Handelsblatt-Jahrestagung „Privatkunden“
Banken rücken Privatkunden wieder in den Mittelpunkt

Bei der Nutzung der Informationen durch neue Technologien gibt es hierzulande noch viel Spielraum für die Banken. Im Vergleich zu Google und Facebook sind die Kreditinstitute hier noch „in der Steinzeit.“
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MainzDie Banken in Deutschland gehen in die Offensive und umgarnen wieder den Privatkunden. Vor dem Hintergrund einer strengeren Regulierung im Investmentbanking und wachsender Kapitalanforderungen für riskante Kapitalmarktgeschäfte erlebt das Retail-Geschäft wieder eine Renaissance.

„Für uns sind Filialschließungen oder Stellenabbau keine Ziele. Vielmehr peilen wir profitables Wachstum an“, sagte Christian Ricken, Mitglied des Group Executive Committee der Deutschen Bank, am Mittwoch in Mainz. Zwar sei das niedrige Zinsumfeld schwierig, andererseits nehme die Nachfrage nach Baufinanzierungen und Verbraucherkrediten deutlich zu. Ricken räumte  auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Privatkunden“ aber ein, dass die Kosten der Regulierung und der Margendruck nur teilweise durch Zusatzgeschäft und Wachstum zu kompensieren seien.

Bei der Nutzung der Informationen durch neue Technologien sieht der Deutschbanker noch viel Spielraum für die Banken. Im Vergleich zu Google und Facebook seien die Kreditinstitute hier noch „in der Steinzeit.“ Oftmals hätten die Banken noch nicht einmal die E-Mail-Adresse der Kunden.

Laut Ricken, der unter anderem für die gemeinsame Plattform der Deutschen Bank und der übernommenen Postbank verantwortlich ist, kann die Bankenbranche viel von der Automobilindustrie lernen, wenn es um die Standardisierung von Prozessen geht. Als Beispiel führte er identische Sitzfedern bei verschiedenen VW-Modellen an. „Nur da, wo der Kunde Unterschiede sehen will, kommt es zur Differenzierung“, sagte Ricken.

Für Peter Buschbeck, Privatkundenchef bei der Hypovereinsbank, vollzieht sich derzeit ein dramatischer Wandel in der Branche. Wurden 2010 rund zehn Prozent der einfachen Transaktionen auf digitalem Wege abgewickelt, steige dieser Anteil  bis 2015 auf 70 Prozent. „Die Prozesse verändern sich schneller, als wir das glauben“, sagte Buschbeck. Die HVB arbeitet derzeit mit einer „Online-Filiale“, bei der Kunden beispielsweise auch samstags und sonntags beraten werden. Zugang zum Berater bekommen sie via Fax, SMS, Telefon oder Videozuschaltung.

Ulrich Leuschner, Chef der deutschen Santander Consumer Bank, warnte vor einer „Geiz-ist-geil“-Kultur im Bankgeschäft. Fehlentwicklungen sehe er etwa in der Baufinanzierung, wo Darlehen für zwei Prozent über zehn Jahre Laufzeit angeboten würden. „Das kann nicht profitabel sein für eine Bank“, meinte Leuschner.

Sara Zinnecker
Sara Zinnecker
Handelsblatt online / Redakteurin

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  • Moderne Banken sind nichts anderes als Schulden-Vermehrer, die kein anderes Ziel haben, als das weltweite Zins- u. Schulden-Karussell aus Motiven der Habgier und zum Zwecke des Profits immer schneller zu drehen – bis die unfreiwilligen Mitfahrer, die Schuldner, heruntergeschleudert werden, um im Bild zu bleiben. Das ist dann der Bankrott und die „feindliche Übernahme“ (Privatisierung) ganzer Nationen durch die privaten Banken-Kartelle.


    Und nur aus diesem einem Grund stehen alle Nationen unter wirtschaftlichem Wachstumszwang:

    Ohne die künstliche Steigerung der Geldmenge ließe sich der (nur für die Banken) profitable Schuldendienst nicht aufrechterhalten, und ohne die dadurch erforderliche und erzwungene Steigerung der Güterproduktion und der Dienstleistungen hätte die künstliche Aufblähung des Geldvolumens schon jetzt zum totalen Wirtschafts-Zusammenbruch geführt. Aber der ist natürlich nur eine Frage der Zeit und steht nun unmittelbar bevor

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