Handel mit Grundgütern: Deutsche Bank fährt Rohstoff-Spekulation zurück

Handel mit Grundgütern
Deutsche Bank fährt Rohstoff-Spekulation zurück

Die Kritik am Handel mit Weizen, Kakao, Kupfer und Aluminium wehrte die Deutsche Bank lange ab. Nun fährt das Institut das Geschäft mit physischen Rohstoffen zurück, spekuliert aber weiter über Finanzderivate.
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DüsseldorfDie Deutsche Bank baut ihr Geschäft mit Rohstoffen um. „Mit dieser Entscheidung zieht sich die Deutsche Bank aus dem Handel mit Energie, Agrarprodukten, Grundmetallen und Trockenmassengut zurück“, teilte die Bank mit. Deutschlands größtes Geldhaus wolle sich auf das Geschäft mit Finanzderivaten und Edelmetallen konzentrieren. Der Umbau habe keine materiellen Auswirkungen auf die Vermögens- und Ertragslage der Bank, teilte das Institut weiter mit. Eine eigens gegründete Rohstoff-Gruppe soll das Geschäft mit den Gütern langsam abwickeln.

Einen vollständigen Rückzug aus dem Rohstoffgeschäft plant die Deutsche Bank aber nicht. Das Institut fährt nur das direkte Engagement in physische Rohstoffe zurück. So soll etwa weiterhin über Finanzderivate mit Agrargütern wie Weizen, Zucker oder Kakao und Kaffee sowie Industriemetallen wie Kupfer, Aluminium oder Zink spekuliert werden. Lediglich der bislang eigenständige Agrarhandelsdesk wird offenbar aufgelöst. Unberührt bleibt der Handel mit Edelmetallen wie Gold- und Silberbarren.

Die Spekulation mit physischen Rohstoffen wie Kupfer und Aluminium oder Kaffee und Weizen war von Produzenten, Verbrauchern und Politik kritisiert worden. Verbraucherschutz-Organisationen beklagen zudem seit längerem einen Zusammenhang von Nahrungsmittelspekulationen mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Ob Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte in armen Ländern tatsächlich nach oben treiben, ist unter Experten allerdings umstritten.

Trotz der scharfen Kritik aus Politik und Umweltverbänden verteidigt die Deutsche Bank das Geschäft mit Grundgütern stets. Wie auch die Allianz hatte das Geldhaus immer wieder erklärt, an den umstrittenen Spekulationen mit Agrarrohstoffen festhalten zu wollen. Untersuchungen hätten keine stichhaltigen Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht, hatte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen zu Anfang des Jahres gesagt. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte, Finanzderivate auf Rohstoffe gehörten auch weiterhin zum Kerngeschäft der Bank. „Das ist keine strategische Entscheidung gegen solche Geschäfte.“

Andere deutsche Finanzhäuser wie die Commerzbank, die genossenschaftliche DZ-Bank, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder die Deka-Bank haben die Spekulation mit Agrargütern dagegen stark eingeschränkt oder ganz aufgegeben.

Auch die Wall-Street-Größen prüfen, ihr Rohstoffgeschäft loszuschlagen. JP Morgan kündigte an, die Spekulation zurückzufahren, Morgan Stanley erwägt einen ähnlichen Schritt. Goldman Sachs hingegen teilte mit, an dem Grundgüterhandel festzuhalten. Grund für die Überlegungen waren die neuen Eigenhandelsregeln und Kapitalvorschriften für Banken, die Rohstoffspekulationen erschweren und zunehmend unattraktiv erscheinen lassen.

Dies war auch Hintergrund für den Entschluss der Deutschen Bank. Mit dem Umbau des Rohstoffhandels verfolge die Bank das Ziel, „unser Kapital besser zu nutzen, die Komplexität unseres Geschäftsbetriebs zu verringern und auf branchenweite, aufsichtsrechtliche Veränderungen zu reagieren“, sagt Colin Fan, Co-Chef des Investmentbanking der Deutschen Bank, laut der Mitteilung.

Sebastian Ertinger ist stellvertretender Redaktionsleiter der Handelsblatt Live App.
Sebastian Ertinger
Handelsblatt Live / Stellvertretender Redaktionsleiter

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