Handelsblatt Exklusiv
Versicherer wachsen nur noch langsam

Eine neuen Studie zufolge stehen der Branche karge Zeiten bevor.
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FrankfurtVersicherer werden laut einer Studie in den nächsten Jahren deutlich schwächer wachsen. Während die Beitragseinnahmen 2009 und 2010 jeweils um mehr als vier Prozent gestiegen sind und im vergangenen Jahr zu Rekordeinnahmen von rund 179 Milliarden Euro geführt haben, wird die Branche in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich nur noch rund 2,5 Prozent jährlich wachsen. Das geht aus dem Branchenreport „Versicherungswirtschaft 2016“ der Unternehmensberatung BBE hervor, deren Ergebnisse dem Handelsblatt (Freitagsausgabe) vorliegen. Die Studie basiert auf Modellrechnungen und Expertenumfragen.

Zuletzt war die Branche enorm gewachsen, da viele Verbraucher in der Finanzkrise ihr Geld von den Kapitalmärkten abgezogen und den als solide geltenden Versichern anvertrauten. „Die Versicherer waren letztlich Profiteure der Finanzmarktkrise“, sagt Jörg Sieweck, der Autor der Studie. Dabei war das Geschäft getrieben von sogenannten Einmalbeiträgen: Dabei zahlt der Verbraucher nicht laufend in einen Vertrag ein, sondern legt auf einen Schlag einen größeren Betrag an.

Kritiker monieren, dass die Versicherer auf diese Weise Bank spielen und das Geld von den Kunden auch schnell wieder abgezogen werden könne. Ohne das Geschäft mit Einmalbeiträgen wären die Versicherer im vergangenen Jahr nur 0,5 Prozent gewachsen. Da sich die Kapitalmärkte allmählich von der Finanzkrise erholen und attraktiver werden, dürfte das Geschäft mit Einmalbeiträgen schon in diesem Jahr deutlich nachlassen, prognostiziert Sieweck.

Eine weitere Wachstumsbremse in der Lebensversicherung dürfte die Absenkung des Garantiezinses werden. „Das wird ab 2012 auf jeden Fall zu Einbußen führen“, sagt Sieweck. Der Garantiezins gibt an, mit welcher Rendite die Kunden auf jeden Fall rechnen dürfen. Das Bundesfinanzministerium hat beschlossen, dass ab dem 1. Januar 2012 der Garantiezins von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent sinkt.

Andere Experten sehen die Zukunft der Branche weniger düster. „Ich glaube nicht, dass der Absatz in den nächsten Jahren so stark zurückgeht“, sagt Manfred Poweleit, Versicherungsexperte beim Branchendienst Map-Report. Aufgrund von steuerlichen Vorteilen dürften viele Kunden weiterhin Einmalbeiträge bei den Versicherern anlegen, schätzt er. Zudem sei bei der Senkung des Garantiezinses noch nicht das letzte Wort gesprochen. Das Finanzministerium könnte seine Entscheidung vielleicht noch überdenken, wenn aufgrund der restriktiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank in den nächsten Monaten das allgemeine Zinsumfeld wieder deutlich nach oben weist.

In der Schaden- und Unfallversicherung sind die Aussichten für die Branche laut der BBE-Studie ebenfalls nur mäßig. Für diesen Bereich wird nur ein jährliches Wachstum von 0,9 Prozent erwartet, 2016 dürfte das Beitragvolumen dann rund 58,3 Milliarden Euro betragen. Immerhin: Die befragten Entscheidungsträger erwarten, dass die Prämien in der KFZ-Versicherung nicht noch weiter fallen dürften. „Allerdings werden sie auch kaum steigen“, sagt Sieweck. Seit Jahren gibt es einen drastischen Preiskampf in der KFZ-Versicherung. Nominal entsprechen die Prämien, die die Kunden zahlen müssen, dem Niveau Anfang der 1980er Jahre. Real, also unter Beachtung der Inflationsrate, haben sich die Prämien seit Ende der 1980er Jahre sogar fast halbiert.

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