Gute Quartalsergebnisse täuschen über starken Anstieg der Volatilität hinweg In Bankbüchern lauern versteckte Risiken

Kaum ist die Freude über die guten Halbjahresergebnisse der Investmentbanken abgeklungen, melden sich erneut die Skeptiker zu Wort. Marktbeobachter äußern sich besorgt darüber, dass die Banken zum Teil deutlich höhere Risiken eingegangen sind, um ihre guten Ergebnisse zu erzielen – vor allem im zuletzt boomenden Anleihegeschäft.

fs LONDON. „Angesichts des stark ausgeweiteten Eigenhandels einiger, vor allem amerikanischer, Institute muss man sich schon fragen, wie solide die Einkommensströme sind“, sagt der renommierte Bond-Analyst einer Bank, der ungenannt bleiben will.

Einige Analysten befürchten, dass die Institute bei einer längeren Schwäche des seit Jahren boomenden Anleihegeschäftes im zweiten Halbjahr die Zeche für die guten Resultate der ersten sechs Monate zahlen müssen. Zwar „erwarten wir in nächster Zeit keine Zinserhöhung“, sagt Gary Jenkins, Leiter des Credit Research bei Barclays Capital. Doch deutet sich an, dass der kaum gebremste Verfall der Leitzinsen von Anfang 2001 bis heute – in den USA allein von 6,5 % auf 1 % – nicht mehr so weitergeht wie bisher. „Das dürfte die Volatilität deutlich erhöhen und zu einer schlechteren Entwicklung an den Kredit- und Aktienmärkten führen.“ Rasante Kursgewinne im Handelsgeschäft dürften erst einmal der Vergangenheit angehören. Schon der Juli hat mit Renditeanstiegen bei US-Staatsanleihen um 1,5 %-punkte angedeutet, was auf die Banken zukommen kann.

Der Abschwung am Bondmarkt birgt Gefahren: Die wichtigsten Investmentbanken haben ihre Risikopositionen im zweiten Quartal deutlich erhöht, um bei historisch niedrigen Zinsen höhere Erträge einfahren zu können. Das verdeutlichen auch zwei Studien: Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group ermittelt in einem aktuellen Report, dass im zweiten Quartal der im Handelsgeschäft gemessene kumulierte Value-at-Risk (VAR), also die Risikopositionen, der zehn größten Investmentbanken weltweit um 21 % gegenüber den ersten drei Monaten gestiegen ist. Die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) kommt für zehn globale Kreditinstitute von Goldman Sachs über Merrill Lynch bis zur Deutschen Bank zu einem noch höheren Risikozuwachs. Der Studie zufolge ist der VAR in drei Monaten fast um ein Viertel gestiegen. Das Risiko stamme fast ausschließlich von der Zinsseite, schreiben die Schweizer.

Banken benutzen den VAR, um ihr finanzielles Risiko zu kontrollieren. Die Kennzahl spiegelt den maximalen Wert wider, den eine Bank mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (oft zwischen 95 und 99 %) an einem schlechten Handelstag verlieren kann. Ein Anstieg um 21 % bedeutet: Es ist ein Verlust von gut einem Fünftel möglich.

Die Folgen eines Abschwungs beurteilen die Studien unterschiedlich. BCG deutet drastische Konsequenzen an. Das Geschäft mit Unternehmensfinanzierungen müsse um die Hälfte zulegen, um einen Abschwung im Wertpapierhandel von nur einem Fünftel auszugleichen, schreiben die Unternehmensberater. Skeptisch heißt es dort, dass dafür „signifikante Verbesserungen im Corporate Finance-Geschäft vonnöten“ seien. Der Markt für Fusionen und Übernahmen liegt trotz eines Hoffnungsschimmers weitgehend brach. Anders gesagt: Das dicke Ende kommt noch.

CSFB äußert sich nicht so negativ. Die Bank spricht von einer „weichen Landung“ – im Gegensatz zum Aktien-Crash von 2000 bis Anfang diesen Jahres. Zum einen gebe es im Bondbereich mehr Produktgruppen als im Aktiensektor. Einzelne Bereiche wie Leveraged Finance, dazu gehören Bank- und Überbrückungskredite, seien auch im schwachen Juli gut gelaufen. Zum anderen seien im historischen Vergleich die Abweichungen der Anleiherenditen von früheren Extremen entfernt. Zudem, so CSFB, hätten Anleihen nur in Zeiten von Weltkriegen und Hyperinflation Vermögen in ähnlichem Ausmaß wie zuletzt bei Aktien vernichtet. Auch Jenkins zeigt sich gelassen: „Die Banken erfreuen sich guter Gesundheit und sind gut kapitalisiert. Ein schlechteres Zinsgeschäft trifft erst einmal andere Branchen.“

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