Sparkassen: Der Kampf gegen die Minizinsen

Handelsblatt-Sparkassentagung
Der Kampf gegen die Minizinsen

Die deutschen Sparkassen rechnen mit heftigen Belastungen durch die Niedrigzinsen. Um einen Euro zu verdienen, müssten die Institute bald 75 Cent aufwenden, warnt Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon.
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BerlinDie deutschen Sparkassen fürchten, dass sie künftig angesichts der niedrigen Zinsen deutlich weniger verdienen. Schon im vergangenen Jahr ist das Betriebsergebnis vor Bewertung um rund 800 Millionen Euro gefallen, wie Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon am Donnerstag auf der Handelsblatt Jahrestagung Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken sagte. Das ist ein Rückgang um sieben Prozent.

Im Jahr 2015 lag das Betriebsergebnis vor Bewertung – also bevor die Werte von Krediten und Wertpapiere bilanziell berichtigt wurden – bei 10,8 Milliarden Euro. Nach Steuern und Bewertung verdienten die deutschen Sparkassen damals zwei Milliarden Euro.

Die Entwicklung werde sich 2017 fortsetzen, sagte Fahrenschon. Mit Folgen für die Ertragsstärke der Sparkassen: „Die Aufwand-Ertragsrelation wird in den kommenden drei Jahren wohl auf 75 Prozent ansteigen“, sagte er. Das bedeutet, dass die knapp 400 Sparkassen im Schnitt 75 Cent aufwenden müssen, um einen Euro zu verdienen. Die Aufwand-Ertragsrelation ist eine wichtige Kennzahl für die Effizienz eines Unternehmens. Im Jahr 2015 lag sie bei 64 Prozent.

Fahrenschons Prognose zeigt, wie sehr die deutschen Sparkassen, aber auch andere deutsche Banken wie etwa die Volks- und Raiffeisenbanken, mit den Mini- und Minuszinsen ringen. Die Leitzinsen in der Euro-Zone betragen seit knapp einem Jahr null Prozent. Zudem müssen Geschäftsbanken einen Strafzins von 0,4 Prozent berappen, wenn sie überschüssige Liquidität über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Erst am Mittwoch hatten hochrangige Bundesbanker und Wissenschaftler davor gewarnt, dass länger anhaltende  Niedrigzinsen deutsche Geldhäuser heftig unter Druck setzen. „Selbst wenn die Zinsen konstant auf ihrem aktuellen Niveau blieben, würde sie die Zinsmarge im Kerngeschäft der Banken in Deutschland in den nächsten vier Jahren um 16 Prozent verringern“, so Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret und Jörg Rocholl, Präsident der Wirtschaftshochschule ESMT.   

Mit dem EZB-Nullzins sind die Margen im Kreditgeschäft der Banken bereits geschwunden. Auch wenn sie die Einlagen der Kunden anlegen, verdienen die Geldhäuser weniger. Das schmerzt, sind Zinserträge doch die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle deutscher Kreditinstitute: Rund drei Viertel aller Erträge stammen aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen, zeigt ein Bundesbank-Bericht vom September vergangenen Jahres.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind von den Zinsüberschüssen sogar nochmals stärker abhängig als die Großbanken: Bei ihnen stammten zuletzt 80 Prozent aus diesem Geschäftsbereich. Fahrenschon zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Sparkassen die Herausforderungen bewältigen werden. Aber: „Das wird enorme unternehmerische Anstrengungen und konsequentes Handeln erfordern.“ Skeptischer zeigten sich die Teilnehmer der Tagung.

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Angriff auf die EZB

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  • Also die Sparkassen und Raiffeisenbanken braucht hier niemand beschimpfen. Die sind gut durch die Krise gekommen.

    Verantwortlich waren die großen Banken, die ungehemmt ohne Sinn und Verstand an der Börse unterwegs waren. Je größer die Institute werden, umso schimmer ist es, umso eher muss der Steuerzahler retten. Der Trend sollte zum Trennbankensystem gehen. Investment streng vom restlichen Geschäft teilen. Dann ist es auch egal, wenn eine Investmentbank pleite geht. Jeder muss halt dann selber schauen, dass er diejenige erwischt, die am besten arbeitet.

    Die maßlose Überschuldung von Privatpersonen ist doch eher der Selbstüberschätzung der Schuldner anzulasten.
    Wer natürlich jedes Jahr ein neues iPhone, Fernseher und sonstigen Schnickschnack braucht, weil das neue Produkt marginal mehr kann (meist nicht benötugt), sich völlig dem Konsumwahn ergibt und dann Dauerpleite ist, dem kann nicht geholfen werden, da ist auch keine Bank dran schuld.
    Rechnen und planen können doch heutzutage die wenigsten, schon gar nicht die Displaysüchtigen, für die extra Bampeln installiert werden müssen.
    Selbst denken wird immer mehr abgeschafft, Schuld sind natürlich immer die Anderen.
    Auch mit einer Immobilie ist man mobil, man kann diese auch vermieten!

  • Den Euro abschaffen und her mit der Deutschen Mark! Nur das hilft gegen Minizinsen und weiter Verschuldung, Verarmung der Deutschen und Europäischen Völker = Bürger!

  • Es ist wieder mal schön zu sehen, wie die meisten Leute wieder ihr Halbwissen teilen. Alle glauben zu wissen wie eine Bank wirklich funktioniert ohne selbst eine Bankausbildung zu haben und die ganzen Hintergründe zu kennen.

    Was alles im Internet steht und in Videos gezeigt wird, stimmt natürlich immer. Es sind ja auch immer nur die Banken die an der Überschuldung einiger Menschen Verantwortung tragen...

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