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Der Nanosekunden-Börsenhandel steht auf dem Prüfstand

Der Hochfrequenzhandel steht in der Kritik: Das Kaufen und Verkaufen in Sekundenbruchteilen hat schon Milliardensummen pulverisiert. Jetzt will das Finanzministerium das Marktgeschehen überprüfen.
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BerlinDie Bundesregierung hat beim computergestützten Hochfrequenzhandel der Börsen Vorbehalte. Die potenziellen Risiken des Hochfrequenzhandels gäben Anlass, das Marktgeschehen in diesem Bereich auf „möglicherweise bestehende Regulierungslücken“ zu prüfen, urteilt das Bundesfinanzministerium. Das Ministerium reagiert mit dieser Einschätzung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Carsten Sieling.

Mit dem Hochfrequenzhandel versuchen Hedge Fonds und Investmentbanken Kursunterschiede von Wertpapieren an verschiedenen Börsenplätzen in Bruchteilen von Sekunden zu nutzen. Dieser Handel soll für den drastischen Kurssturz an der New Yorker Börse am 6. Mai 2010 mitverantwortlich sein. In wenigen Minuten verlor der Dow Jones-Index rund neun Prozent seines Wertes.

Kritik am Hochfrequenzhandel gab es zuletzt von allerhöchster Stelle: Auf dem Deutschen Bankentag im April warnte Bundespräsident Christian Wulff: An den Börsen sei zu überlegen, ob nicht eine "Entschleunigung" besser wäre.

Experten fürchten, dass er Kurse in Sekundenschnelle zum Absturz bringen kann und erhebliche Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte birgt. Deshalb will die Kommission die im Blitzhandel üblichen Praktiken und Akteure (darunter kleine Investment-Boutiquen) strikter überwachen. So sollen etwa Computer, die eine Kursentwicklung selbst provozieren, diese nicht gleichzeitig ausnutzen können. Die Investoren müssten Risikomanagement-Systeme und Stresstests einführen.

Die Bundesregierung begrüßt es, dass die EU-Kommission im Rahmen der laufenden Überarbeitung der Finanzdienstleistungsrichtlinie Mifid eine stärkere Regulierung zur Diskussion gestellt habe. Es gebe Bedenken, so die Finanzaufsicht Bafin, dass der Hochfrequenzhandel gerade in Krisenzeiten Volatilitäten verstärken könne. Die Regierung geht davon aus, dass in den USA bis zu 70 Prozent und in Europa bis zu 40 Prozent der Wertpapiertransaktionen über den Hochfrequenzhandel abgewickelt werden.

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  • Wenn es nur um ECHTEN BÖRSENHANDEL ginge, würde es reichen, wenn man nur einmal die Woche (Monat oder Jahr) die Börsentätigkeit zulassen würde..... Jedoch sind die Börsen weltweit zu Zockerbuden verkommen, weil man mit immer mehr Geld noch mehr Geld machen kann. Je mehr Geld einer bewegen kann (z. B. Hedgefonds)umso mehr kann man zu seinen Gunsten bewegen und manipulieren, so dass letztendlich sogar solide Wirtschaftssysteme oder Währungen in Gefahr gebracht werden können. Das Ganze wird immer unseriöser, da der Gesetzgeber den Machenschaften des Marktes hinterherläuft. ...Alle reinen "Spekulationsgeschäfte" abschaffen !!!! Sollen diese Typen doch ihre Kohle im Spielcasino oder beim Pokern auf ehrliche Art und Weise machen.

  • Ihr Unvermögen, Anleger vor dem Wallstreet-Schrott zu warnen, hat sie nicht
    nur politisch in Bedrängnis gebracht. In den USA haben mehrere Bundesstaaten, öffentliche Pensionskassen und Städte wegen der ihnen entstandenen Milliardenverluste Sammelklagen eingereicht.
    Die Interessenkonflikte waren intern sehr wohl bekannt, wie E-Mails zeigen. So
    schrieb ein S & P-Angestellter im Sommer 2007, der Umgang mit der Bank
    erinnere «an das Stockholm-(Geisel-)Syndrom». Und ein Moody’s-Direktor
    meinte, das Versagen der Branche zeichne ein Bild, «wonach wir entweder total
    inkompetent sind oder unsere Seele dem Teufel verkauft haben»“.

    Im SPIEGEL finden sich unter dem Titel, Wer kontrolliert die Kontrolleure?, folgende
    kritische Aussagen zu "The big Three":
    „Denn längst sind die drei großen Rating-Agenturen S&P, Moody's und Fitch als Mitverursacher der Finanzkrise ausgemacht. Mehr noch: als Kollaborateure.
    Ursprünglich bestand ihre Aufgabe darin, die Kreditwürdigkeit von Firmen und
    Staaten festzustellen, damit potentielle Investoren ihr Risiko überschauen
    können. Mit der Zeit wurde daraus faktisch die Kontrolle über den Zugang zu
    den Finanzmärkten.

  • "Die Macht der Rating-Agenturen" ist in der Finanzkrise deutlich geworden",
    meint der unabhängige Rating-Experte Oliver Everling.
    "Sie haben das entscheidende Stück zur Krise beigetragen, da sie die Schleusen der Kapitalmärkte kontrollierten." Jochen Sanio, Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin kritisiert:
    "Sie stuften viele Fonds viel zu lange zu gut ein, die eigentlich Müll waren".
    Michael Mross schließt gar eine Rückstufung der USA in der Bonität ganz aus.
    "Jede auch nur geringfügige Abstufung des Megaschuldners USA würde eine
    internationale Katastrophe auslösen."
    "Je höher der Schuldenstand der Nation, desto größer die Wahrscheinlichkeit,
    dass die Rückzahlungs-Illusion platzt, weil dann immer mehr Menschen
    begreifen, dass eine Rückzahlung nicht möglich ist."Unter’m Strich gilt für Michael Mross:
    Die Bonitätsnote der USA werde immer AAA bleiben - bis zum bitteren Ende.
    Auszug aus der Basler Zeitung vom 29.04.2010 unter dem Titel:
    Griechenland-Krise: Heftige Kritik an den Rating-Agenturen
    „Rating-Agenturen gehören zu den einflussreichsten Akteuren der
    Finanzmärkte, aber auch zu den zwielichtigsten. In der Finanzkrise
    versagten sie auf der ganzen Linie. Eine Untersuchung des US-Senats
    zeigte, dass sie ihr Bewertungsmodell den Wallstreet-Banken zugänglich gemacht hatten, was diesen erlaubte, Ramschpapiere so zusammenzuschustern, dass sie ein Top-Rating erhielten.
    Die privaten Agenturen üben – dank einer Lizenz der Börsenaufsicht
    SEC – eine quasistaatliche Aufgabe aus.

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