Handelsblatt Exklusiv
Fitschen wird Präsident des Bankenverbands

Commerzbank-Chef Martin Blessing war ein Kandidat, doch der Job geht an Deutschlands größtes Geldhaus: Jürgen Fitschen, der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, soll dem privaten Bankenverband vorstehen.
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FrankfurtSeit Monaten wird über die Personalie spekuliert, jetzt ist sie klar: Jürgen Fitschen übernimmt ab April 2013 das Präsidentenamt des privaten Bankenverbands BdB. Das bestätigten Finanzkreise dem Handelsblatt. In den nächsten Tagen soll seine Kandidatur mit dem Bankenverband besiegelt werden. Der 64-Jährige galt, seit er im Juni in den Vorstand des BdB eingezogen ist, als Favorit für die Nachfolge des jetzigen Präsidenten Andreas Schmitz, Vorstandssprecher von HSBC Trinkaus.

In Verbandskreisen heißt es, Fitschen sei der Wunschkandidat gewesen. "Alle sind glücklich, wenn er das macht", sagte ein Insider. Eine Gegenkandidatur wird nicht erwartet - das war eine der Bedingungen Fitschens. Angesichts der Regulierungsdebatten in Europa wollten die Großbanken im Verband diesmal einen ihrer Vertreter an der Spitze. Sie erhoffen sich mit dem prominenten Präsidenten auch ein besseres Durchdringen mit ihren Problemen im Kanzleramt. Zudem planen bereits jetzt einige, dass Fitschen - sollte er 2015 seinen Posten als Co-Vorstandschef der Deutschen Bank nicht verlängern - als hauptamtlicher Präsident die Geschicke des BdB weiter steuert.

Mit Fitschen erhält der Verband einen Banker, der in Berlin bestens verdrahtet ist. Zudem ist der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann sowohl bei Konzernen als auch im Mittelstand geschätzt. Seitdem er von seinem Vorgänger Josef Ackermann 2004 zum Chef des Deutschland-Geschäfts der Deutschen Bank ernannt wurde, um den Ruf des Instituts auf dem Heimatmarkt zu verbessern, haftet seinem Job bereits viel Diplomatisches an.

Mit seinen Stationen bei der Deutschen Bank in Tokio, Singapur und London hat er auch international gute Kontakte. Die Deutsche Bank wollte die Personalie nicht kommentieren. Eine Sprecherin des BdB sagte, man sei überzeugt, einen guten Kandidaten für den Präsidentenposten zu finden. Der Auswahlprozess sei auf gutem Weg. Fitschen hatte sich eine endgültige Entscheidung lange vorbehalten. Informationen aus Finanzkreisen zufolge hat er sich jedoch in den vergangenen Tagen festgelegt - und BdB-Präsident Schmitz seine Entscheidung mitgeteilt.

Als unwahrscheinlich gilt, dass Fitschen all seine anderen Mandate behalten wird. Für den Posten des Verbandspräsidenten rechnen Vorstandsmitglieder rund anderthalb Tage in der Woche - ein hoher Zeitbedarf neben dem fordernden Posten des Co-Vorstandschefs. Bisher sitzt Fitschen schon im Aufsichtsrat des Handelskonzerns Metro sowie im Verwaltungsrat des Speditionsunternehmens Kühne & Nagel. Zudem engagiert er sich im Gremium der Deutschen Sporthilfe, ist Vorstandsmitglied im Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft und Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins (OAV).

Das Aufrücken Fitschens an die BdB-Spitze wird im Verband als Stärkung verstanden. Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte sein Vorstandsmandat an seinen Mittelstandsvorstand Markus Beumer abgegeben, weil er sich auf den Internationalen Bankenverband IIF konzentrieren wollte. Das war von vielen im BdB als Affront verstanden worden.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland

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  • Ich habe gesehen, dass der Autor Heiko Schrang vor kurzen 11 Fragen, die alle Deutschen bewegen, in einem Interview beantwortet hat. http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/145/11-fragen-die-die-deutschen-bewegen.php Lesens- und nachdenkenswert!

  • Was mit der Realisierung vom Schengener Abkommen super umgesetzt wurde und Europa zusammen geführt hat, führt diese Gemeinschaftswährung Europa gradewegs in den Abgrund. Der Euro kann in den Südländern nur durch immer neue Schulden existieren. Das heißt, der Euro führt zwangsläufig zur Inflation mit schwerwiegender Armut überall in Europa.

    Sehen wir die Vereinigten Staaten von Amerika. Jetzt denkt man darüber zunehmend nach, dass das Federal Reserve System (FED) seit vielen Jahrzehnten mit der Notenpresse das falsche Instrument ausgepackt hat.

    Zukünftig werden einige Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika währungstechnisch teilweise untereinander abgekoppelt. Neben dem „Dollar“ würde eine „zweite Gemeinschaftswährung“ eingeführt. Alle Bundesstaaten mit schwächerem Wirtschaftswachstum würden in einer „weicheren“ Gemeinschaftswährung aufgenommen. Damit würde die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika langfristig wachsen.

    Sehen wir was in den USA nicht funktioniert und welche Änderungen sich anbahnen, brauchen wir Europäer diesen Quatsch mit der permanenten Euroverschuldung nicht länger so fortzuführen.

    Die mit Macht zusammengefügten Staaten, wollen den Zentralismus aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr haben. Die einzelnen Länder wollen wieder selbständig agieren. Und was machen unsere Politiker in Brüssel, sie arbeiten alle gegen die wirtschaftliche Vernunft. Das kann man der europäischen Bevölkerung nicht erklären.

  • Fitschen an der Spitze des Bankenverbandes hat gerade noch gefehlt. Man kann ihn nämlich an seinen Worten messen, um vorweg zu nehmen, was er in seiner Funktion tun wird. Mit der Äußerung, dass Inflation der Preis für den Euro sei, haben sich Fitschen und Jain nämlich in alle Blätter gewagt.http://www.fortunanetz.de/index.php Die Rettungskosten werden in eine Inflation münden. Ausdrücklich lobte Fitschen das Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Euro-Rettung, indem sie Staatspapiere aufkauft.. „Es ist gut, dass die Europäische Zentralbank handelt.“ Damit greift die Deutsche Bank dem Handeln der EZB vor und fordert quasi ein verfassungswidriges Vorgehen.

    Das dürfte für die Bankenlandschaft einmalig sein. Die Politik wird dadurch bedrängt, und Weidmann fällt die Deutsche Bank in den Rücken.

    Damit hat die Deutsche Bank ein neues Motto: Inflation mit Leidenschaft.
    Man kann nur hoffen, dass alle Leser verstanden haben, was im Währungsraum des Bundestages geschehen ist. Draghi und die Deutsche Bank haben das gleiche Ziel: Die Inflationierung des Euroraumes als Krisenlösung zu verkaufen.
    AMan kann nut froh sein, dass Weidmann in eine öffentliche Diskussion eingetreten ist, um die
    Inflationierung abzuwenden.

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