehen, erläuterte Hemzal.

Auf politischen Druck der Landesregierung unter Ministerpräsident Roland Koch (CDU) wurde eine Auktion der Fraspa ausgeschlossen. Stattdessen einigten sich die Verhandlungsführer darauf, zunächst bis zum 28. Februar exklusive und geheime Gespräche mit der Helaba zu führen, an der die öffentlich-rechtlichen Sparkassen mit 85 Prozent beteiligt sind. Die Stadt befürchtet jetzt, dass sie wegen des fehlenden Wettbewerbs keinen fairen Preis aushandeln kann.

An der Fraspa hält die Stadt Frankfurt 40 Prozent, die restlichen 60 Prozent der Stimmrechte besitzt der Bürgerverein Polytechnische Gesellschaft. Letztere hat bei der Investmentbank Goldman Sachs ein Gutachten in Auftrag gegeben, die Käuferseite lässt sich von Lehman Brothers beraten.

In den Verhandlungskreisen heißt es, die Stadt wolle beim Kaufpreis nicht einmal „näherungsweise“ an das bilanzielle Eigenkapital der Fraspa kommen, das bei rund 530 Mill. Euro liegt und schon einmal als Kompromiss angedeutet worden war. Die Deutsche Bank setze in ihrem Gutachten einen engen Wertkorridor knapp über der Marke von einer Milliarde Euro. Die Stadt sehe von dieser Marke allenfalls einen Spielraum nach unten von 100 Mill. Euro, bei einem Abschlag von 150 Mill. Euro beginne schon der „Grenzbereich“, sagt ein Beteiligter. Die Deutsche Bank wollte keine Stellungnahme abgeben.

Der hessisch-thüringische Sparkassenverband hält die Forderungen der Stadt inoffiziell für völlig überzogen. Die Fraspa sei zwar nicht mehr akut gefährdet, aber ein Fall für eine mehrjährige Sanierung, heißt es.

Die Sparkasse war unter dem mittlerweile komplett abgelösten alten Vorstand in Not geraten, weil sie sich mit Immobilienfinanzierungen und einer überdehnten Kreditvergabe verhoben hatte. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen frühere Vorstände wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation.

Sollte für die Stadtverwaltung kein akzeptabler Preis zu erzielen sein, liegen zwei Optionen in den Schubladen des Rathauses. Einmal könnte die Stadt mit einer Bar- oder Sacheinlage in dreistelliger Millionenhöhe die Sparkasse vorübergehend weiter stabilisieren. Dazu könnten etwa kommunale Gesellschaften Kredit aufnehmen, oder aber die Stadt bringt Wohnungsbauunternehmen ein. Vorbild wäre ein ähnliches Modell bei der benachbarten Nassauischen Sparkasse. Oder aber man drängt auf eine „diskriminierungsfreie Auktion“ unter Beteiligung privater Banken, was auch die Brüsseler Wettbewerbshüter begrüßen würden. Commerzbank und Dresdner Bank haben zwar Interesse signalisiert. Ein Kauf durch eine der Großbanken gilt aber als politisch nicht durchsetzbar, da bei der Fraspa zu viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Als potenzieller Interessent wird auch die Postbank gehandelt, aber auch hier hat sich der Vorstand noch nicht aus der Deckung gewagt.

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